Schwimm-Verband besetzt zentralen Posten neu

Von Von Thomas Eßer und Christian Kunz, dpa

dpa Kassel. Allzu lange dauert es nicht mehr, bis die Schwimmer in Tokio um Olympiamedaillen kämpfen. Kurz vor den finalen Qualifikationsrennen gibt der DSV die Freistellung eines wichtigen Mitarbeiters offiziell bekannt. Der Nachfolger kennt die Spiele als Wasserballer.

Schwimm-Verband besetzt zentralen Posten neu

Wurde als Leistungssportdirektor beim Deutschen Schwimm-Verband freigestellt: Thomas Kurschilgen. Foto: Bernd Thissen/dpa

Knapp vier Monate vor dem geplanten Start der Olympischen Spiele hat der Deutsche Schwimm-Verband eine Schlüsselrolle neu besetzt.

Der DSV bestätigte wenige Tage vor dem Start der finalen Qualifikation der Beckenschwimmer erstmals die Freistellung von Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen und gab gleichzeitig einen Übergangsnachfolger bekannt.

„Die Funktion des seit dem 22. Februar 2021 freigestellten Leistungssportdirektors übernimmt mit sofortiger Wirkung Dirk Klingenberg als Interimsmanager“, teilte der DSV mit.

Kurschilgens Freistellung war seit Wochen ein offenes Geheimnis gewesen, mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren hatte der Verband sie aber nicht bestätigt. Der langjährige Sportfunktionär hatte die Position im September 2018 übernommen und war mit dem Ziel angetreten, den Verband zu professionalisieren.

Als Leistungssportdirektor konnte er sich über Erfolge deutscher Schwimmer bei den Weltmeisterschaften 2019 in Südkorea freuen - allen voran von Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock. Die zum Teil dort gezeigten Leistungen machten Mut für das Ringespektakel in Tokio, nachdem die deutschen Beckenschwimmer zuletzt zweimal ohne olympische Medaille geblieben waren. Zu den Gründen für die Freistellung äußert sich der DSV weiterhin nicht.

Zuletzt hatten Missbrauchsvorwürfe gegen den langjährigen Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz den Verband erschüttert. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt gegen den zurückgetretenen 43-Jährigen wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. Er selbst bestreitet die Vorwürfe. Einen Nachfolger für Lurz als Freiwasser-Bundestrainer hat der DSV noch nicht bekanntgegeben.

Kurschilgens Nachfolger Klingenberg ist früherer Wasserball-Nationalspieler. Der heute 51-Jährige nahm 1996 an den Olympischen Spielen in Atlanta teil und belegte mit dem deutschen Team den achten Platz. Seit mehr als 20 Jahren ist er als Berater bei Sportverbänden und in der Wirtschaft tätig.

Mit seiner Beschäftigung schafft der DSV Klarheit auf einer zentralen Position, unmittelbar bevor ab dem kommenden Wochenende zahlreiche Schwimmer bis zum 18. April in mehreren Wettkämpfen um die letzten Olympia-Tickets kämpfen. Acht deutsche Schwimmer mit Wellbrock an der Spitze haben sich bereits für den großen Höhepunkt qualifiziert.

Zusätzlich zur Personalentscheidung hat der Verband eine strategische und strukturelle Neuausrichtung unter dem Titel „Zukunftsprozess DSV 2026“ angestoßen. „Der Deutsche Schwimm-Verband bleibt mit seinen rund 587 000 Mitgliedern als elftgrößter Sportverband im DOSB aktuell unter seinen Möglichkeiten“, sagte Marco Troll, der im vergangenen November zum neuen Präsidenten gewählt worden war. Neben dem Ziel sportlicher Erfolg, „sollen die Themen Nachwuchs, Breitensport, Gesundheitssport, Kinder- und Seniorenschwimmen sowie Nachhaltigkeit und Digitalisierung stärker als bisher im Verband Berücksichtigung finden“, heißt in der Mitteilung.

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