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Sportwelt

Tour-Skandal 1998 - Festina-Affäre liegt 20 Jahre zurück

Radsport

Freitag, 6. Juli 2018 - 13:21 Uhr

von Von Andreas Zellmer und Christoph Sicars, dpa

dpa Les Herbiers. Am Sonntag vor 20 Jahren schüttelte der sich anbahnende Festina-Skandal die Tour de France gehörig durcheinander. Die Affäre war allerdings nur der Anfang des Doping-Grauens der Folgejahre.

1998 sorgte der Festina-Dopingskandal für Aufsehen. Foto: Peer Grimm

Willy Voet hat am 8. Juli 1998 besonderes Gepäck in seinen Fiat verladen. Der Betreuer des französischen Radteams Festina macht sich auf den Weg nach Calais, wo er die Fähre nach Dublin bekommen muss.

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Dort startet drei Tage später die Tour de France mit dem Festina-Superstar Richard Virenque. Voet biegt um 06.30 Uhr auf die Departementsstraße 78 und steuert in Belgien den kleinen Grenzübergang in Neuville-en-Ferrain an. Wie immer hat er für die Grenzbeamten Team-Trikots und Radmützen als nettes Mitbringsel zurechtgelegt. Aber diesmal wird der Belgier herausgewunken.

Sein Wagen wird gefilzt und Voet kreidebleich: Die Recherchen der Zöllner bringen 236 Ampullen EPO, 82 Packungen mit Wachstumshormonen, Testosteron-Präparate, Amphetamine, Cortecoide zu Tage. Damit könnte locker dem gesamten Peloton Beine gemacht werden: Der bis dato größte Doping-Skandal der Frankreich-Rundfahrt nimmt seinen Anfang.

Die Neuigkeiten vom belgisch-französischen Grenzort schwappen nur peu à peu nach Dublin. Voet wird in Lille inhaftiert – Verdacht auf Drogen-Handel. Festina steht trotzdem am Start, der Bergspezialist Virenque, der ein Jahr nach seinem zweiten Platz hinter Jan Ullrich endlich die Tour gewinnen will, fährt den besten Prolog seiner Karriere.

Danach gibt er – auf Voet angesprochen - ganz empört zu Protokoll: „Ich bin nicht verantwortlich für Dinge, die unser Personal tut“. Es dauert noch fünf Tage, bis die Virenque-Equipe aus dem Rennen genommen wird. Teamchef Bruno Roussel wird festgenommen, genau wie Mannschafts-Arzt Eric Rijkaert, der trotz einer schweren Lungenerkrankung 100 Tage im Gefängnis sitzt.

Der Mediziner packt in Verhören aus, spricht von einem seit 1994 etablierten Doping-System im Team: „Mein Kühlschrank war immer voll mit Medikamenten“. Auch der zweimalige Tour-Zweite Alex Zülle aus der Schweiz ist geständig, nur Virenque leugnet hartnäckig. Erst vor Gericht gibt er zwei Jahre später unter Tränen Doping zu und wird gesperrt. Nach seinem Rücktritt 2004 wird er in Frankreich zum gefragten Eurosport-Spezialisten.

Die Tour' 98 läuft weiter, die Profis streiken sitzend auf dem Asphalt und wollen damit gegen die angebliche Willkür der Polizei protestieren. Bei Razzien werden bei fast allen Teams Dopingmittel gefunden, Fahrer und Betreuer werden festgesetzt. Die niederländische TVM-Mannschaft flieht während des Tour-Abstechers in der Schweiz, auch spanische Mannschaften scheren aus dem Tour-Tross aus und fahren nach Hause.

Nur 96 von 198 gestarteten Tourfahrern erreichen am 2. August das Ziel auf den Pariser Champs Elysées, unter ihnen Jan Ullrich auf Platz zwei hinter Marco Pantani. Der Alptraum, allerdings nur erste Station der folgenden Doping-Skandale um die Fahrer Riccardo Ricco, Michael Rasmussen, Alexander Winokurow, Alberto Contador, Ivan Basso, Ullrich und andere, ist zu Ende.

Im Folgejahr passiert den Tour-Organisatoren das scheinbar Beste, was kommen konnte: Der geheilte Krebspatient Lance Armstrong gewinnt seine erste Frankreich-Rundfahrt und wird als großer Erneuerer und Hoffnungsträger gefeiert.

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