Neue Trainer in der Bundesliga: Zwei mussten schon gehen

Von Von den dpa-Korrespondenten

dpa Berlin. Der FC Bayern ist auch mit Julian Nagelsmann die klare Nummer eins, der 1. FC Köln hat unter Steffen Baumgart einen beachtlichen Aufschwung hingelegt. Nicht alle Trainerwechsel haben sich ausgezahlt.

Neue Trainer in der Bundesliga: Zwei mussten schon gehen

Köln setzte vor der Saison auf Trainer Steffen Baumgart und schaffte einen Aufschwung. Foto: Marius Becker/dpa

Fast jeder zweite Bundesliga-Club hat vor der Saison den Trainer gewechselt - der erhoffte Aufschwung ist oft ausgeblieben, zwei der Neuen sind sogar schon wieder den Job los. Eine Bestandsaufnahme.

FC Bayern München: Julian Nagelsmann

Von Platz eins auf Platz eins: Redet in München noch jemand von Sieben-Titel-Gewinner Hansi Flick? Nein. Julian Nagelsmann hat sich als Nachfolger des Bundestrainers schnell als Glücksgriff erwiesen. Die Bayern-Bosse dürfen sich bestätigt fühlen, rund 20 Millionen Euro als Ablöse für den Nachfolger an RB Leipzig überwiesen zu haben. Der 34-Jährige hat beim Rekordmeister einen Fünfjahresvertrag erhalten. Vorstandschef Oliver Kahn sprach schon zum Start von einer „Ära“, die man gemeinsam prägen wolle. Von „einem neuen Wind in der Mannschaft“ berichtet Kapitän Manuel Neuer. Erster in der Liga, bestes Team der Champions-League-Gruppenphase. Es lief top für den Neuen im ersten Halbjahr, abgesehen vom 0:5-Pokal-K.o. in Gladbach.

RB Leipzig: Jesse Marsch/Domenico Tedesco

Von Platz zwei auf Platz zehn. Nach dem Abgang von Julian Nagelsmann hatte sich Leipzig-Boss Oliver Mintzlaff mit dem neuen Trainer Jesse Marsch die Rückkehr zur RB-DNA in den Kopf gesetzt. Der einst von Ralf Rangnick geprägte Stil mit schnellem Umschalten und hoher Laufintensität sollte wieder gespielt werden. Problem: Die Mannschaft zog nicht mit, wollte beim nagelsmannschen Ballbesitzspiel bleiben. Nach 14 Spielen und nur 18 Punkten musste Marsch gehen. Unter Tedesco ist eine andere Idee klar erkennbar, die Punktausbeute nach drei Spielen jedoch nahezu identisch zu seinem Vorgänger. Es rumort in der Mannschaft, und ein starker Sportdirektor, der Trainer und Team schützt, ist noch immer nicht da.

Borussia Dortmund: Marco Rose

Von Platz drei auf Platz zwei. Bei der Beurteilung seiner Arbeit scheiden sich die Geister. Das frühe und vermeidbare Aus in einer leichten Champions-League-Gruppe war der erste Rückschlag für den einstigen Gladbach-Coach an neuer Wirkungsstätte. Auch in der Bundesliga ruft das Team zu selten sein Potenzial ab, rangiert aber immerhin auf Platz zwei und steht bei der Punktausbeute um fünf beziehungsweise vier Zähler besser da als in den vergangenen beiden Spielzeiten. Der durchgehend hohe Krankenstand erschwerte Rose die Arbeit. Bleibt abzuwarten, ob die Formkurve zum Jahresbeginn bei entspannterer Personallage wirklich nach oben geht. „Marco Rose macht das gut. Lasst ihm mal Zeit. Das erste halbe Jahr war nicht so schlecht“, urteilte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke nach dem Hinrundenschluss beim TV-Sender Bild.

