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Sportwelt

Schockemöhle: Keine Ruhe für den „Rentner im Unruhestand“

Pferdesport

Sonntag, 22. März 2020 - 00:11 Uhr

von Von Claas Hennig, dpa

dpa Mühlen. Paul Schockemöhle ist eine der prägendsten Figuren im deutschen Reitsport der letzten Jahrzehnte. Erfolgreich als Sportler, Trainer, Pferdehändler, Züchter, Veranstalter und Unternehmer. Vor dem 75. Geburtstag steht er noch einmal vor einer Herausforderung.

Wird am 22. März 75: Paul Schockemöhle. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Normalerweise hätte Paul Schockemöhle, eine der prägendsten Figuren im deutschen Reitsport, seinen 75. Geburtstag am 22. März bei einer Turnierserie in Südspanien verbracht.

Der einstige Erfolgs-Reiter, Züchter, Veranstalter und Multi-Unternehmer sollte als Manager die japanischen Springreiter auf die Olympischen Spiele in Tokio vorbereiten. Doch nicht in Corona-Zeiten.

Und so sitzt Schockemöhle zu Hause im oldenburgischen Mühlen und muss versuchen, die Folgen der Pandemie für seine zahlreichen Unternehmungen zu managen. „Das ist im Moment noch nicht zu übersehen. Das dauert noch ewig. In diesem Jahr ist das noch nicht fertig“, sagt er mit Blick auf den Kampf gegen den neuartigen Virus.

Nach Feiern ist Schockemöhle auf dem Hintergrund der aktuellen Lage deshalb nicht zumute. „Jetzt wäre das der falsche Weg“, meint er. Er werde am Geburtstag ein Glas Sekt mit seiner Frau Bettina trinken. Das war's. Vielleicht wird er eine Feier noch einmal nachholen. Aber Geburtstage nimmt Schockemöhle ohnehin nicht sonderlich wichtig. „Das ist ja grundsätzlich keine Errungenschaft. Ich habe Glück gehabt, so alt zu werden“, sagt er.

Seine Erfolge als Sportler und Unternehmer haben indes weniger mit Glück als vielmehr mit Arbeit, Fleiß und Geschick zu tun. Als Springreiter blieben vor allem seine Siege auf Deister in Erinnerung. Dreimal nacheinander - 1981, 1983, 1985 - wurde der jüngere Bruder von 1976-Olympiasieger Alwin mit dem hannoverschen Wallach Europameister. Eine bislang einmalige Serie.

Schon während seiner Karriere begann er vom kleinen Mühlen im Landkreis Vechta aus, ein kleines Imperium aufzubauen, bestehend unter anderen aus mehreren Logistik-Unternehmen sowie Pferdezucht und -handel. In seinem Turnierstall formte er Ludger Beerbaum, Franke Sloothaak, den heutigen Bundestrainer Otto Becker und Meredith Michaels-Beerbaum zu Weltklasse-Reitern.

In Lewitz in Mecklenburg betreibt er zudem ein Gestüt mit mehreren tausend Pferden. Er ist Chef der Riders Tour, der wichtigsten nationalen Springsportserie, und Veranstalter wichtiger Turniere wie des deutschen Spring- und Dressur-Derbys in Hamburg.

Schockemöhle gilt längst als Multi-Millionär. Dass er ein vermögender Mann ist, lässt er sich nicht anmerken. Er kommt rustikal und bodenständig daher ohne jede Neureichen-Attitüde.

Nach seinem 65. Geburtstag sagte er, er sei jetzt Rentner. Ein „Rentner im Unruhestand“ charakterisierte ihn indes einmal sein Freund Ullrich Kasselmann. „Das ist kein Typ, der sich zur Ruhe setzt“, mutmaßte auch Bundestrainer Becker über seinen Chef.

Doch Schockemöhle hat tatsächlich allmählich erkannt, es ruhiger angehen zu lassen. So hat er sich aus vielen Beteiligungen zurückgezogen und baut einen Nachfolger für den Pferdebereich auf. Er wisse auch, „dass man nicht gegen die Biologie arbeiten kann“.

Daher passt es Schockemöhle so gar nicht in den Plan, dass ihn das Coronavirus nun vor seinem 75. Geburtstag noch einmal vor eine große Herausforderung stellt. „Das wird uns noch lange erhalten bleiben“, befürchtet er. Die Frage, ob die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden oder nicht, ist da noch das geringste Problem.

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