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Sportwelt

Galoppsport in Corona-Zeiten: Geisterrennen als Rettung?

Pferderennen

Dienstag, 28. April 2020 - 11:50 Uhr

von Von Marie Reichenbach und Frank Kastner, dpa

dpa Hoppegarten. Die Corona-Krise hat auch den Galoppsport fest im Griff. Können Geisterrennen die Saison retten? Die Veranstalter sind sich uneinig, und auch die Politik hat sich noch nicht entschieden.

Auch im Galoppsport sind in Zeiten von Corona Geisterrennen eine Option. Foto: picture alliance / dpa

Auf den Trainingsplätzen der Galoppbahnen herrscht trotz der Corona-Krise fast Normalbetrieb. Auch wenn derzeit niemand weiß, wann das nächste Rennen stattfinden kann, müssen die Rennpferde weiter trainiert werden.

„Pferde haben einen natürlich Bewegungsdrang und wollen in der Regel Rennen laufen“, sagt der Besitzer der Galoppbahn Hoppegarten, Gerhard Schönigh. Die Verantwortlichen wollen die Saison mit Geisterrennen retten.

Geht es nach dem Dachverband Deutsche Galopp, soll der Rennbetrieb bereits im Mai wieder aufgenommen werden. Ohne Zuschauer und mit einem „komprimierten Programm“ bis zum 15. Juni. Der Kalender sieht Geisterrennen auf jeweils nur einer Rennbahn vor, um regionale Angebote zu schaffen und die Transportwege der Pferde zu minimieren.

Ob der Plan umgesetzt werden darf, ist jedoch noch nicht klar. Auch wenige Tage vor dem ersten geplanten Rennen am 1. Mai in Hannover warten alle Beteiligten auf eine Genehmigung der Politik. „Wir haben bereits positive Signale der lokalen Behörden bekommen“, sagt Schönigh. Er hoffe, dass bei den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten am Donnerstag eine grundsätzliche Entscheidung fällt.

In Hoppegarten soll es am 10. Mai losgehen. Auch wenn Schönigh auf die Genehmigung hofft, sind Geisterrennen für ihn eine absolute Notlösung. „Uns fallen dabei fast alle Einnahmen weg. Für die Branche ist es aber existenziell wichtig, dass Rennen stattfinden.“ Der aktive Rennsport habe in Deutschland etwa 3000 Mitarbeiter. „Ohne Rennen besteht die Gefahr, dass Pferdebesitzer ihre Tiere aus dem Training nehmen, weil es sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt“, erklärt Schönigh. Dann würden auch Trainer und Reiter ihre Jobs verlieren.

Auch in Dresden wird der Vorschlag des Dachverbands unterstützt. „Renntage ohne Zuschauer lohnen sich für den Verein im Prinzip nicht“, sagt der Pressesprecher des Dresdner Rennvereins Thomas Schmidt. Eine Saison ohne Zuschauer sei aber machbar und für Pferde, Trainer und Besitzer wichtig. Mit den Einnahmen aus den Buchmacherwetten könne man gerade so die Kosten für Geisterrennen tragen.

Ohne Zuschauer fallen für die Rennbahnen nicht nur die Eintrittsgelder weg, sondern vor allem auch die Erlöse aus Wetten vor Ort. Bei Rennen ohne Zuschauer können nur noch Wetten bei Buchmachern abgegeben werden. „Die Anbieter haben sich solidarisch mit der Branche gezeigt und verzichten für eine gewisse Zeit auf ihre Provision“, sagt Schmidt. So bleibe mehr für die Bahnbetreiber übrig. Mit diesen Einnahmen will man auch in Hoppegarten die Ausgaben für die Geisterrennen refinanzieren. „20 Prozent der Wetteinnahmen pro Rennen gehen an die Bahn“, erklärt Schönigh.

Doch nicht alle Bahnbetreiber unterstützen den Plan des Verbands. In Leipzig blickt man mit großer Sorge auf die kommende Saison. Das traditionelle Rennen am 1. Mai auf der Rennbahn Scheibenholz musste aufgrund des komprimierten Rennkalenders abgesagt werden. Für Scheibenholz-Marketingchefin Franziska Margalle ist das ein riesiger Schaden. „Für uns ist es bitter, wir haben null Erlöse. Die Einnahmen vom 1. Mai haben uns über die ganze Saison gerettet“, sagt sie.

Rennen ohne Zuschauer könne man sich in Leipzig nicht erlauben. Noch bitterer: Auch die zweite Veranstaltung, der Moderenntag am 7. Juni, kann nicht stattfinden. Bleiben nur noch der Sommernachtsrenntag am 9. Juli und das Saisonfinale am 10. Oktober.

Hoppegarten-Chef Schönigh will allen Beteiligten Hoffnung machen. „Es wird irgendwann Lockerungen geben, und dann hoffe ich, dass im Herbst auch wieder Rennen vor Zuschauern stattfinden können.“ Seine Rennbahn habe in den vergangenen 150 Jahren verschiedene politische Systeme und schwierige Zeiten überlebt. „Da sollten wir auch mit dem Corona-Virus fertig werden - alles andere wäre zu traurig.“

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