Borussia Mönchengladbach: Adi Hütter

Von Platz acht auf Platz 14. Hütter erbte große Probleme seines Vorgängers Rose. Anders als dieser zwei Jahre zuvor bei seinem Antritt bekam Hüttter zudem coronabedingt keine kostspieligen Stars zum Einstand. Mit dem nahezu unveränderten Kader schaffte es der Österreicher zunächst scheinbar, die vielen Gegentore unter Rose zu reduzieren. Insgesamt schien die Borussia auf einem guten Weg, ehe bekannte Probleme aus der Rose-Ära mit Wucht zurück kamen. Im Derby im Köln fehlte die Leidenschaft, gegen Freiburg beim historischen 0:6 erwischte das gesamte Team einen rabenschwarzen Tag und wirkte fortan gehemmt. Für das Phlegma im Team und anhaltende Personalspekulationen kann Hütter kaum etwas. Für fehlende Konstanz schon eher. Ob er sich einen Gefallen damit tut, in der Öffentlichkeit kein böses Wort über die Probleme im Team zu verlieren, wird sich im neuen Jahr zeigen.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner

Von Platz fünf auf Platz sechs. Der Start verlief mehr als holprig, Oliver Glasner schied mit der Eintracht direkt im DFB-Pokal aus. Auch in der Bundesliga gab es zunächst Enttäuschung um Enttäuschung, bevor ein später Sieg bei Aufsteiger Fürth die Wende herbeiführte. Sechs der vergangenen sieben Spiele haben die Hessen gewonnen, sie überwintern damit auf einem Europapokal-Platz. Auch in der Europa League wurde das Ziel mit dem Erreichen des Achtelfinals erfüllt. Das Erbe seines Landsmanns Hütter hat Glasner nach Startschwierigkeiten also ordentlich fortgeführt, die Perspektiven für 2022 sehen gut aus.

VfL Wolfsburg: Mark van Bommel/Florian Kohfeldt

Von Platz vier auf Platz 13. Es lief in diesem Jahr schief, was schief laufen konnte mit dem VfL Wolfsburg und seinen Trainern. Zunächst führte Oliver Glasner den Club in die Champions League und wechselte trotzdem nach Frankfurt. Das Verhältnis zu Sportchef Jörg Schmadtke war so abgekühlt, dass keiner mehr mit dem anderen weiterarbeiten wollte. Diesen Weggang so in Kauf zu nehmen, war der erste Fehler. Mark van Bommel als Nachfolger zu holen, der zweite. Der Niederländer wollte den Spielstil verändern - und verwässerte am Ende nur alle Wolfsburger Stärken. Ende Oktober übernahm Florian Kohfeldt ein Team ohne sportliche Identität und ist dadurch mittlerweile auch schon wieder beschädigt. Die vergangenen sieben Spiele in Bundesliga und Champions League gingen alle verloren.

Bayer Leverkusen: Gerardo Seoane

Von Platz sechs auf Platz vier. Sein Team habe am Schluss ein bisschen den Faden verloren, befand der Schweizer nach dem 1:2 am Sonntag in Freiburg. Das galt aus seiner Sicht auch für das Ende der ersten Saisonhälfte, in der seiner stark belasteten Mannschaft ein wenig „die Körner“ gefehlt hätten, erklärte Seoane. Begeisternden Auftritten folgten Rückschläge wie die herben Niederlagen gegen Bayern München oder zuletzt in Frankfurt. Ein paar Punkte mehr wären möglich gewesen, zudem tat das Aus im DFB-Pokal gegen Zweitligist Karlsruhe weh. Doch Bayer startet von einem Champions-League-Platz aus in die Rückrunde und steht in der Europa League im Achtelfinale.

1. FC Köln: Steffen Baumgart

Von Platz 16 auf Platz acht. Das Lob seines besten Torschützen Anthony Modeste nach dem späten 1:0 am Sonntag gegen Stuttgart gab gut wieder, was sich beim 1. FC Köln unter Baumgart verändert hat. Der Kader sei fast der gleiche wie in den vergangenen beiden Jahren, aber mit einem geilen Trainer habe man alles geändert. Der emotionale und meinungsstarke Baumgart hat das FC-Umfeld neu belebt, er zieht die Aufmerksamkeit von den Spielern weg und will mutigen und attraktiven Fußball spielen lassen, auch gegen vermeintlich übermächtige Kontrahenten. Nach dem in der Relegation erzitterten Bundesliga-Verbleib können die Kölner mit 25 Punkten beruhigt in die Winterpause gehen.

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