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Sportwelt

DOSB-Chef Hörmann weist Vorwürfe zurück: „Inakzeptabel“

Sportpolitik

Mittwoch, 2. Mai 2018 - 16:11 Uhr

von Von Andreas Schirmer, dpa

dpa Frankfurt/Main. DOSB-Präsident Hörmann hat mit einem Brief an Minister Seehofer für Irritationen und Kritik gesorgt. Vorwürfe, er will als CSU-Mitglied mit Parteifreunden im BMI die Spitzensportreform nach DOSB-Gusto verändern und Einfluss auf Personalpolitik nehmen, weist er zurück.

Alfons Hörmann widerspricht Vorwürfen, er wolle Einfluss auf die Personalpolitik im BMI nehmen. Foto: Michael Kappeler

DOSB-Präsident Alfons Hörmann bestreitet, nach dem Regierungswechsel eine Hinterzimmerpolitik unter Parteifreunden der CSU betreiben zu wollen, um die Spitzensportreform im Sinne des Deutschen Olympischen Sportbundes zu verändern.

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„Dieser Vorwurf ist schlichtweg inakzeptabel, weil wir von Beginn an mit hoher Transparenz agiert und stets alle Nachfragen sehr offen beantwortet haben“, sagte Hörmann der Deutschen Presse-Agentur.

Der 57-jährige DOSB-Chef hatte in einem Brief an den neuen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) um ein Gespräch im „engsten Kreis“ und einen persönlichen Austausch gebeten. Die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, SPD-Politikerin Dagmar Freitag, nannte dies einen bemerkenswerten Vorgang, der erkennen lasse, dass „kritische Fragen unerwünscht“ seien.

„Eine verantwortungsbewusste Klärung wichtiger Fragen beinhaltet selbstverständlich auch Gespräche im kleinen Kreis“, entgegnete Hörmann. „Das war in der Vergangenheit so, und diese werden auch künftig stattfinden müssen.“ Dabei habe das Parteibuch in der Vergangenheit keine Rolle gespielt, und „das wird hoffentlich auch in Zukunft so bleiben“.

Auch der neue Parlamentarische Staatssekretär im BMI, Stephan Mayer (CSU), wehrte sich gegen den Verdacht, dass politische Nähe seine Entscheidungen beeinflussten. „Es wäre falsch, und es ist vollkommen abwegig, dass aufgrund derselben Parteizugehörigkeit ein ganz besonders kurzer Draht zwischen BMI und DOSB gegeben wäre“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch-Ausgabe).

Laut Hörmann ist sein Schreiben an Seehofer ein „Aufruf an die Politik“, mit der er die Sorge des DOSB Ausdruck verleihen wollte, „dass ein weiteres Abwarten und Verzögern den Erfolg der Reform gefährden“ würde. Seit anderthalb Jahren sei der Sport nun dabei, auf Basis des gemeinsamen Eckdatenpapiers die ersten Reformbausteine umzusetzen. „Leider haben wir nun aufgrund der Bundestagswahl im Herbst seit einem Jahr eine Situation, die zu viel Unsicherheit und Ungeduld bei allen Betroffenen führt“, sagte Hörmann. Nicht nur Athleten, Trainer und Verbände „warten sehnsüchtig auf die endgültige Klärung und den Einstieg in die Reform“.

Den Vorwurf, der DOSB habe Einfluss auf die Personalpolitik im BMI genommen, um nach häufigen Streitigkeiten eine Ablösung des Abteilungsleiters Sport, Gerhard Böhm, zu erreichen, hatte CSU-Mitglied Hörmann in dem Brief an Seehofer genährt. „In der derzeitigen Aufstellung scheint uns eine Umsetzung [der Reform] wie ursprünglich geplant, schlichtweg nicht machbar...“, lautet die interpretierbare Passage. Hörmann versichert im Nachgang aber: „BMI und DOSB tun gut daran, die wechselseitigen klaren Zuständigkeiten zu respektieren, und deshalb ist eine gegenseitige Einflussnahme in der Personalpolitik obsolet.“

Fakt ist seit dem 2. Mai jedoch, dass Ministerialdirektorin Beate Lohmann neue Abteilungsleiterin Sport im Bundesinnenministerium und Böhm in den einstweiligen Ruhestand wird. Dies bestätigte eine Sprecherin des BMI auf dpa-Anfrage. Lohmann leitete seit 2006 die Abteilung für Verwaltungsmodernisierung und Verwaltungsorganisation.

Als Grund für seine schriftlichen Initiative nannte Hörmann die Sorge um ein Scheitern der Reform und die Mahnung, im nächsten Haushalt mehr Geld für erste Reformmaßnahmen aufzunehmen. „Wir denken, dass für die verbleibenden Monate in diesem Jahr sicher rund 20 bis 40 Millionen Euro notwendig und im Sinne einer verantwortungsbewussten Umsetzung der ersten Schritte sinnvoll sind“, erklärte Hörmann. Zukünftig wünscht sich der DOSB für das Reformvorhaben vom Bund die Aufstockung der Mittel um 100 auf 270 Millionen Euro pro Jahr.

„Ich bitte zu bedenken, dass die nächsten Olympischen Spiele nicht mehr fern sind“, sagte Hörmann. „Deshalb formuliere ich sehr deutlich: Wenn wir das Vorbereitungsjahr 2019 nicht in geklärter Situation und guter Ausstattung angehen, werden wir das im Ergebnis 2020 in Tokio eindeutig im negativen Sinne erkennen.“

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