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Sportwelt

Simon tritt ab: „Doping-Tests sind ideologische Maßnahmen“

Doping

Montag, 23. Oktober 2017 - 13:07 Uhr

von Von Andreas Schirmer, dpa

dpa Frankfurt/Main. Der Mainzer Sportmediziner Perikles Simon kehrt der Doping-Forschung endgültig den Rücken. Beim letzten Auftritt als Mahner wies er mit einem Rundumschlag auf die Schwachstellen des Kontrollsystems hin und brach eine Lanze für mehr Aufklärung und Athletenrechte.

Anti-Doping-Experte Perikles Simon gibt auf. Foto: Paul Zinken

Der letzte Auftritt von Perikles Simon als Anti-Doping-Experte geriet zur harschen Abrechnung.

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„Doping-Tests sind ideologische Maßnahmen. Wir wissen nicht, wie effektiv sie sind“, befand der Sportmediziner und Neurobiologe aus Mainz beim Anti-Doping-Workshop der Deutschen Triathlon-Union in Frankfurt/Main.

„Die Doping-Analytik ist nur postfaktisch ein scharfes Schwert“, stellte Simon am Sonntag fest. „Athleten können das ganze Jahr vollgestopft zu Wettbewerben antreten.“ Die Biochemiker in den Kontrolllabors führten einen fast aussichtslosen zur Überführung von Dopern, wenn diese neue Designermittel oder Testosteron mit tierischen Molekülen nutzten. Ein weiteres Problem: Bei neuen Medikamenten ließen sich die Pharma-Unternehmen auch die Nachahmerprodukte patentieren.

„Da hat man einen Pool von 200 Produkten, den man in China herstellen kann. Diese Spielwiese an Doping-Präparaten kann nicht nachgewiesen werden“, erklärte Simon. Lächerlich sei es deshalb, ein „Zentrum für Präventive Dopingforschung in Köln“ einzurichten.

Die Jahresstatistiken der Welt-Anti-Doping-Agentur stützen seine Kritik: 2014 waren von rund 283 000 Tests 1,36 Prozent auffällig, 2015 1,1 Prozent. Auch eine Befragung der Starter der Leichtathletik-WM 2011, an der Simon mitwirkte, nährte seine Zweifel. Fast ein Drittel der WM-Athleten gab anonym zu, zu dopen.

Für ihn sind die aber nicht die Mängel des Kontrollsystem und der Analytik der entscheidende Grund, der Dopingforschung den Rücken zu kehren. Vielmehr hat Simon auch resigniert, weil die Verantwortlichen im Anti-Doping-Kampf - WADA oder die Nationale Anti-Doping-Agentur - aus seiner Sicht wissenschaftliche oder ethische Kritik oft abblockten, ignorierten, sogar diskreditierten oder Informationen und Daten zurückhielten, um das Kontrollsystem nicht zu gefährden.

„Die Leute, die für diesen Job bezahlt werden, halten es nicht für notwendig, unsere Publikationen durchzulesen. Von der NADA gab es keinen einzigen Versuch, mich an den Tisch zu bringen“, sagte Simon. „Das ist genau das, was ich in den zehn Jahren Anti-Doping-Kampf mitgenommen habe.“

Besonders entsetzt Simon aber der Umgang mit den sauberen Athleten, die durch das Kontrollsystem geschützt werden sollten. „Ich würde mir wünschen, dass man Athleten und ihre Eltern super aufklärt“, sagte der 44-Jährige. Schließlich müssten sie auf gravierende Persönlichkeitsrechte durch Meldepflicht und die in die Intimsphäre reichenden Doping-Tests im Beisein eines Kontrolleurs verzichten.

Wenn Trainingskontrollen nicht effektiver seien beim Entlarven von Doper als Wettkampftests, wenn Daten im Meldesystem gehackt werden könnten oder die Testgüte-Qualität von EPO-Proben fraglich sei, müsse man es dem Sportler sagen. „Ich kann jedem Athleten, der sich nicht genug aufgeklärt fühlt, nur raten, die Athletenvereinbarung nicht zu unterschreiben“, sagte Simon: „Ich halte sie für ethisch-moralisch im höchsten Maße bedenklich.“

Für den Präsidenten der deutschen Triathleten war der Rundumschlag ein Anlass zum Nachdenken, nicht zum Aufgeben. „Wir werden jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken und in Depressionen verfallen, sondern müssen daraus unsere Schlüsse ziehen“, meinte Martin Engelhardt. Pessimistischer ist dagegen Gerhard Treutlein, der seit Jahrzehnten den Kampf gegen Doping führt und zu den Experten gehörte, die die Freiburger Doping-Vergangenheit aufklären sollten. „Wir bellen, und die Karawane zieht weiter“, sagte er. Simon geht diesen steinigen Weg nicht weiter mit und sagte: „Es war ein nettes Hobby.“

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