Sportwelt

Behindertensport-Chef kritisiert Paralympics-Termin

Behindertensport

Mittwoch, 21. August 2019 - 05:22 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Frechen. Friedhelm Julius Beucher hat Kritik am Austragungstermin der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele im kommenden Jahr in Tokio geübt.

Am 25. August beginnen die Paralympics 2020 in Tokio. Foto: Koji Sasahara/AP

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes hätte die Spiele nach dem Vorbild der Fußball-WM 2022 in Katar lieber in den Winter verschoben gesehen. „Entweder hätte man es an einen anderen Ort vergeben oder auf einen anderen Zeitpunkt verlegen müssen. Stattdessen legt man es in den Zeitraum der größten Hitze“, sagte Beucher der Deutschen Presse-Agentur: „Man muss sich nach dem Kalender des Austragungsortes richten. Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass Sommerspiele im August stattfinden müssen.“ 1964 fand Olympia in Tokio vom 10. bis 24. Oktober statt.

Ein Jahr vor dem Beginn der Paralympics am 25. August 2020 beträgt die Temperatur in Tokio 30 Grad. Es können zu diesem Zeitpunkt aber durchaus auch bis zu 40 Grad werden. „Es ist keine neue Erkenntnis, dass es in Tokio auch Ende August noch sehr heiß sein und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrschen kann“, sagte Beucher: „Dort sollen sportliche Höchstleistungen gebracht werden. Das ist ein Angriff auf die Gesundheit. Das ärgert mich, und diesen Groll muss ich rauslassen. Diese Daten waren vor sieben Jahren sicher auch bekannt. Da kann ich nur den Kopf schütteln über diese IOC-Entscheidung.“

Aber, so merkte der frühere Sportausschuss-Vorsitzende des Deutschen Bundestages schmunzelnd an: „Es gibt nichts Schöneres, als mit einer schlimmen Befürchtung nicht bestätigt zu werden.“

Indes erwarten Bucher und IPC-Präsident Andrew Parsons in Tokio trotz der gestiegenen Bedeutung der Spiele keinen signifikanten Anstieg an Dopingfällen. „Ich verstehe die Frage und ich sehe die Verlockung. Je mehr Geld und Ruhm im Spiel sind, desto größer ist die theoretische Versuchung für den einen oder anderen“, erklärte Parsons als Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees der Deutschen Presse-Agentur: „Aber wir haben starke Anti-Doping-Programme. Und wir haben im Fall von Russland 2016 mit dem Gesamt-Ausschluss von Rio ein starkes Statement abgegeben.“

Beucher relativiert das. Die abschreckende Wirkung durch die Russland-Sperre des IPC sei „relativ überschaubar. Ich hätte mir nach Rio eine härtere Gangart des IPC gewünscht“, sagte Beucher: „Parsons hat die Linie von Sir Philip Craven nicht fortgeführt, sondern sich dem Goodwill-Verhalten des IOC angeschlossen.“

Dennoch glaubt auch Beucher: „Wenn alle geplanten Trainings- und Wettkampfkontrollen durchgeführt werden, glaube ich fest an relativ dopingfreie Spiele. Der Gedanke, dass die Luft für Sportbetrüger bei uns eng wird, ist tief verankert.“


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