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Tuchel als Chelsea-Coach - Schub für Werner und Havertz?

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Dienstag, 26. Januar 2021 - 15:13 Uhr

von Von Philip Dethlefs, dpa

dpa London. Nun soll also Thomas Tuchel kommen. Nach der Trennung vom glücklosen Fanliebling Frank Lampard will der FC Chelsea mit dem früheren Coach des BVB und von PSG schnell wieder erfolgreich sein. Die Erwartungen an den Taktiktüftler aus Deutschland sind hoch.

Soll beim FC Chelsea übernehmen: Thomas Tuchel. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Ob er Timo Werner und Kai Havertz zu alter Stärke verhelfen kann?

Die deutschen Nationalspieler aus ihrem seit Wochen anhaltenden Formtief zu befreien, gehört zu den wichtigsten Aufgaben von Thomas Tuchel, sobald das allseits erwartete Engagement als neuer Chelsea-Trainer perfekt ist. Der 47-Jährige kommt mit großen Vorschusslorbeeren nach London. Britische Medien begrüßten die Verpflichtung des „verrückten Genies“ („Telegraph“), „Visionärs“ (BBC), „hervorragenden Talententwicklers und Fußballwissenschaftlers“ („The Athletic“). Doch an der Stamford Bridge zählen nur Erfolge.

Die gab es zuletzt kaum - trotz einer 250 Millionen Euro schweren Transferoffensive im Sommer. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen acht Spielen ist der vermeintliche Titelanwärter in der Premier League auf Tabellenplatz neun zurückgefallen. Tuchel, der vor wenigen Wochen bei Paris Saint-Germain gehen musste, soll den Club von Milliardär Roman Abramowitsch im Eiltempo wieder an die Spitzengruppe heranführen. Mehr als die Qualifikation für die Champions League ist wohl nicht mehr drin.

Sein Vorgänger Frank Lampard scheiterte auch, weil es ihm nicht gelang, die hochbegabten Neuzugänge Werner und Havertz ins Team zu integrieren. Unterschiedliche Systeme, wechselnde Positionen - er probierte und probierte vergeblich. Zuletzt stand das deutsche Duo nicht mal mehr regelmäßig in der Startelf. In Lampards letztem Spiel, dem 3:1-Pokalsieg gegen Luton Town, verschoss Werner einen Strafstoß. Die Szene war symbolisch für das derzeit fehlende Selbstvertrauen.

In Paris hat Tuchel gezeigt, dass er aus teuren Individualisten - darunter Superstars wie Neymar und Kylian Mbappé - ein Spitzenteam formen kann. Der britische „Guardian“ nannte den gebürtigen Krumbacher „eine Art Anti-Lampard“. Auf den „unterqualifizierten Promi“ folge ein „bayerischer Über-Nerd, taktischer Modernist und detailbesessener Trainer“, schrieb das Blatt.

Lampard wurde vorgeworfen, er habe zu wenige Anweisungen gegeben. Darüber dürfte bei Tuchel, der nichts dem Zufall überlässt, sicher niemand mehr klagen. Mit einigen Profis hat er bereits erfolgreich gearbeitet. Mit Christian Pulisic gewann Tuchel 2017 mit Borussia Dortmund den DFB-Pokal. Mit Thiago Silva als PSG-Kapitän wurde er unter anderem zweimal französischer Meister.

Antonio Rüdiger, der unter Lampard seinen Stammplatz eingebüßt hatte, darf in Zukunft sicher auch auf mehr Einsätze hoffen. Tuchel wollte den deutschen Verteidiger einst nach Paris lotsen. Und doch: Davon dass Chelsea, wie mitunter zu lesen war, gezielt einen deutschen Trainer für seine deutschen Stars suchte, ist nicht auszugehen. Sprachliche Gründe waren dem Vernehmen nach kein Kriterium für die Wahl des Fußballlehrers, zumal das DFB-Trio gutes Englisch spricht.

Tatsächlich stand Tuchel schon 2018 - also lange vor Werner und Havertz - auf dem Zettel der Chelsea-Verantwortlichen. Angeblich bereut man an der Stamford Bridge bereits, dass der frühere Mainzer und Dortmunder Coach nicht schon damals verpflichtet wurde. Sein anspruchsvoller Angriffsfußball mit dem blitzschnellen Pressing ist genau nach dem Geschmack von Inhaber Abramowitsch.

Mit den Vereinsverantwortlichen war sich Tuchel auf seinen letzten Stationen jedoch nicht mehr einig: In Dortmund sah BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nach eigenen Worten keine Grundlage mehr für eine auf Vertrauen ausgelegte und perspektivisch erfolgreiche Zusammenarbeit. In Paris gab es Meinungsverschiedenheiten mit PSG-Sportdirektor Leonardo. In London muss er sich mit Milliardär Abramowitsch und der mächtigen Sportdirektorin Marina Granowskaja gut verstehen. Dass es sich Lampard mit Granowskaja verscherzt hatte, soll am Ende den Ausschlag für den Trainerwechsel gegeben haben.

© dpa-infocom, dpa:210126-99-177037/2

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