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Sportwelt

Basketball-WM als Verarbeitung: Lo „mental stark“

Basketball

Montag, 2. September 2019 - 12:27 Uhr

von Von Florian Lütticke, dpa

dpa Shenzhen. Für die deutschen Basketballer geht es im zweiten Vorrundenspiel bei der WM in China schon um alles. Dabei ist auch Maodo Lo gefordert. Der gebürtige Berliner und Sohn einer berühmten Künstlerin erlebte diesen Sommer den schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen.

Mit Deutschlands Baskteballern bei der WM in China im Einsatz: Bayern-Profi Maodo Lo. Foto: Swen Pförtner

Diese Weltmeisterschaft ist für Maodo Lo kein gewöhnliches Basketball-Turnier. Im Sommer musste der Aufbauspieler des deutschen Nationalteams mit dem Tod seines großen Bruders einen schweren Schicksalsschlag verkraften - und sieht die WM als wichtigen persönlichen Schritt.

„Das ist auch ein Weg für mich, das zu verarbeiten“, sagte der 26-Jährige am Montag vor dem Raum Madrid 8 im Intercontinental Teamhotel in Shenzhen mit leiser Stimme. „Für mich war klar, dass ich hier spielen will und spielen werde.“

Dass Lo zu einem der besten deutschen Profis aufstieg und mit der DBB-Auswahl am Dienstag im vorentscheidenden Vorrundenspiel gegen die Dominikanische Republik auf dem Parkett steht, hat maßgeblich auch mit Lamine zu tun. Sein Bruder, der vor gut zwei Monaten ums Leben kam, prägte nicht nur seinen Geschmack bei Musik und Stil, sondern brachte ihn auch zum Basketball. „Er war ein sehr herzlicher Mensch, den die Leute gekannt und geliebt haben. Ich habe zu ihm aufgeschaut“, sagte Lo zuletzt dem „Tagesspiegel“.

Angesichts der schweren privaten Zeit ist der Auftritt des deutschen Meisters vom FC Bayern in China umso bemerkenswerter. Beim knappen 74:78 gegen Mitfavorit Frankreich erlöste Lo das deutsche Team nach einem kollektiven Fehlstart mit dem ersten Treffer nach mehr als sieben Minuten.

„Er hat das Eis gebrochen, hat den Dreier getroffen. Er ist reingekommen, das zeigt, wie mental stark er momentan ist. Ich bin froh, dass er dabei ist“, lobte Bundestrainer Henrik Rödl, der mit Lo diesen Sommer auch „auf persönlicher Ebene“ gesprochen hat. „Jeder Einzelne geht mit solchen Sachen natürlich anders um, so wie er in seiner Persönlichkeit ist. Ich habe den Eindruck, dass Maodo sehr fokussiert in die Vorbereitung gekommen ist.“

Da die Meistersaison mit dem FC Bayern bereits beendet war, konnte Lo sich in der ersten Trauerzeit um seine Familie in Berlin kümmern. Nach China ist der gebürtige Hauptstädter im Gegensatz zu Dennis Schröder ohne Angehörige gereist, wollte seinen Eltern in der Ausnahmesituation den Stress eines Asien-Trips nicht zumuten, redet aber regelmäßig mit Mutter, Vater und seiner Freundin in der Heimat.

Die „New York Times“ beschrieb Lo während seiner College-Zeit an der Columbia University in Manhattan einmal als „Künstler mit einem Basketball“. Das Faible für Kultur kommt dabei nicht von ungefähr. Seine Mutter, die zeitgenössische Malerin Elvira Bach, begann als Vertreterin der Neuen Wilden Ende der 70er-Jahre.

Auch in China äußert sich Lo ohne die üblichen Sportlerphrasen reflektiert über seine Eindrücke aus einer ihm bislang fremden Welt. „Zu sehen, wie entwickelt, wie modern, wie westlich angehaucht die Städte hier sind, war sehr überraschend für mich“, sagte er. „Das ist schon krass, wenn man überlegt, dass wir hier in einem Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern sind. Und dann als Europäer so wenig Wissen über so ein Land zu haben, ist irgendwie komisch.“

In der südostchinesischen Stadt Shenzhen studierte der Ersatz für Anführer Schröder am Rande des Trainingsparketts noch einmal Videoszenen des missglückten Auftakts. Gegen die Dominikanische Republik braucht das deutsche Team einen Sieg, um sich eine realistische Chance auf das Minimalziel Zwischenrunde zu erhalten.

„Wir müssen von Anfang an unser Spiel spielen, das bedeutet aggressiv sein defensiv und offensiv mit freierem Fluss zu spielen“, forderte Lo und zieht Selbstbewusstsein aus der Aufholjagd nach zwischenzeitlich 24 Punkten Rückstand. „Das zeigt Charakter, das zeigt Stärke.“ So wie sein Auftritt in China.

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