Sportwelt

Lobinger: „Was zählen Erfolge von gestern?“

Leichtathletik

Montag, 17. Februar 2020 - 04:49 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Der frühere Weltklasse-Stabhochspringer Tim Lobinger ist mit der heutigen Generation um Ex-Weltmeister Raphael Holzdeppe hart ins Gericht gegangen.

Der ehemalige deutsche Stabhochspringer Tim Lobinger hat die aktuellen DLV-Springer kritisiert. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

„Viele leben in einer Komfortzone, so groß wie ein Bundesland. Ich sehe nicht, dass unsere Leistungsträger den Mut haben, auch mal andere Wege zu gehen“, sagte der 47-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Raphael hat mehr Wettkämpfe abgesagt und ausfallen lassen, als ich trainingsfreie Tage in meiner gesamten Karriere gehabt habe! Und diese Statistik stimmt.“

Während Schwedens Überflieger Armand Duplantis die Leichtathletik mit Weltrekorden begeistert, können die deutschen Stabhochspringer mit der absoluten Weltspitze kaum noch mithalten. Immerhin: Der Leverkusener Bo Kanda Lita Baehre ist mit 20 Jahren so jung wie Duplantis und war 2019 in Doha WM-Vierter.

„Was zählen Erfolge von gestern, wenn man noch aktiv ist und springt? Wer ist noch hungrig? Wer reflektiert sich denn überhaupt?“, fragte Lobinger. Der Hallen-Weltmeister von 2003 verfolgt die Springerszene immer noch aufmerksam.

„Wir stagnieren im Männer-Stabhochsprung schon lange. Auf den Aufschwung warte ich immer noch. Die lullen sich einfach ein – das ist irgendwie lähmend“, sagte Lobinger, der in seiner Karriere zwar 99 Mal 5,80 Meter oder höher sprang, aber in der Stunde der Entscheidung oft auch enttäuschte.

Eine positive Ausnahme unter den DLV-Springern sei für ihn der ehemalige Zehnkämpfer Torben Blech. „Ich finde es super, wenn da einer als Quereinsteiger kommt und das sehr, sehr gut macht“, meinte Lobinger. „Der brennt noch, ist motiviert und engagiert.“


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