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Winter-Päuschen im Fußball: Corona-Tests und kaum Reisen

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Freitag, 18. Dezember 2020 - 12:52 Uhr

von Von Ulrike John, dpa

dpa Frankfurt/Main. Heimfliegen - für die Fußballprofis ist das an Weihnachten ebenso schwierig wie für andere Bürger. Die Bundesliga-Clubs haben eine so kurze Pause wie seit über 30 Jahren nicht mehr und hoffen auf verantwortungsbewusste Spieler.

Erwartet seine Spieler bereits kurz nach Weihnachten aus dem Urlaub zurück: Leipzig-Coach Julian Nagelsmann (2.v.l). Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Winterpause - das war: Gelangweilte Fußball-Fans schauen im Fernsehen Darts und Skispringen, notfalls sogar Rodeln.

Irgendwann endlich Testspiele von Bundesligisten auf Privatsendern, weil es ja nicht einmal mehr Hallenturniere gibt. Das war auch: Clubs ärgern sich über brasilianische Fußballprofis, die verspätet, braun gebrannt und mit ein paar Kilos zuviel von den Stränden zurückkommen. Im Corona-Jahr ist alles anders: Die Auszeit beschränkt sich auf ein paar freie Tage rund um Weihnachten.

Mit dem pickepackevollen internationalen Terminkalender müssen die Kicker in der Corona-Krise leben, da bleibt nur ein Atempäuschen zwischen dem Fußball-Jahr 2020 und 2021. Ein Tag vor Heiligabend stehen noch DFB-Pokalspiele an, am 2. Januar geht es bereits weiter mit Liga-Fußball. Ausgiebige Vorbereitung? Trainingslager im Ausland? Alles Makulatur.

„Weihnachten wird insgesamt spannend werden, nicht nur mit Blick auf den Fußball. Die Jungs wissen, welche Verantwortung sie aktuell für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs haben“, betonte Jochen Saier, Sportvorstand des SC Freiburg, der seinen Profis einen Leitfaden mitgibt und individuelle Absprachen getroffen hat.

„Richtig runterfahren kannst du da natürlich nicht“, sagte Augsburgs Trainer Heiko Herrlich. Sein Hoffenheimer Kollege Sebastian Hoeneß erklärte kürzlich in einer Pressekonferenz, dass seine Spieler gar nicht frei hätten. Dass es ein Scherz war - darauf kam nicht gleich jeder. Denn quasi unmittelbar nach den Feiertagen nehmen die Clubs das Training wieder auf.

Instagram-Stories von relaxten Fußballern auf Jachten oder im Liegestuhl wird man diesen Winter kaum sehen. Möglich sind allenfalls Kurztrips. Werder-Geschäftsführer Frank Baumann gab jedoch die Devise aus: „Wir möchten keine Auslandsreisen haben, bei denen die Spieler danach in Quarantäne müssten. Die klare Vorgabe ist, dass sich alle an die Vorschriften halten. Bremen ist auch an Weihnachten sehr schön, sodass fast alle Spieler auch Weihnachten in Bremen verbringen werden.“

Auch die ausländischen Profis von Hertha BSC werden ihren kurzen Weihnachtsurlaub für Berlin planen müssen. „Es ist nicht schön, aber es geht der ganzen Bevölkerung so. Wir sind Teil davon und müssen uns anpassen“, sagte Chefcoach Bruno Labbadia. Die deutschen Hertha-Spieler können innerhalb Deutschlands verreisen, müssen aber spätestens am 26. Dezember wieder in der Hauptstadt sein.

Bei Borussia Dortmund erklärte Sportdirektor Michael Zorc: „Bislang gilt: Wenn du nach Nordrhein-Westfalen zurückreist, besteht keine Quarantänepflicht. Insofern spricht nichts dagegen, dass zum Beispiel Erling Haaland über Weihnachten seine Familie in Norwegen besucht oder Jadon Sancho seine Familie in England.“

Die Quarantänebestimmungen sind von Bundesland zu Bundesland, oft sogar von Gesundheitsbehörde zu Gesundheitsbehörde unterschiedlich, die Einreisebedingungen in anderen Ländern sowieso. RB Leipzig hat seinen Profis eine gewisse Flexibilität verschafft. „Es gibt eine Sondervereinbarung mit dem Gesundheitsamt, dass sie länger wegdürfen als zwei Tage“, sagte Trainer Julian Nagelsmann. „Spieler, die aus dem Ausland kommen, müssen dann neben den negativen Tests in unserem Trainingszentrum zusammen in Quarantäne gehen und dürfen dann nach ein paar Tagen erst wieder in ihre Wohnungen.“

Nagelsmann erwartet seine Spieler am 28. Dezember zurück - Mannschaftstraining ist aber erst nach einem zweiten Negativtest, also 48 Stunden danach, möglich. Die verpflichtenden Testungen von Seiten der Deutschen Fußball Liga schränken die Reisepläne stark ein. In der spielfreien Zeit sind in der 1. und 2. Liga zwei PCR-Testungen innerhalb einer Woche bei einem Abstand von maximal fünf Tagen durchzuführen. Bei Clubs, die den Trainingsbetrieb länger als fünf Tage unterbrechen, seien vor dem ersten Mannschaftstraining zwei negative Tests mit einem Abstand von mindestens 24 Stunden notwendig.

Dies alles, so Nürnbergs Zweitliga-Coach Robert Klauß, „ist die größte Herausforderung in diesem Jahr für alle Mannschaften: Wie gestalte ich die Testung, sodass die Spieler trotzdem frei haben, weil die Testung muss vor Ort erfolgen.“

Auch der FC Bayern München hat seine Stars in der Frage der Urlaubsgestaltung noch einmal auf die Anforderungen in der Pandemie hingewiesen. „Die Spieler wissen Bescheid, wir halten uns an die Regeln und Verordnungen, die es gibt. Da gibt es auch für uns keine Ausnahmen“, sagte Trainer Hansi Flick.

Ein Blick in die Historie könnte die heutigen Profis etwas trösten: Die Winterpause wurde nämlich erst 1986/87 eingeführt. Und es gab tatsächlich schon zwei Spiele im Oberhaus an Silvester: 1964 das 1:1 zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem VfB Stuttgart und ein Jahr später das 0:2 von Tasmania 1900 Berlin gegen Eintracht Braunschweig.

© dpa-infocom, dpa:201218-99-743339/3

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