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Fußball

Ujah spürte Rassismus: „Alles ist besser, als nichts zu tun“

Fußball

Freitag, 12. Juni 2020 - 13:23 Uhr

von Von Arne Richter, dpa

dpa Berlin. Anthony Ujah könnte für den 1. FC Union Berlin im Abstiegskampf eine wichtige Rolle übernehmen. Gegen Schalke zeigte er einen Formanstieg. Abseits des Platzes trat der Nigerianer zuletzt auch in Erscheinung. Seine Aussagen gegen Rassismus findet auch sein Trainer gut.

Mann klarer Worte: Union-Profi Anthony Ujah. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Anthony Ujah ist nicht der Typ, der schweigt. Nur am Samstag würde er ein Tor ganz still feiern - aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber.

So hat es der Nigerianer vor dem wichtigen Gastspiel des 1. FC Union Berlin (15.30 Uhr/Sky) im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga beim 1. FC Köln angekündigt. Für keinen seiner bislang acht Clubs spielte der 29 Jahre alte Angreifer als Profi häufiger (94), für keinen erzielte er mehr Tore (34).

Union-Trainer Urs Fischer muss sich aber keine Sorgen über den Leistungswillen seines Angreifers machen. „Er ist ein aufgestellter Typ. Unter der Woche, im Training, da gibt er alles. Er ist kommunikativ und ist auch mal für einen Spaß bereit“, sagte Fischer. Nach Lachen war Ujah zuletzt aber keinesfalls immer zu Mute.

Als erster und ausführlicher als andere Bundesliga-Profis reagierte er auf den gewaltsamen Tod des schwarzen Amerikaners George Floyd durch Polizeigewalt. Ujah prangerte vor den medial mehr beachteten Aktionen der Dortmunder Jadon Sancho und Achraf Hakimi Rassismus an und erklärte aus der Perspektive des Betroffenen eindrucksvoll die Konsequenzen, ohne in die Opferrolle zu verfallen.

„Es tut gut, etwas gegen Rassismus zu tun. Und wir müssen jede Chance nutzen, um unsere Botschaft in die Welt zu tragen. Und die Botschaft ist einfach: 'Jeder will akzeptiert werden, jeder will gleich behandelt werden.' Das ist nicht schwer zu verstehen. Die Welt ist groß genug für uns alle“, schrieb Ujah in einem langen Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Der Familienvater erzählt darin auch von seiner Kindheit in Ugbokolo in Nigeria, in der er nicht wusste, dass es Rassismus gibt und dem schmerzhaften Lernprozess auf der ersten Auslandsstationen in Norwegen. „Ich habe schon früh internationalen Fußball geschaut, aber Rassismus habe ich bis dahin nicht als starkes Problem gesehen. Aber in dem Moment, als ich Afrika verließ, habe ich es gespürt.“

Schon vor sechs Jahren hatte er nach dem Tod des Amerikaners Eric Garner, der auf ähnliche Weise starb wie Floyd, auf seinem Trikot eine Botschaft präsentiert. „Wenn ich es schaffe, dass nur fünf oder zehn Menschen ihre Denkweise wegen mir verändern, dann habe ich meine Rolle ausgefüllt. Alles, was man tut, ist besser, als nichts zu tun“, sagte Ujah. Bei Union wird das Handeln positiv aufgenommen. „Ich finde das gut“, sagte Fischer. „Er ist ein toller Typ.“

Ob Ujah in Köln wie zuletzt gegen Schalke wieder in der Startelf stehen wird, ist offen. „Das werden wir sehen“, sagte Fischer. Nie berichtet der Schweizer über Details seiner Aufstellung. Beim Remis gegen Königsblau hatte der Nigerianer nicht nur mit seiner Torvorlage überzeugt. Die Bundesliga-Premierensaison mit den Eisernen verlief für Ujah bei bislang nur zwei Toren durchwachsen. Bei allen seinen 20 Einsätzen wurde er entweder ein- oder ausgewechselt. Acht Mal stand er in der Startelf.

Ausgerechnet in Köln einen großen Schritt Richtung Klassenverbleib zu machen, wäre Ujah natürlich unabhängig der alten Verbundenheit recht. Vier Punkte beträgt der Vorsprung der Berliner auf den Relegationsrang. „In unserer Situation muss jeder bereit sein, jeder ist charakterlich gefragt“, sagte er.

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