Fußball

Union hat „Prinzipien“: Reizwort Europacup für Fischer tabu

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Sonntag, 10. Januar 2021 - 11:12 Uhr

von Von Arne Richter, dpa

dpa Berlin. Der 1. FC Union bleibt auf Europa-Kurs. Wie der FC Bayern und Borussia Dortmund kann auch Wolfsburg in Berlin-Köpenick nicht gewinnen. Die Eisernen beharren aber auf ihre Sprachregelung: Nur der Klassenerhalt zählt. Als warnendes Beispiel muss Schalke herhalten.

Robin Knoche (r) von Union Berlin im Duell um den Ball mit Wolfsburgs Wout Weghorst. Foto: John Macdougall/AFP-Pool/dpa

Wie lange hält Urs Fischer das noch durch? Das Reizwort Europapokal bereitete dem Erfolgstrainer des 1. FC Union fast schon physisches Unbehagen. Locken ließ sich der Coach der Eisernen aber wieder nicht.

„Das Wort nehme ich nicht in den Mund“, stellte der Schweizer zum x-ten Mal kategorisch fest. Die Berliner bleiben auch nach dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg als souveräner Tabellenfünfter der Fußball-Bundesliga bei ihrer schon komisch klingenden Zielsetzung: Alles, was zählt, ist der Klassenerhalt!

Auch Manager Oliver Ruhnert tappte im „Sportstudio“ des ZDF nicht in die mehrfach gestellte Verbal-Falle. „Wenn Schluss wäre, wäre es eine Sensation“, sagte der Geschäftsführer über den Tabellenstand, der die Berliner als großes Überraschungsteam nach Europa bringen würde. Aber nach 34 und nicht nach 15 Spieltagen, so die Sprachregelung in Berlin-Köpenick. Für die Konkurrenz ist Union längst ein Kandidat für internationale Ansprüche. „Ich denke, dass sie noch länger in der Region bleiben können“, sagte Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner.

Als warnendes Beispiel machte Ruhnert seinen Ex-Club Schalke 04 aus. In der Vorsaison lag Königsblau nach 15 Spielen mit 28 Punkten, drei mehr als Union derzeit hat, auf Platz vier und geriet durch seinen unfassbaren Negativlauf noch in Abstiegsgefahr. „Spiel für Spiel anzugehen“, nannte Ruhnert phrasenverdächtig als Vorgabe. „Prinzipien“ zu haben, sei eine wichtige Philosophie der Eisernen.

Die Partie gegen Wolfsburg bot für Trainer Fischer durchaus Anhaltspunkte für fehlende Reife. Nach den Toren von Sheraldo Becker (29.) und Robert Andrich (53.) lag Union in Führung und war durch die Rote Karte für Maximilian Arnold in Überzahl, verspielte aber den möglichen Sieg. „Das ist was, was wir uns anschauen müssen. Aus solchen Phasen musst du lernen für die Zukunft“, forderte Fischer.

Langsam werden die Berliner mit dem Festhalten am Ziel Klassenerhalt dennoch unglaubwürdig. Der wochenlange Ausfall von Unterschiedsspieler Max Kruse hat an Spielweise und Effektivität nichts verändert. Sieben Heimspiele in Serie sind die Eisernen ungeschlagen. Keine Mannschaft hat bislang weniger Spiele verloren (2). Nur Tabellenführer Bayern (46) hat mehr Tore geschossen (31). Gegen keinen Gegner aus der oberen Tabellenhälfte ging bisher ein Spiel verloren. Daran änderten auch die Wolfsburger Tore von Renato Steffen (10.) und Wout Weghorst (66./Handelfmeter) nichts.

Diese Serie steht nun am 15. Januar gegen den Tabellendritten Bayer Leverkusen gleich wieder auf dem Prüfstand. „Wir machen uns nicht verrückt. Die Mannschaft kann sich davon ganz gut freimachen und auf das Spiel fokussieren und ist auf den Punkt da. Und das brauchen wir am Freitag auch“, sagte Innenverteidiger Robin Knoche. Fischer und Ruhnert mögen genau diese Attitüde.

© dpa-infocom, dpa:210110-99-963651/2

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