Sportwelt

Pressestimmen zu den Wada-Sanktionen gegen Russland

Pressestimmen

Dienstag, 10. Dezember 2019 - 09:48 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Internationale Pressestimmen zu den Strafen der Welt-Anti-Doping-Agentur gegen den russischen Sport:

Die Wada sprach Sanktionen gegen Russland aus. Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

RUSSLAND:

„Sport-Express“: „Die Entscheidung der Wada war vorhersehbar. Die Hoffnung, dem zu entgehen oder zumindest eine „reduzierte“ Strafe zu bekommen, galt schon von vornhinein als verrückt. Ebenso so unwahrscheinlich war es, alle Russen mit einem totalen Bann von allen Sportveranstaltungen fernzuhalten. Die Wada hat nun eine Zwischenoption gewählt: Es ist eine ziemlich harte, aber zumindest eine, an die sich die Welt bereits gewöhnt hat. Was wird also jetzt passieren? In erster Linie wird unser Sport sehr harte Zeiten erleben und wird mit einer neuen Welle an heftigen Sanktionen konfrontiert.“

„Rossijskaja Gaseta“: „Das ist sehr beleidigend und noch mehr: Es ist eine lächerliche Entscheidung. Nicht nur die russischen Sportler dürfen als solche nicht zu Wettbewerben anreisen. Auch Staatsbeamte aus Russland dürfen an großen internationalen Wettkämpfen nicht teilnehmen. Das ist doch klarer Unsinn!“

„Kommersant“: „Den heimischen Sport hat die größte Katastrophe seiner Geschichte eingeholt. (...) Die Empfehlungen und das endgültige Urteil ist wohl der schmerzhafteste Schlag, den der russische Sport jemals bekommen hat.“

ENGLAND:

„The Times“: „Wladimir Putin will auf Biegen und Brechen, dass Russland als Sieger aus all seinen Unternehmungen hervorgeht. Wenn nötig werden für das, was der Präsident als nationales Interesse ansieht, Regeln verletzt und gebeugt. Das gilt für geopolitische Rivalitäten, für Betrug durch Spione und auf besonders krasse Weise für den internationalen Sport. (...) Das Wada-Exekutivkomitee geht mit seiner Entscheidung nicht soweit, Moskau zum Paria zu erklären. Stattdessen gewährt es Putin eine letzte Chance, ein System gründlich zu überarbeiten, das der Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern geschadet und die Idee des Fair Play untergraben hat.“

SPANIEN:

„La Vanguardia: „Exemplarische Strafe für den russischen Sport“

„El País“: „Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Sanktion begrüßt, die seinem Wunsch nahe kommt, die Institutionen zu bestrafen und nicht direkt die Athleten, wodurch Unschuldige geschützt werden. (...) Wer weiß, welches von beidem derzeit mehr verletzt ist: der nationale Sportpatriotismus der russischen Großmacht oder deren Stolz auf Kriminelle, die durch ihre eigene Ungeschicklichkeit zu Fall gekommen sind.“

„El Mundo“: „Die härteste Sanktion der Sportgeschichte. (...) Der Skandal war so groß, dass nur eine exemplarische und harte Sanktion wie die am Montag angekündigte der Grundstein für den Versuch sein kann, die Geißel des systematischen Dopings in einem Land von so großer Bedeutung und so großem sportlichen Einfluss wie Russland zu beenden.“

POLEN:

„Gazeta Wyborcza“: „Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Russen mehr dürfen - mehr ausfressen, mehr kaputtmachen, mehr betrügen - und dafür keine angemessene Strafe bekommen, weil sich immer jemand findet, der sagt, dass sie zu groß und wichtig sind, um sie hart anzufassen. (...) Es scheint, dass das Spiel etwas gleicher geworden ist, zumindest im Sport. Doch erneut ist die Bestrafung nicht angemessen im Verhältnis zum Vergehen. Russland sollte ohne Ausnahmen aus der Welt des Sports herausgeworfen werden. (...) Russland sollte nicht für vier Jahre aus dem Sport verbannt werden. Sondern so lange, bis es ehrlich wird.“

NIEDERLANDE:

„de Volkskrant“: „Die von der Wada gezogenen Schlussfolgerungen zeigen, dass Russland nichts aus der Bestrafung gelernt hat, mit der das Land für die Manipulation von Proben bei den Olympischen Spielen in Sotschi belegt wurde. Mit dem Versuch, Beweise aus der Datenbank von Rusada, der Moskauer Anti-Doping-Agentur, zu entfernen, packte die Obrigkeit sogar noch eine Schippe drauf. Damit wollen sie verhindern, dass russischen Athleten ihre Medaillen aberkannt werden. Aber es geht noch um mehr. Unter Präsident Putin wurden die russischen Athleten instrumentalisiert: Sie sind Kämpfer für ihr Vaterland und müssen, wie damals bereits in der DDR praktiziert, mit leistungssteigernden Mitteln gefördert werden.“

SCHWEIZ:

„Neue Zürcher Zeitung“: „So weit, so schlecht. Doch was auf den ersten Blick wie ein entschiedenes Durchgreifen der Sportwelt gegen eines ihrer renitenten Mitglieder klingt, ist bei genauerem Hinsehen nicht viel mehr als ein Papiertiger.(...) Die russischen Athleten werden in Tokio um Olympiamedaillen kämpfen. Die russischen Fußballer werden an der Euro im kommenden Sommer teilnehmen. Die russische Stadt Sankt Petersburg wird Schauplatz von drei Vorrundenspielen und einem Viertelfinale sein. Die Wada hat den Russen genügend Hintertüren offengelassen, um die Sanktion zu umgehen und das Gesicht zu wahren. (...) Der Staatspräsident Wladimir Putin gilt als verlässlicher Partner der führenden Sportverbände. Deshalb genießt er die Unterstützung und den Schutz der maßgebenden Funktionäre.“

„Blick“: „Ein mutloser Entscheid. (...) Noch sind zu viele Fragen offen. Zum Beispiel, welche Bedingungen Athleten erfüllen müssen, um als sauber zu gelten, wenn sie bei Olympia oder Weltmeisterschaften antreten wollen. (...) Besser wäre es gewesen, die Wada hätte sich am Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF und dessen Chef Sebastian Coe orientiert. Weil der russische Verband Rusaf nicht kooperierte, werden russische Athleten genau unter die Lupe genommen, ehe sie zu Titelkämpfen antreten dürfen. Der Verband bleibt suspendiert.“

„Tages-Anzeiger“: „Gratulation den Russen! Die Strafe der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) gegen Russland klingt hart. Gemessen am immensen Betrug, ist sie milde. Was passiert, wenn eine Nation systematisch über Jahre ihre Athleten dopt - und dieser Betrug zweifelsfrei belegt ist? Sie wird ein bisschen dafür bestraft.“


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