RB Leipzig bastelt am Abschiedsgeschenk für Coach Rangnick

Von Von Frank Kastner und Jens Marx, dpa

dpa Leipzig. Erster Heimsieg in der Liga in diesem Jahr. Fünf Leipziger Tore gegen Hertha - es hätten noch mehr sein können. Im Endspurt um die Champions-League-Plätze gehen die Pläne von Fußball-Denker Rangnick auf. Das spürt auch die Mannschaft - sie plant den ersten Coup.

RB Leipzig bastelt am Abschiedsgeschenk für Coach Rangnick

Die Leipziger Spieler lassen sich nach dem Spiel von ihren Fans feiern. Foto: Jan Woitas

RB Leipzig läuft rechtzeitig vor dem Trainer-Abschied von Ralf Rangnick wieder zur Höchstform auf.

Hertha BSC demontiert, der Konkurrenz in der Bundesliga und im DFB-Pokal die eigene Stärke demonstriert - in dieser Verfassung ist der Champions-League-Anwärter aus Sachsen reif für seinen ersten großen Titel. Es wäre ein passendes Geschenk für Rangnick am Saisonende.

„Wie viel Spielwitz wir gehabt haben, wie wir zu den Toren gekommen sind, da muss man ehrlich sagen, das war schon Chapeau“, sagte Emil Forsberg, einer der drei Torschützen beim 5:0-Fußballfest in der Red Bull Arena. „Wir haben uns super Torchancen herausgespielt, wir haben super Tore geschossen. Es war ein super Tag heute“, meinte Kevin Kampl. Die Genesung der beiden Kreativkräfte Forsberg und Kampl, die schnelle Integration der Winter-Neuzugänge Amadou Haidara, der nach einem Kreuzbandriss sein Startelfdebüt feierte, und Tyler Adams machen den Tabellen-Dritten noch stärker. Vor allem unberechenbarer.

Fehlte in den vier Heimspielen zuvor ohne Sieg die Finesse im Spiel der Leipziger, sprühte die Offensive gegen völlig überforderte Berliner vor Ideen. Rangnick stellte es erfreut und auch mit Stolz fest. Denn alle, die auf dem Platz standen im RB-Trikot, vom Dreifach-Torschützen Yussuf Poulsen bis Haidara, der für den fünften Leipziger Treffer gegen die Hertha sorgte, hat der 60-Jährige in seiner Rolle als Sportdirektor nach Leipzig gelotst. Daran, dass er den Posten als Trainer nach dieser Saison abgeben und an Julian Nagelsmann übergeben wird, wollte er in diesem Moment nicht denken. Rangnick ist voll im Trainermodus, er genoss den Augenblick nach der „Gala-Vorstellung“, dachte aber auch schon an den nächsten Schritt.

Am Dienstag (20.45 Uhr) im DFB-Pokal-Viertelfinale soll der FC Augsburg die geballte neue Kreativübermacht zu spüren bekommen. Beim 0:0 vor ein paar Wochen daheim in der Liga hatte RB keine List gefunden, die Augsburger Defensiv-Blöcke zu überwinden. Da standen Rangnick aber auch nicht alle seiner Impulsgeber zur Verfügung.

Sieben Ligaspiele sind es noch, maximal drei Partien können es im Cup-Wettbewerb werden. „Dieses Jahr ist alles möglich im DFB-Pokal“, sagte Kampl. „Ich will unbedingt dahin“, betonte Forsberg - gemeint ist das Finale am 25. Mai in Berlin, sechs Tage nach dem zehnten Gründungstag des Vereins.

Rangnick weiß, wie sich der Erfolg im Olympiastadion anfühlt. 2011 holte er mit dem FC Schalke 04 in Berlin gegen den MSV Duisburg den Pokal. Es war sein bislang einziger Titel im Profifußball. Den Cup mit RB zu holen, wäre noch etwas Anderes, eine vorläufige Krönung für den hochehrgeizigen Schwaben, der der Denker und Stratege des Projekts RB ist.

Er macht die Spieler besser. Forsberg umarmte - anders als seinen Nationaltrainer jüngst - Rangnick innig nach seiner Auswechslung. Und auch Timo Werner bestätigte Rangnicks Prophezeiung, dass der 23 Jahre alte deutsche Nationalspieler wieder im Kommen ist. Werner blühte vor seinem kongenialen Vorlagengeber wieder auf - auch wenn diesmal Poulsen vollendete.

Der Däne ist nicht nur wegen seiner Tore gegen Hertha der derzeit treffsichere der beiden Angreifer. Der werdende Vater schnappte sich den Ball nach dem ersten Liga-Dreierpack seiner Karriere. Seine schwangere Freundin Maria saß erstmals wieder auf der Tribüne in der Red Bull Arena, nachdem laut Poulsen „die Übelkeit“ zuletzt einen Besuch verhinderte. Mit 15 Treffern ist Poulsen auf Rang drei der Torschützenliste - Bayern-Stürmer Robert Lewandowski hat 19. Die Torjägerkrone ist für den RB-Dänen drin. „Vielleicht, dann muss ich in den nächsten sieben Spielen auch viele Tore machen“, betonte er. Auch Treffer schon im DFB-Pokal gegen Augsburg wären willkommen.