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Boulevard

Bei Daniel Kahn trifft Klezmer auf Folk und Punk

Musik

Samstag, 9. Dezember 2017 - 06:11 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Daniel Kahn & The Painted Bird sind seit Jahren eine der wildesten, virtuosesten Musikertruppen in der Berliner Szene. Auch das neue Album erfüllt wieder höchste Erwartungen an einen abenteuerlichen Stil-Mix.

Mit Hund und Band: Daniel Kahn. Foto: Esra Rothoff

Balkan-Folklore, Punk, Klezmer, Jazz im Stil eines Kurt Weill, Singer-Songwriter-Sensibilität und Balladen wie von Tom Waits oder Nick Cave - kann eine solche Mischung gutgehen? Und ob: Vorhang auf für Daniel Kahn.

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Der in Detroit geborene, seit 2005 in Berlin lebende Sänger, Gitarrist und Akkordeonist hat sich bereits einige Meriten erworben dank seiner aufsehenerregenden Vermengung gegensätzlicher Stilrichtungen. Zusammen mit der virtuosen Band The Painted Bird nahm er schon fünf Alben auf und gewann für „Lost Causes“ (2011) den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik.

Fünf Jahre nach dem ähnlich brillanten „Bad Old Songs“ (2012) erscheint nun auf Kahns Stammlabel Oriente Musik der Nachfolger „The Butcher's Share“. Der oben skizzierte Sound klingt schon etwas vertrauter als noch vor einigen Jahren, als der nach eigener Einschätzung nicht sehr religiöse jüdische US-Amerikaner mit musikalischer Verve und linksradikaler Wucht als „Weltmusik“-Exot in die deutsche Rockszene einbrach.

Wieder sind Titel wie „Freedom Is A Verb“, „Working Women“, „The Ballad Of How Jews Got To Europe“, „No One Survives“ oder das klassenkämpferische „99%“ ein Indiz dafür, dass Kahns politisch aufmüpfige, dabei sehr geschichtsbewusste und oft melancholische Sichtweise weiterhin intakt ist. Er singt auf Englisch und Jiddisch, und dazu erzeugt seine Band einen mitreißenden Wirbel aus kraftstrotzendem Folk-Punk und Klezmer-Sentimentalität.

„Christian Dawids Klarinetten, Saxophone und Blechblasinstrumente klingen wie ein sturzbetrunkenes Matrosenorchester, das uneingeladen eine jüdische Hochzeit kapert“ - hier findet eine PR-Info endlich mal passende Worte für die zugrunde liegende Musik. Zudem habe Produzent Thomas Stern „seine ganze Kreuzberger Punkrock-Sensibilität“ in das Projekt eingebracht, erzählt Kahn selbst.

Das Holzschnitt-inspirierte Cover-Artwork für „The Butcher's Share“ stammt übrigens von Eric Drooker, der unter anderem durch seine Titelbilder für den „ New Yorker“ bekannt wurde. Viel Unterstützung für das Album kam auch vom Maxim-Gorki-Theater in Berlin, an dem Kahn unter anderem als Schauspieler und Musikkurator tätig ist. Davon inspiriert entwickelten sich lyrische und musikalische Grundideen. „Dieses Album entstand im Umfeld des Gorki-Theaters, in dem Künstler verschiedenster Herkunft einen gemeinsamen Boden finden“, sagt Kahn.

Tourdaten von Daniel Kahn & The Painted Bird: 15.12. Berlin / Werkstatt der Kulturen (im Rahmen von Shtetl Neukölln); 21.01. Dresden / Staatsschauspiel; 22.01. Leipzig / Nato;
24.01. München / Milla; 25.01. Reutlingen / franz.K; 26.01. Ravensburg / Zehntscheuer; 28.01. Heidelberg / HageButze; 
17.02.2018 Geislingen / Rätsche; 22.02. Potsdam / Waschhaus; 26.02. Frankfurt / Mousonturm; 27.02. Hamburg / Fabrik

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