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Allein im Studio: Michael Wollnys Solo „Mondenkind“

Musik

Dienstag, 29. September 2020 - 06:13 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Ganz allein mit einem Klavier im Studio - für Michael Wollny war das eine neue Erfahrung bei der Aufnahme eines kompletten Albums. Der deutsche Weltklasse-Jazzer hat auch den Solo-Test glänzend bestanden.

Michael Wollny: „Es war eine surreale Situation.“. Foto: Jörg Steinmetz/ACT Music+Vision/dpa

Fast jeder bedeutende Jazz-Pianist wagt es irgendwann: den Rückzug, die Beschränkung auf sich selbst - das Soloalbum.

Meister der Improvisationskunst am Klavier wie Thelonious Monk, Bill Evans, Keith Jarrett oder Brad Mehldau nahmen so einige ihre kühnsten Werke auf. Michael Wollny (42) tritt nun mit „Mondenkind“ in den Club der großen Piano-Jazz-Solisten ein.

Der in Schweinfurt geborene, seit längerem in Leipzig lebende Musiker hat schon eine atemberaubende 20-jährige Karriere hinter sich. Als Bandleader und in verschiedenen anderen Ensembles, zuletzt mit der All-Star-Truppe 4 Wheel Drive neben Nils Landgren, Lars Danielsson und Wolfgang Haffner, schaffte er es als einer von wenigen Jazzern regelmäßig in die Albumcharts. Ob das auch mit dem introvertierten Solo-Werk „Mondenkind“ gelingt, bleibt abzuwarten - höchste Wollny-Qualität haben jedenfalls auch diese Aufnahmen von Ende April.

Der Plan für eine solche Platte mit zehn Eigenkompositionen und fünf fremden Stücken wurde durch die Corona-Pandemie im Frühjahr vorangetrieben. „Es war eine surreale Situation“, erinnert sich Wollny laut Mitteilung seiner Plattenfirma ACT. „Zwei Tage verbrachte ich, zum ersten Mal seit langem alleine und ohne Mitmusiker, im großen Aufnahmeraum des Berliner Teldex Studios. (...) Ich war absolut allein mit mir und der Musik, und die Ideen, die sich aus dieser Situation ergaben, gingen weit über den ursprünglich gesetzten Rahmen des Albums hinaus.“

Was Wollny aus dieser ungewohnten Situation gemacht hat, in Stücken über Alleinsein, Einzelgänger und Unikate, ist erneut staunenswert. Der Jazz-Pianist überzeugt sowohl in impressionistischen Passagen mit viel Raum zwischen den Tönen als auch in zugänglichen Pop-Melodien, etwa von Tori Amos oder Sufjan Stevens. Die Erfolgsgeschichte dieses deutschen Ausnahmetalents geht damit eindrucksvoll weiter.

© dpa-infocom, dpa:200922-99-659785/4

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