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Berlinale: Wettbewerbsfilme zum Mitreden

Film

Freitag, 28. Februar 2020 - 08:58 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Insgesamt 18 Filme sind im Rennen um den Goldenen Bären. Darunter auch zwei deutsche Produktionen. Am Samstagabend wird die Jury um Jeremy Irons ihre Entscheidungen bekanntgeben.

Die Entscheidung rückt näher. Foto: Gregor Fischer/dpa

Bei den 70. Internationalen Filmfestspielen in Berlin konkurrieren 18 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären. Welcher Film lohnt und welcher nicht?

„THE INTRUDER“ („El prófugo“) von Natalia Meta: Psychothriller über eine Synchronsprecherin in Buenos Aires, auf deren Studioaufnahmen plötzlich merkwürdige Geräusche auftauchen. Mit der Zeit verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Wahn. Eine Geschichte darüber, wie sich das Böse einschleichen kann. Spannende Bilder, aber ein bisschen unentschlüsselbar.

„HIDDEN AWAY“ („Volevo nascondermi“) von Giorgio Diritti: Spielfilm über den Maler Antonio Ligabue, der lange als Ausgestoßener lebte und von psychischen Problemen verfolgt wurde. Erst spät wird er als herausragender Künstler anerkannt. Dank Hauptdarsteller Elio Germano fesselt der Film als Porträt einer ungewöhnlichen Persönlichkeit, das Drama ist allerdings ziemlich traditionell erzählt.

„FIRST COW“ von Kelly Reichardt: Geschichte über die Freundschaft zweier Außenseiter im Wilden Westen im frühen 19. Jahrhundert. Die beiden Männer wollen sich durch das Verkaufen von Backwaren etwas verdienen - und melken dafür heimlich die einzige Kuh der Gegend. Filmisch spannend und witzig erzählt - dabei reflektiert der Film auch heutige Fragen gesellschaftlichen Zusammenlebens.

„THE SALT OF TEARS“ („Le sel des larmes“) von Philippe Garrel: Schwarz-Weiß-Film über einen jungen Mann in Frankreich, der zwischen mehreren Frauen schwankt und kaum fähig ist, Empathie für andere zu empfinden. Ziemlich altmodische Geschichte über die Suche nach einem Lebensweg. Garrel zeigt starke Bilder, doch mehr als eine Zustandsbeschreibung hat er nicht zu bieten.

„UNDINE“ von Christian Petzold: Liebesfilm über einen alten Mythos. Mit an Träume erinnernden Bildern und knappen Dialogen erzählt Regisseur Petzold vor allem von der Schwierigkeit, zu erkennen, wann eine Liebe wirklich tief und rein ist. So bezaubernd viele Momente sind, so spröde sind andere. Nach dem Kinobesuch liefert das zumindest viel Gesprächsstoff.

„ALL DIE TOTEN“ („Todos os mortos“) von Caetano Gotardo und Marco Dutra: Brasilianisches Epos über die Abschaffung der Sklaverei im Land um 1900. Erzählt wird die Geschichte zweier Familien. Ein verzweigter Film, der mit großer Sensibilität unter anderem über Religionsfreiheit und politische Toleranz, über das Übernatürliche und die Schwere historischen Erbes nachdenkt.

„DELETE HISTORY“ („Effacer l’historique“) von Benoît Delépine und Gustave Kervern: Komödie über drei Underdogs, die gegen die Allmacht des Internets und den Konsumterror kämpfen. Eine Frau wird mit einem Sexvideo erpresst, die andere will bessere Bewertungen für ihren Fahrdienst. Der dritte im Bunde kämpft gegen Cybermobbing. Gesellschaftskritische Satire, bei der man bitter lachen kann.

„SCHWESTERLEIN“ von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond: Drama über ein Zwillingspaar. Nina Hoss spielt die liebevolle Schwester, Lars Eidinger den krebskranken Bruder. Auf die herausragenden Schauspielkünste der beiden ist Verlass. Die Geschichte, die im Berliner Theatermilieu und an einer Schweizer Eliteschule spielt, ist aber vorhersehbar und hat vielleicht eher TV-Film-Niveau.

„SIBERIA“ von Abel Ferrara: Psychotrip mit Willem Dafoe, der im Film innere Abgründe erforscht. In abgedrehten und teils gewaltgeladenen Szenen wird der ganze Kosmos zwischen Geburt und Tod halluziniert. Das erinnert an Gemälde des Malers Hieronymus Bosch, mit Schneelandschaften und Höllenfeuer. Auf Anhieb erschließt sich der Sinn dieses Horrortrips nur schwer.

„DIE FRAU, DIE RANNTE“ („Domangchin yeoja“) von Hong Sangsoo: Alltagsstudie aus Südkorea über eine Frau, die nach Jahren erstmals wieder etwas ohne ihren Mann unternimmt. Sie trifft nach und nach frühere Freundinnen. Mit minimalistischen Dialogen wird viel erzählt über das Leben, über Freundschaft und Beziehungen. Außerdem ein Pluspunkt: Absurd gute Szene mit einer Katze.

„BAD TALES“ („Favolacce“) von Fabio und Damiano D’Innocenzo: Surreales Drama über einen italienischen Vorort, in dem sich die Geschichten mehrerer Kinder kreuzen. Die Regisseure erzählen beklemmend und düster von kaputten Familien und Menschen. Verlogenheit und Macho-Gehabe führen in eine Katastrophe. Filmisch und inhaltlich ziemlich spannend.

„NEVER RARELY SOMETIMES ALWAYS“ von Eliza Hittman: Coming-of-Age-Geschichte über eine ungewollte Schwangerschaft. Eine 17-Jährige reist mit dem Bus nach New York, um die Möglichkeit zu einer Abtreibung zu haben. Fast beiläufig erzählt Hittman viel über das Aufwachsen junger Frauen - über Einsamkeit und Freundschaft, sexuelle Gewalt und Belästigung. Unsentimental und sehr ehrlich.

„BERLIN ALEXANDERPLATZ“ von Burhan Qurbani: Neuverfilmung des gleichnamigen Romans von Alfred Döblin, in der die Handlung von den 1920ern in die heutige Zeit verlegt. Das Drama erzählt vom Flüchtling Francis, der sich in der Großstadt gegen viele Hürden ein Leben aufbauen will. Atmosphärisch dichter Film mit Welket Bungué, Albrecht Schuch und Jella Haase, der manchmal zu viel will.

„THE ROADS NOT TAKEN“ von Sally Potter: Drama über einen Mann, der sich angesichts einer Demenz in alten Erinnerungen und alternativen Lebenswegen zu verlieren beginnt. Oscar-Preisträger Javier Bardem spielt die Hauptrolle überzeugend, trotzdem bleibt der Film mit Salma Hayek und Elle Fanning oberflächlich und emotional wenig hängen.

„DAU. NATASHA“ von Ilja Chrschanowski und Jekaterina Oertel: Umstrittener Experimentalfilm aus einem gleichnamigen Kunstprojekt, das nach einem geplatzten Projekt in Berlin schließlich in Paris gezeigt wurde. Nachgestellt wird das Leben in einer Forschungseinrichtung der Sowjetunion - mit Mitarbeiterinnen einer Kantine und einem Offizier. Verstörende Gewaltszenen gegen Frauen.


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