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Sportwelt

Ajans Sturz: Gewichtheber wollen einen Neustart

Gewichtheben

Donnerstag, 23. Januar 2020 - 11:19 Uhr

von Von Franko Koitzsch, dpa

dpa Doha. Die ARD-Dokumentation über Betrug und Korruption im Gewichtheben hat zu Konsequenzen geführt. Präsident Tamas Ajan wird vorerst suspendiert. Muss Gewichtheben nun raus aus dem olympischen Programm?

Wurde vorläufig suspendiert: Gewichtheber-Präsident Tamas Ajan. Foto: Igor Kovalenko/epa/dpa

24 Jahre Generalsekretär, 20 Jahre Präsident - nun steht die Sonnengott-Ära des umstrittenen Tamas Ajan als Chef des Gewichtheber-Weltverbandes IWF vor dem Ende.

Zunächst ist der 81-jährige Ungar für 90 Tage suspendiert. In dieser Zeit sollen seine Machenschaften untersucht werden. Danach wird das Urteil gefällt. „Der internationale Gewichtheben braucht einen Neuanfang - strukturell und personell“, sagt Christian Baumgartner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG). „Unvorstellbar, dass Ajan zurückkommt.“

13 Stunden hatte das Exekutivkomitee des Verbandes am 22. Januar in Doha hitzig diskutiert. Ajan hatte sich gewehrt, lamentiert und geschimpft - am Ende wurde er vom 21-köpfigen Gremium zum Rückzug gezwungen. „Der Präsident hört nicht auf sein Exekutivkomitee. All unsere Aktivitäten sind blockiert worden“, hatte Russlands Verbandschef Maxim Agapitow wenige Tage zuvor geklagt. Was zunächst wie eine dreimonatige Gnadenfrist für Ajan aussieht, soll zu einer schonungslosen Aufarbeitung seiner Amtszeit werden.

Die ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping - der Herr der Heber“ vom 5. Januar hatte Fakten und Geständnisse von Mittätern zusammengetragen und für einen weltweiten Aufschrei gesorgt. Es geht um Korruption, Doping-Verstöße, Manipulationen, verschwundene Millionen-Einnahmen, schwarze Kassen und Sportbetrug. Das IOC ist alarmiert und stuft die Situation als „ernst und besorgniserregend“ ein. Zwei Kommissionen (Ethik, Disziplin) gehen den Vorwürfen nach.

Die IWF-Führung mit der als Interimspräsidentin eingesetzten Amerikanerin Ursula Papandrea, Chefin des US-Verbands, will eine Gruppe unabhängiger Experten mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragen. „Ich rate, mit dem IOC und der Wada zusammenzuarbeiten“, sagt Baumgartner. Sollten in der Schweiz - der offizielle IWF-Sitz ist Lausanne - keine Untersuchungen durch die dortige Staatsanwaltschaft erfolgen, will der deutsche Verband Anzeige erstatten.

Gewichtheben ist zu einer dopingverseuchten Sportart verkommen. Allein die Nachprüfungen der Dopingkontrollen von den Olympischen Spielen 2008 und 2012 haben bislang 60 unentdeckte Sünder zutage gefördert. Und die Analyse dauert an. Forderungen von Experten wie dem früheren Wada-Chef Richard Pound, Gewichtheben aus dem olympischen Programm von Tokio zu werfen, riefen harsche Kritik hervor. „Das ist Blödsinn. Es gibt viele Verbände, die sauber arbeiten. Will man die bestrafen und ihnen vollends die Motivation rauben?“, fragt Baumgartner. Das IOC hatte der Sportart vor Längerem das olympische Startrecht zumindest bis Paris 2024 gewährt.

Die deutschen Heber werden permanent und regelkonform kontrolliert. Ihr schweres Los: Sie rennen vielen Kollegen aus Osteuropa und Asien, die in Medaillen geradezu ersticken, seit Jahrzehnten aussichtslos hinterher und freuen sich über achte Plätze. „Jetzt haben wir die Hoffnung, das sich etwas ändert“, meint Baumgartner.

Die ungarische Anti-Doping-Agentur Hunado soll künftig nicht mehr beauftragt werden. Vertreter der Agentur, die die meisten Kontrollen im Gewichtheben vornahmen, sollen laut Insider-Geständnis in der ARD-Dokumentation pro manipulierter Probe mit Fremdurin bis zu 600 Dollar kassiert haben. Die Hunado sitzt nur einen Steinwurf entfernt von Ajans Residenz in Budapest. Ajan: „Für mich haben die Vorwürfe gegen die IWF und meine Person keine Substanz.“

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