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Sportwelt

Wessinghage zu Olympia-Boykott: Schmidt „politisch genötigt“

International

Montag, 13. Juli 2020 - 04:42 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Vier Jahrzehnte nach dem Olympia-Boykott der Spiele 1980 in Moskau hat der frühere Weltklasse-Leichtathlet Thomas Wessinghage die Entscheidung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt verteidigt.

1982 Europameister über 5000 Meter: Thomas Wessinghage. Foto: Bernd Thissen/dpa

„Er sah sich politisch genötigt, die Entscheidung der Amerikaner mit zu tragen. Und deshalb empfahl er, dass die Deutschen die Olympischen Spiele in Moskau ebenfalls boykottieren. Das ist die Sichtweise des Politikers - und die akzeptiere ich“, sagte der 68 Jahre alte Mediziner der Deutschen Presse-Agentur.

In einer Gesprächsrunde mit ausgewählten Sportlern habe er den Kanzler damals darauf hingewiesen, „dass Boykott immer für diejenigen blöd ist, die nicht hingehen...“ Doch Schmidts Meinung habe festgestanden. „Wir konnten ihn jetzt nicht "umdrehen" und sagen: Wenn wir jetzt noch zehn Minuten diskutieren, dann gehen wir zurück und sagen: Wir fahren jetzt doch noch hin“, schilderte der 5000-Meter-Europameister von 1982.

„Ich war niemals enttäuscht darüber, dass Deutschland sich politisch bekannt hat zu den USA als seinem Partner und Verbündeten“, betonte Professor Wessinghage, der damals schon für Olympia qualifiziert gewesen war. Am 15. Mai 1980 votierte das deutsche NOK mit 59:40 Stimmen dafür, den USA zu folgen und keine Sportler nach Moskau zu schicken. Die Spiele waren dort am 19. Juli 1980 eröffnet worden.

„Heute wird man sagen, dass dieser Boykott keinen großen Effekt hatte. Das wusste ich aber damals nicht“, argumentierte Wessinghage, der drei Wochen nach den Moskau-Spielen den noch heute gültigen DLV-Rekord über 1500 Meter aufstellte. „Aber ich habe den Gedankengang verstanden: dass Herr Carter (US-Präsident Jimmy Carter) sagt, hier wird das politische Gleichgewicht in der Welt verschoben, und da sollten wir reagieren.“

© dpa-infocom, dpa:200712-99-765195/2

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