Sportwelt

Abschied für Olympia-Kapitän Goc im „falschen Film“

Eishockey

Montag, 23. März 2020 - 13:01 Uhr

von Von Kristina Puck, dpa

dpa Mannheim. Olympia-Silbergewinner Marcel Goc wollte sich mit dem deutschen Meistertitel verabschieden. Stattdessen nimmt seine herausragende Eishockey-Karriere ein abruptes Ende.

Der frühere Nationalmannschaftskapitän Marcel Goc kann sich künftig auch einen Job beim DEB vorstellen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Im vielleicht schönsten Moment seiner Karriere dachte Marcel Goc an seinen Sohn. Jonas habe gesagt, es sei ok, wenn der Papa seinen Geburtstag verpasse, wenn er denn eine Medaille mitbringe, erzählte Goc im Februar 2018 gerührt.

Das Wunder der Olympischen Spiele von Pyeongchang war mit einem 4:3 im Jahrhundertspiel gegen Kanada wahr geworden. Mit Goc als Kapitän gewann das deutsche Eishockey-Nationalteam am Ende Silber. „Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagte Goc rückblickend.

Die Szene von Pyeongchang passt zu Goc, er ist als Familienmensch bekannt. Im Moment jedoch hat der 36-Jährige gerade viel früher als erhofft viel Zeit für seine Kinder. Seine herausragende Karriere ging aufgrund der Coronavirus-Pandemie abrupt zu Ende.

Als er erfuhr, dass für ihn alles ganz plötzlich vorbei ist, brachte Goc seinen Sohn gerade zum Eishockey-Training, auch die Tochter war dabei. Vor zwei Wochen brach die Deutsche Eishockey Liga ihre Saison ab. Ohne Playoffs. Ohne ein letztes Spiel für Goc und ohne eine Ehrenrunde, auf der er sich hätte verabschieden können. Wie im „falschen Film“ fühlte sich Goc zunächst. „Das ist schon traurig. Ich hätte ihm natürlich ein viel besseres Ende gewünscht“, sagte sein Olympia-Kollege Christian Ehrhoff.

Das hätte Goc auch verdient gehabt. Doch statt sich in diesen Tagen mit dem Titelkandidaten Mannheim näher zum Playoff-Finale zu kämpfen, macht er nun Hausaufgaben mit seinem Sohn, spielt Gesellschaftsspiele oder hält sich im Garten fit.

699 Mal kam der defensivstarke Angreifer in der NHL zum Einsatz, nahm an acht Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen teil. 2010, als Deutschland bei der Heim-WM mit Platz vier überraschte, schoss Goc das Team im Halbfinale gegen Russland (1:2) sogar in Führung. „Er hat unseren Sport immer als Führungsspieler vertreten. Marcel ist der Vorzeigesportler schlechthin“, lobte Verbandspräsident Franz Reindl.

Schon mit 16 Jahren hatte Goc sein Debüt in der DEL gegeben und mehr als zehn Jahre in der NHL gespielt, für die San Jose Sharks, die Nashville Predators, die Florida Panthers, die Pittsburgh Penguins und St. Louis. Trotz seiner Vita fiel Goc manchmal nicht besonders auf. Er ist zwar ein „geselliger Typ“, wie Ehrhoff ihn beschreibt, aber ein „ruhiger Vertreter“.

Als er kein neues NHL-Team fand und ihm die ständigen weiten Reisen ebenso wie die Gefahr eines plötzlichen Transfers zu viel wurden, wechselte er zurück nach Mannheim. Vor einem Jahr hatte der Angreifer mit den Adlern nach fast zwei Jahrzehnten im Profisport seinen ersten Titel gefeiert. Trotz körperlicher Probleme wäre er für die Playoffs bereit gewesen.

Wie seine berufliche Zukunft ausschauen wird, hat Goc noch nicht entschieden. Dem Eishockey will er aber erhalten bleiben. Mit den Adlern Mannheim sollen Gespräche folgen, auch beim Deutschen Eishockey-Bund könnten sich Möglichkeiten ergeben.

Das letzte Spiel für Goc war der Hauptrundenabschluss gegen Schwenningen. Auch das passte irgendwie, wie er sagte, denn es war sein erster Proficlub. Die Adler wollen sich trotzdem noch über einen würdigen Abschluss für den Kapitän Gedanken machen.

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