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„Bulat Blues“: Daniel Kahn ehrt den russischen Dylan

Musik

Mittwoch, 18. Dezember 2019 - 06:08 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Daniel Kahn ist jüdischer US-Amerikaner, aber nicht religiös, politisch links und seit langem Wahl-Berliner. Mit seiner Mixtur aus Folk und Klezmer ehrt der Musiker nun einen großen russischen Liedermacher.

Vanya Zhuk und Daniel Kahn ehren Bulat Okudschawa. Foto: Elya Yalonetsk/dpa

„Für den Osten so bahnbrechend wie Bob Dylan für den Westen“ sei Bulat Okudschawa gewesen. Das schreibt der Musiker, Schauspieler und Theaterregisseur Daniel Kahn in den Liner-Notes zu seinem neuen Album „Bulat Blues“.

Auch als „Georges Brassens der Sowjetunion“ oder als russisches Gegenstück zu Leonard Cohen wird Okudschawa bezeichnet. Die Wertschätzung für den Moskauer Liedermacher (1924-1997) ist bei Kahn so groß, dass der seit 14 Jahren in Berlin lebende US-Amerikaner nun mit dem Gitarristen Vanya Zhuk ein Tribute-Album vorlegt. Es ist eine ehrfürchtige Würdigung für einen alten Helden des 41-Jährigen - aber auch ein typisches Kahn-Werk mit wunderbaren Melodien zwischen Folk, Klezmer und Balkanmusik.

Für seine Mixtur, die auf manchen Platten auch Punk-Elemente und oft linke Texte enthält, wird der aus Detroit stammende Kahn seit langem gefeiert. So erhielt sein vielleicht bestes Album mit der Band Painted Bird, „Lost Causes“, 2011 den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Auch die Nachfolger „Bad Old Songs“ (2013) und „The Butcher’s Share“ (2017) ernteten großes Kritikerlob, Kahns furiose Konzerte füllen Clubs und Säle.

„Bulat Blues“ (Oriente/FMS) besteht aus Okudschawa-Nachdichtungen auf Englisch und etwas Russisch. Der Moskauer Zhuk begleitet den Sänger, Harmonika-Spieler und Akkordeonisten auf der 7-saitigen Gitarre und am Bass. Kahn sprach kein Russisch, als er Lieder des Sowjet-Chansonniers kennenlernte. Über eine jiddische Übersetzung entstand mithilfe russischsprechender Freunde eine erste Übersetzung Okudschawas auf Englisch. Nichtrussen hätten „nie von ihm gehört“, sagt Kahn. Das sollte sich mit diesem Album ändern.

Über die Auswahl der 13 Okudschawa-Stücke sagt Kahn: „Nicht ich habe die Lieder ausgesucht - die Lieder haben mich über meine Familie und Bekannte gefunden. Wenn ich in ihnen ein offenes Fenster finde, krieche ich hindurch, besetze die Lieder idiomatisch in einer Weise, dass sie das Gleiche ausdrücken wie das Original. Sie müssen zu guten englischen Songs und zu 'meinen eigenen' werden.“

Fazit: „Bulat Blues“ ist eine generöse Verbeugung vor einem Songschreiber, der hierzulande noch weitestgehend unbekannt ist - und zugleich ein weiteres hochwertiges Album des tollen Berliner Expatriate-Künstlers Daniel Kahn.


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