Sportwelt

Russland befürchtet Olympia-Sperre für Biathlet Schipulin

Olympia

Dienstag, 23. Januar 2018 - 12:31 Uhr

von Von Friedemann Kohler, dpa

dpa Moskau. Russland hat zähneknirschend akzeptiert, dass dopingbelastete Sportler nicht zu Olympia nach Südkorea dürfen. Doch nun fehlen auch Einladungen des IOC auch für bisher als sauber eingeschätzte Athleten. Absicht oder Missverständnis?

Anton Schipulin hat noch keine Einladung zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang erhalten. Foto: Robert F. Bukaty

In Russland herrscht Empörung wegen einer möglichen Olympia-Sperre für Sporthelden wie den Biathleten Anton Schipulin, den Shorttracker Viktor Ahn und den Skilangläufer Sergej Ustjugow.

Die drei bisher noch nie wegen Dopings gesperrten Topstars fehlten auf der vorläufigen Einladungsliste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu den Winterspielen in Pyeongchang. Das bestätigte der Vizepräsident des russischen Nationalen Olympischen Komitees (ROC), Stanislaw Posdnjakow, der Agentur Tass zufolge. Die Spiele in Südkorea finden vom 9. bis 25. Februar statt.

„Wir bedauern sehr, wenn tatsächlich so entschieden worden sein sollte“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Frage müsse rasch mit dem IOC geklärt werden. Aus dem internationalen Biathlon-Verband IBU hieß es auf Anfrage, das IOC werde wohl erst am Mittwoch über Schipulin entscheiden.

ROC-Vize Posdnjakow bekräftigte, die drei Sportler seien nie in Doping verwickelt gewesen. „Die vielen Proben, die sie im Lauf ihrer Karriere abgegeben haben, belegen, dass sie saubere Athleten sind.“ Allerdings sei die Liste noch vorläufig. Schipulin, Staffelsieger bei den Winterspielen in Sotschi 2014, ist derzeit Kapitän der russischen Biathleten und gilt als Doping-Kritiker. Ustjugow galt als Doppel-Weltmeister von Lathi 2017 als einer der Mitfavoriten in der Langlaufspur.

Wegen des systematischen Dopings im russischen Sport, das in Sotschi seinen Höhepunkt fand, hat das IOC Russland als Sportnation für Pyeongchang ausgeschlossen. Teilnehmen dürfen nur unbelastete Sportler auf Einladung des IOC, die zudem unter neutraler Flagge starten müssen. Die genaue Einladungsliste liegt aber auch zweieinhalb Wochen vor Beginn der Spiele nicht vor.

„Ein Olympia-Ausschluss von Viktor Ahn ist meiner Meinung nach die Spitze der Ungerechtigkeit, die in den vergangenen drei Monaten an den russischen Sportlern begangen worden ist“, sagte der Präsident des russischen Eisschnelllaufverbandes, Alexej Krawzow.

Der gebürtige Koreaner hatte 2006 in Turin dreimal Gold und einmal Bronze für Südkorea gewonnen, in Sotschi war ihm exakt dieselbe Ausbeute für Russland gelungen. Er rangiert damit an der fünften Stelle der Erfolgreichsten Winter-Olympioniken. „Der russische Koreaner darf nicht nach Korea“, schrieb die Zeitung „Sport-Express“. Das IOC wollte der Agentur R-Sport zufolge den Fall Ahn nicht einzeln kommentieren. „Bald werden wir die Einladungsliste veröffentlichen“, sagte ein Sprecher.

Vor dem Sportschiedsgericht (CAS) in Lausanne werden derzeit die Fälle von 39 russischen Sportlerinnen und Sportlern verhandelt, die wegen Dopingverstößen lebenslang für Olympia gesperrt worden sind.


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