Rangnick zu Schalke? Fans begeistert, Aufsichtsrat im Streit

dpa Gelsenkirchen. An eine sportliche Rettung des FC Schalke 04 glaubt nach dem 0:5 in Wolfsburg niemand mehr. Jetzt dreht sich alles nur noch um einen Namen.

Rangnick zu Schalke? Fans begeistert, Aufsichtsrat im Streit

Ralf Rangnick arbeitete bereits von 2004 bis 2005 sowie im Jahr 2011 als Trainer beim FC Schalke 04. Foto: Ina Fassbender/dpa

Kommt er oder kommt er nicht? Die mögliche Rückkehr von Ralf Rangnick als künftiger Sportvorstand überlagert beim FC Schalke 04 längst alle anderen Themen.

Doch noch an eine sportliche Rettung in der Fußball-Bundesliga zu glauben, verbietet sich spätestens seit dem 0:5 (0:1) beim VfL Wolfsburg, bei dem auch der Effekt des vierten Trainerwechsels in dieser Saison schon nach dem zweiten Spiel unter Dimitrios Grammozis auf beinahe bemitleidenswerte Weise verpuffte. Also dreht sich alles nur noch um die Frage, wer im Sommer den sportlichen Neuaufbau betreiben und den Club aus seiner nicht enden wollenden Abwärtsspirale befreien soll.

Für die meisten Fans ist die Antwort offenbar klar: Ralf Rangnick! Im Internet wurde noch am Freitagabend eine Petition gestartet, die seine Verpflichtung als Sportvorstand fordert und die schon in den ersten 30 Stunden mehr als 28.000 Unterstützer fand.

Womöglich wird dieses Stimmungsbild an der Basis auch noch einmal die Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat beeinflussen. Denn dort gab es nach Informationen der „Bild“ und der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ einen heftigen Streit über die mögliche Rangnick-Rückkehr. Den Berichten zufolge möchte der Aufsichtsrats-Chef Jens Buchta lieber Markus Krösche engagieren, der 2019 pikanterweise Rangnick als Sportdirektor bei RB Leipzig ablöste. Jenes Aufsichtsratsmitglied, das den Rangnick-Plan in das Gremium einbrachte, soll dort zeitweise massiv angegangen worden sein. „Jetzt beginnt der Machtkampf um Rangnick“, titelte die „Bild am Sonntag“ deshalb auch.

Der 62-Jährige selbst soll nach übereinstimmenden Medienberichten bereit zu einer Rückkehr zu dem Verein sein, den er bereits in den Jahren 2004, 2005 und 2011 trainierte. Warum viele Anhänger ihn beinahe schon wie einen Erlöser herbeisehnen, liegt ebenfalls auf der Hand. Rangnick arbeitete zuletzt zwar für RB Leipzig und 1899 Hoffenheim und damit für zwei Gebilde, die emotional betrachtet den maximal denkbaren Kontrast zu einem Club wie Schalke 04 darstellen. Aber er machte das mit großem Erfolg, einem klaren Plan und einer aus aktueller Schalker Sicht sehr verlockenden Kompromisslosigkeit.

Aus seiner Zuneigung zu diesem Club hat Rangnick nie einen Hehl gemacht. Dass sich ein Mann, der gerade als neuer Bundestrainer gehandelt wird und vor einem Jahr beinahe beim AC Mailand gelandet wäre, offenbar vorstellen kann, mit den Schalkern in die zweite Liga zu gehen, wärmt die Fanseele selbstverständlich auch.

Nur einem kann die aktuelle Entwicklung nicht gefallen: dem neuen Schalker Trainer Dimitrios Grammozis. Am Samstag in Wolfsburg war er der einzige Verantwortungsträger des Clubs, der permanent auf den Namen Rangnick angesprochen wurde und den natürlich nicht kommentierte. Ob der frühere Bundesliga-Profi beim Tabellenletzten nur eine Übergangs- oder eine Zukunftslösung ist, steht vor dem Hintergrund einer möglichen Rangnick-Rückkehr mehr denn je in Frage.

Dazu musste Grammozis in seinem erst zweiten Spiel als Schalke-Trainer einen Auftritt mitansehen, der durch ein skurriles Eigentor von Shkodran Mustafi (31. Minute) zunächst in die falsche Richtung kippte und nach der Pause durch weitere Gegentore von Wout Weghorst (51.), Ridle Baku (58.), Josip Brekalo (64.) und Maximilian Philipp (79.) dramatisch den Bach runterging. „Man hat gemerkt, dass die vergangenen Monate Spuren in den Köpfen der Spieler hinterlassen haben“, sagte der Coach.

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