Sportwelt

DFB-Chef Grindel definiert sich als Brückenbauer

Fußball

Sonntag, 25. Juni 2017 - 14:35 Uhr

von Von Arne Richter, dpa

dpa Sotschi. Reinhard Grindel war lange Berufspolitiker. Das merkt man dem DFB-Chef noch an. Staatstragend tritt der einstige CDU-Mann auch beim Confed Cup auf. Im Gegensatz zu FIFA-Boss Infantino scheut er aber auch die kritische Auseinandersetzung mit Gastgeber Russland nicht.

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw im Gespräch mit DFB-Präsident Reinhard Grindel (l). Foto: Sven Hoppe

Reinhard Grindel hat es sich auf dem deutschen Trainingsplatz in Sotschi auf der Ersatzbank gemütlich gemacht und schaut Leon Goretzka und Co. interessiert bei den Aufwärmübungen zu.

Den Wert der Nähe zu Bundestrainer Joachim Löw und dem Nationalteam hat der DFB-Präsident schon lange erkannt - auch beim Confederations Cup in Russland. Und doch ist der einstige CDU-Bundestagsabgeordnete immer noch eher ein politischer Präsident als ein Fußball-Präsident, das ist sein Terrain im Fußball-Sommer 2017.

Ob als Mahner im stockenden Demokratisierungsprozess der Fußball-Institutionen, als Gastredner beim Petersburger Dialog oder bei der Kranzniederlegung in Erinnerung an die Millionen Kriegstoten in Kasan, Grindel hat seine Rolle als Fußball-Repräsentant nach dem Einzug in die internationalen Gremien bei FIFA und UEFA in diesem Jahr schnell gefunden.

Während FIFA-Boss Gianni Infantino beim WM-Testlauf als kritikloser Platznachbar von Russlands Staatschef Wladimir Putin seinen großen Auftritt hatte, sind von Grindel auch Richtung Russland durchaus mahnende Worte zu vernehmen. „Es muss möglich sein, dass sich Journalisten frei bewegen und berichten können“, sagt er zum Thema Meinungsfreiheit im WM-Gastgeberland. „Zivilgesellschaft“, „Brücken bauen“, „Dialog“, sind die Vokabeln des Ex-Journalisten beim Sommerturnier.

Und auch Poltern gehört zum Grindel-Repertoire. Es erfolgt mit einem guten Gespür für die Fußball-Basis. „Ich sehe die Vorschläge skeptisch. Ich finde Neuerungen wie den Videobeweis und die Torkamera sinnvoll im Profibereich, wo ein falscher Schiedsrichterpfiff über Millionen entscheiden kann. Aber ansonsten ist der Fußball gut so, wie er ist, und so soll er auch bleiben“, sagte Grindel in einem Interview der Zeitung „Die Welt“ zu den teils revolutionären Regel-Reformideen des International Football Association Board.

Was Grindel gar nicht mag, ist, übergangen zu werden. „Das war meines Wissens so nicht abgestimmt mit der FIFA, und ich finde es dann irritierend, dass der IFAB-Geschäftsführer mit solchen Vorschlägen auf den Markt geht“, fügte er zum Regel-Thema an.

Auch die von Infantino geschickt inszenierte Ablösung der von ihm ungeliebten FIFA-Ethikspitze beim Kongress in Bahrain im Mai missfiel Grindel. „Es darf keinesfalls geschehen, dass durch den personellen Wechsel Fälle nicht bearbeitet werden“, sagte Grindel zu angeblich mehreren hundert Untersuchungen im Weltverband, die nun zunächst auf Eis liegen dürften. Möglicherweise gehören dazu auch Ermittlungen im deutschen WM-Skandal. Den hatte Grindel allerdings schon vor einiger Zeit selbst für erledigt erklärt.


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