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WM-Fossil Kroos will die noch fehlende Trophäe

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Mittwoch, 2. September 2020 - 10:43 Uhr

von Von Arne Richter und Jens Mende, dpa

dpa Stuttgart. Toni Kroos hat praktisch alles erreicht. Nur ein EM-Triumph fehlt in seiner Fußballer-Vita. Entsprechend ernsthaft geht der Real-Profi den wohl letzten Anlauf mit der Nationalmannschaft an. Er verzichtet auf Privilegien. Das passt zu einem nicht erwarteten Image-Wandel.

Toni Kroos (M) bei Training der Nationalmannschaft in Stuttgart. Foto: Christian Charisius/dpa

Toni Kroos als Podcast-Plaudertasche. Das schien dann doch recht abwegig. Unnahbar auch im großen Erfolg, immer nur für sich, fast schon arrogant.

Das waren die wenig schmeichelhaften Attribute, die den Jungen von der Ostseeküste auf dem Weg nach ganz oben vom FC Bayern München, Bayer Leverkusen bis zu den Galaktischen bei Real Madrid begleiteten. Im schon recht hohen Fußballer-Alter von 30 Jahren hat Kroos aber eine Wandlung vorgenommen.

Private Fotos postet der stolze Familien-Vater regelmäßig über Social-Media-Kanäle. Im Dokumentarfilm mit seinem Namen gab er ungewöhnliche Einblicke in sein Leben. Und bei den oft humorvollen Unterhaltungen mit seinem Bruder Felix im Podcast „Einfach mal luppen“ kommt er auch ironisch rüber. „Bist du wiedermal zu gierig?“, fragt er seinen nur 14 Monate jüngeren Bruder, warum es mit einem neuen Verein nach dem Abschied vom 1. FC Union Berlin nicht klappt.

Felix Kroos ist bei den Aufnahmen viel lockerer. Das verwundert nicht bei der unterschiedlichen Vita der Fußball-Brüder. Toni Kroos musste sich schon als Teenager alleine fern der Heimat in München beweisen. Es schien, als habe er aus Schutz eine Mauer um sich gebaut.

Ulkig ist es nun durchaus, wenn beide über die möglicherweise ostdeutsche Herkunft des Wortes Abendbrot sprechen. Es darf auch mal belanglos sein. Auch Toni Kroos bekommt sein Fett weg. „Wie ein drolliger Cousin beim Familienfest ist Toni da einfach aufgetaucht - und geht jetzt nicht wieder weg“, heißt es in der Ankündigung der neuesten Hörspiel-Ausgabe vor dem Länderspiel am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) gegen Spanien. „Ja, ich wurde nominiert“, verkündet Toni Kroos mit süffisantem Unterton.

Natürlich wurde er nominiert. Und da Manuel Neuer eine Pause bekommt, ist er in Stuttgart auch Kapitän. Unter Bundestrainer Joachim Löw hat der gebürtige Greifswalder bei der Fußball-Nationalmannschaft einen Sonderstatus. Nach dem WM-Debakel 2018 konnte er sich sogar aussuchen, ob er zu Länderspielen kommen wollte oder nicht. „Mit seiner Erfahrung, Klasse und Persönlichkeit ist er natürlich ein Schlüsselspieler, dem in unseren weiteren Planungen eine ganz wichtige Rolle zukommt - auf und neben dem Platz“, hatte Löw damals gesagt und Kroos die Ruhepausen zugestanden.

Ein Jahr später sagte Kroos, dass er „konstant und gut dabei sein will und muss, wenn wir Richtung EM gucken“. Mittlerweile ist er also immer dabei, wenn es die Fitness zulässt. Und die Motivation ist einleuchtend. Er will es nochmal wissen. Und er will nach dem WM-Pokal, vier Champions-League-Siegen und diversen Meisterschaften in Deutschland und Spanien den einen ihm noch fehlenden Titel: Den EM-Sieg. 2021 ist dafür wohl die letzte Chance.

Im Kreise junger Spieler-Typen wie Leroy Sané oder Serge Gnabry wirkt Kroos schon jetzt ein bisschen aus der Zeit gefallen - auch das verbindet ihn mit dem 60 Jahre alten Rekord-Bundestrainer Löw. Kroos ist der einzige Feldspieler im aktuellen Aufgebot, der schon seinen 30. Geburtstag feierte. Er ist der einzig verbliebene Feldspieler, der beim WM-Triumph in Rio 2014 schon zur Stammelf zählte. Bei derzeit 96 Länderspielen kann er als einziger Nationalspieler noch in diesem Jahr in den 100er-Club aufsteigen. Auch darüber könnte er mit Bruder Felix dann trefflich plaudern.

© dpa-infocom, dpa:200902-99-399349/2

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