Fußball

Ohne Havertz nicht besser als mit - Demirbay nur Edeljoker

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Mittwoch, 4. November 2020 - 12:32 Uhr

von Von Holger Schmidt und Ulrike John, dpa

dpa Leverkusen. Auch nach fast anderthalb Jahren in Leverkusen nimmt Rekord-Einkauf Kerem Demirbay keine prägende Rolle ein. Der mit ihm aus Hoffenheim gekommene Nadiem Amiri ist zumindest ein Stück weiter. Und Hoffenheim hat seinen Verlust gut aufgefangen.

Gegen Slavia Prag durfte Leverkusens Kerem Demirbay von Beginn ran. Foto: Petr David Josek/AP/dpa

Im Vorjahr war sein Problem, dass Kai Havertz da war. In diesem Jahr ist sein Problem, dass Kai Havertz weg ist. So lässt sich - etwas vereinfacht - die Situation von Kerem Demirbay bei Bayer Leverkusen zusammenfassen.

2019 war der Edeltechniker für 32 Millionen Euro als absoluter Rekordtransfer nach Leverkusen gewechselt, erhielt die Nummer zehn und einen Fünf-Jahres-Vertrag.

Demirbay wollte sich über Leverkusen zurück in die Nationalmannschaft spielen, für Bayers Sportchef Rudi Völler war seine Verpflichtung „ein deutliches Signal für unsere Ambitionen“. Knapp anderthalb Jahre später fällt die Bilanz ernüchternd aus. Demirbay, den der „Spiegel“ mal als „Mix aus Kroos und Özil“ beschrieb, ist immer noch ein unerfülltes Versprechen, die DFB-Auswahl ist weit entfernt. Und die Werkself verpasste mit ihm die Champions League.

Im Schatten des dominanten Havertz kam Demirbay im Vorjahr kaum zur Geltung. Deshalb dachte Sportdirektor Simon Rolfes vor allem an ihn, als er nach dem Havertz-Abgang für insgesamt 100 Millionen zum FC Chelsea sagte, „dass die veränderte Struktur manchen die Chance gibt, in eine andere Rolle reinzuwachsen.“ Von einigen Neuzugängen aus dem Vorjahr erwarte man „den nächsten Entwicklungsschritt“.

Doch Demirbay nutzte die Chance nicht. Er ist kein Zehner, und damit kein direkter Havertz-Ersatz. Und auch als Achter oder offensiverer von zwei Sechsern fremdelt er mit der neuen, etwas kompakteren Spielweise. In den vergangenen vier Pflichtspielen saß der 27-Jährige zweimal ganz draußen, einmal wurde er eingewechselt. Nur als Trainer Peter Bosz bei Slavia Prag (0:1) durchrotierte, durfte er ran - und enttäuschte. Sollte Demirbay im dritten Europa-League-Spiel am Donnerstag bei Hapoel Be'er Sheva (18.55 Uhr/DAZN) wieder eine Chance bekommen, sollte er sie nutzen.

Nach dem Prag-Spiel betonte Bosz, er müsse ihn „in Schutz nehmen“. Sein Nebenmann Julian Baumgartlinger sei „eben ein ganz anderer Spieler“. Demirbay habe „für die Mannschaft gekämpft und womöglich versucht, nach vorne zu spielen“. Da lässt sich auch im Lob viel zwischen den Zeilen lesen.

Kumpel Nadiem Amiri, der im Vorjahr für vergleichsweise geringe neun Millionen ebenfalls von Hoffenheim nach Leverkusen gewechselt war, spielt sich dagegen bei Bayer immer freier. Und in Hoffenheim, das in der Europa League am Donnerstag (21.00 Uhr/Nitro und DAZN) Slovan Liberec empfängt, nutzten Christoph Baumgartner und Florian Grillitsch die Abgänge der beiden, um sich zu tragenden Figuren zu steigern. Ausgerechnet 32-Millionen-Mann Demirbay ist Stand jetzt der Verlierer dieser Rochade bei den deutschen Europa-League-Startern.

© dpa-infocom, dpa:201104-99-207361/2

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