Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
Sportwelt

Die Boxer sind losgelassen: Neustart im Ring

Boxen

Donnerstag, 11. Juni 2020 - 12:12 Uhr

von Von Franko Koitzsch, dpa

dpa Hamburg. Jetzt darf auch wieder geboxt werden. Der Berliner Agon-Stall ist in Europa Vorreiter. Noch läuft es ohne Zuschauer. Andere Promoter haben ähnliche Pläne. Sogar mit Publikum.

Jack Culcay verteidigt seinen Titel als Internationaler WBO-Meister. Foto: Axel Heimken/dpa

Seit knapp vier Wochen rollt der Ball wieder, jetzt dürfen auch die Fäuste fliegen. Das deutsche Profiboxen meldet sich nach mehr als zwei Monaten Corona-Zwangspause zurück.

In den Berliner Havelstudios veranstaltet der Agon-Stall aus der Hauptstadt einen Abend mit sieben Kämpfen. Wie im Fußball sind auch beim Boxen Zuschauer am Ort des Geschehens verboten. Livebilder gibt es via Internet. „Wir sind stolz, dass wir die Ersten sind. Aber wir sind nicht egoistisch. Es geht um den deutschen Boxsport, der in den letzten Jahren ins Hintertreffen geraten ist“, sagt Agon-Manager Horst-Peter Strickrodt und hat einen Wunsch: „Das Profiboxen müsste mehr zusammenrücken.“

Gemeinsam mit einem Boxabend in einem Drei-Sterne-Hotel im polnischen Dorf Konarach ist Agon am Freitag europaweit der Vorreiter nach dem Corona-Stillstand. Die Genehmigungen für Boxen in Zeiten von Abstandsregel, Aerosolen und R-Faktor brauchten eine Weile. Das Berliner Gesundheitsamt willigte schließlich ein. Wie im Fußball gibt es Corona-Tests. Die ersten waren alle negativ, die zweiten sind 24 Stunden vor dem ersten Gong angesetzt. Wer mit den Boxern in Berührung kommt, muss Mund-Nasen-Schutz und Einmal-Handschuhe tragen. Der Ringrichter darf auf die Maske verzichten. Grund: Seine Kommandos müssen klar zu verstehen sein.

Ex-Weltmeister Jack Culcay ist Hauptkämpfer und verteidigt seinen Titel als Internationaler WBO-Meister. Gegner ist der Franzose Howard Cospolite. „Es wurde höchste Zeit, dass die Boxer wieder kämpfen können. Wir sind es ihnen schuldig“, sagt Strickrodt. Der erste Teil ist im Internet bei Youtube zu sehen, von 19.30 Uhr an übernimmt „bild.de“ mit dem kostenpflichtigen Portal Bildplus. „Das ist ein Testlauf. Läuft er gut, könnten andere nachziehen“, sagt Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB).

Ohne Zuschauer, ohne TV-Partner kann Agon aber keinen Gewinn machen. „Die Veranstaltung ist defizitär“, gesteht Strickrodt, der nicht ohne Neid auf den Profifußball blickt, der seine TV-Rechte gerade für Milliardensummen vertickt. „Uns fehlen die TV-Partner. Derzeit ist es kaum möglich, mit Boxabenden gewinnorientiert zu arbeiten.“

Andere Ställe in Deutschland schauen erleichtert auf Agon. „Super. Das ist genau das richtige Signal“, sagt Promoter Ulf Steinforth vom SES-Stall. Deutschlands Nummer eins will Mitte Juli mit einer Open-Air-Veranstaltung im Magdeburger Amphitheater Seebühne starten. Dann, so die Hoffnung, mit Zuschauern - natürlich unter Einhaltung der Abstandsregel. Steinforth hat seit Wochen ein umfangreiches Konzept für Boxen unter Corona-Bedingungen ausarbeiten lassen. „Wir haben mit Virologen, Ingenieuren, Fachbüros zusammengearbeitet. Das hat viel Geld gekostet.“ Jetzt scheinen die Lockerungen mehr und mehr das teure Konzept zu überholen.

Andere Promoter haben andere Ideen. Der Hamburger Ismail Özen-Otto beabsichtigt, am 11. Juli in einem Düsseldorfer Autokino kämpfen zu lassen. „Mehr als 500 Autos mit jeweils zwei Personen dürfen rein“, sagt Özen-Otto. Sein Kollege Erol Ceylan aus der Hansestadt hat das Tennisstadion am Rothenbaum im Auge. Der Münchner Alexander Petkovic will Ende August, Anfang September im Joda-Sportpark der schleswig-holsteinischen Oberliga-Fußballer SV Todesfelde veranstalten. „Wir brauchen 1000 Zuschauer. Sonst ist es nicht kostendeckend“, sagt Petkovic. Auch die Hansehalle in Lübeck ist ein Thema. Aber Corona, indoor und Zuschauer? Wie soll das gehen? Was heute absurd erscheint, ist morgen schon überholt.

Ihr Kommentar zum Thema

Die Boxer sind losgelassen: Neustart im Ring

Verbleibende Zeichen:

Regeln fürs Kommentieren

Bitte bleiben Sie fair und sachlich. Schreiben Sie keine Kommentare, die Beleidigungen, Verleumdungen oder falsche Tatsachenbehauptungen enthalten. Beiträge, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht (siehe Netiquette).

Bitte beachten Sie, dass Ihr Kommentar unter Ihrem echten Namen veröffentlicht wird!


captcha