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Sportwelt

Schlaf- und appetitlos: Witthöft mit Comeback nach Stress

Tennis

Montag, 15. Juni 2020 - 13:12 Uhr

von Von Kristina Puck, dpa

dpa Stuttgart. Zu viel Druck, schlaflose Nächte, kein Appetit: Carina Witthöft war die Lust auf die große Tennis-Tour vergangen. Einst galt sie als größte Hoffnung für die Zeit nach Angelique Kerber, dann war der mentale Stress zu groß. Nun bietet sich eine Chance.

Startet in Stuttgart einen ungewöhnlichen Comeback-Versuch: Carina Witthöft. Foto: Anthony Anex/KEYSTONE/dpa

Den Druck wie sonst hat Carina Witthöft diesmal nicht. Wenn das einst verheißungsvollste Tennis-Talent für die Generation nach Angelique Kerber am 16. Juni in Stuttgart einen ungewöhnlichen Comeback-Versuch beginnt, stehen keine Weltranglistenpunkte auf dem Spiel.

Es geht auch nicht gleich darum, ein blamables Erstrunden-Aus zu vermeiden oder vor Hunderten Zuschauern zu bestehen. Die neue Serie des Deutschen Tennis Bundes bietet in Coronavirus-Zeiten einen Ersatz für die ausgefallenen Turniere - und für Witthöft die Chance auf einen Neuanfang.

All den Erwartungen im Einzelsport Tennis fühlte sich die Hamburgerin zuletzt nicht mehr gewachsen. Auch der Stress war der 25-Jährigen zu viel geworden, schlaflose Nächte trieben sie um. Gepaart mit Verletzungen und anderen Interessen führte dies dazu, dass sich Witthöft im Januar 2019 zu einer Karriere-Pause entschied. Sie stieß damit auch auf Kritik, erntete verwundertes Kopfschütteln.

„Ich hatte oft ein flaues Gefühl im Magen. Die körperliche Anspannung und die mentale Belastung waren so groß, dass ich nie Appetit hatte und nichts essen konnte“, verriet Witthöft kürzlich in der „Sport Bild“. Sie offenbarte mögliche Schattenseiten des Tennis-Geschäfts, die den Zuschauern oft verborgen blieben. Der Druck sei „ins Unermessliche“ gestiegen.

„Vor Matches habe ich teilweise ganze Nächte lang nicht geschlafen“, schilderte sie. Bei langen Wartezeiten sei sie dann einfach eingeschlafen, weil sie körperlich am Ende war. „Ich habe mir alles sehr zu Herzen genommen und war gegen Ende einfach überfordert mit der gesamten Situation. Die ganzen Verletzungen haben es nicht besser gemacht“, begründete sie bei „Advantage - der Tennis & Sportpodcast“.

Wenn sie am 16. Juni weit abgeschieden am Bundesstützpunkt in Stuttgart-Stammheim auf Außenseiterin Laura Schaeder trifft, ist ihr bislang letztes Match, das offiziell bei der Profiorganisation WTA geführt wird, eineinhalb Jahre her. Seit der Aufgabe in der ersten Runde der Qualifikation zu den Australian Open 2019 ist sie der Tour fern geblieben. In dieser Woche spielt sie nun keine Matches, die für Ranglisten zählen. Der DTB will in der Corona-Pause aber zumindest Matchpraxis ermöglichen. Nach den Herren in der Vorwoche starten die Damen - sicherlich beäugt von Barbara Rittner.

Mit der Damen-Chefin im deutschen Tennis war Witthöft in einen Clinch geraten. Die frühere Fed-Cup-Teamchefin warf der einstigen Nummer 48 der Welt mangelndes Durchhaltevermögen vor. Die Spielerin des Clubs an der Alster würde ihr Talent verschleudern. „Sie hatte alles, was es benötigt, um unsere nächste Top-10-Spielerin zu werden“, sagte Rittner vor Kurzem: „Aber ich war wohl doch zu weit weg, um zu spüren, dass der Druck sie kaputt gemacht oder gehemmt hat oder dass sie einfach nicht bereit war, diesen Druck auszuhalten.“

Schon als sie 19 Jahre alt war, hatte Witthöft die dritte Runde der Australian Open erreicht. 2017 feierte sie in Luxemburg ihren ersten und bisher einzigen Titel. Früh wuchsen dadurch die Hoffnungen, dass sie die drohende Lücke nach dem Abtreten der Generation um die dreimalige Grand-Slam-Turniersiegerin Kerber füllen kann.

In Stuttgart kann sich die Norddeutsche den Druck nun eigentlich nur selbst machen. „Wenn man so eine lange Pause hat, kann das ein ganz guter Start sein“, sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard. Zahlende Zuschauer sind nicht zugelassen. Vier Matches sind in der Vorrunde garantiert, Witthöft hat allerdings eine schwierige Gruppe abbekommen: Neben Schaeder trifft sie auf die topgesetzte Laura Siegemund und auf Alexandra Vecic, die bei den Australian Open in diesem Jahr bei den Juniorinnen bis ins Halbfinale kam.

Ob die Auftritte bei der DTB-Serie der Neuanfang für eine Rückkehr auf die WTA-Tour werden, hat Witthöft offen gelassen. Kerber traut ihr noch viel zu und hatte von Anfang an Verständnis: „Es hat jeder seine eigenen Rechte“, sagte die Wimbledonsiegerin von 2018 jüngst der dpa: „Vielleicht kommt sie in ein paar Jahren wieder, und es hat ihr gut getan.“

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