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Boulevard

Bunt statt Brexit: Cristobal And The Sea

Musik

Dienstag, 10. Oktober 2017 - 16:35 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Die in London beheimatete Band Cristobal And The Sea entwickelt sich zu einem der reizvollsten Acts des Berliner Labels City Slang. Ihr zweites Album klingt zeitgemäß modern und zeitlos schön zugleich.

Mit ihrer exotische Mischung klingen Cristobal And The Sea sommerlich und heiter. Foto: Maxim Imbert

Schönes Wortspiel im Albumtitel: „Exitoca“. Also „Exotica“ (was auch gepasst hätte zur Musik auf dieser Platte) einfach mal umgedreht. „Exitoca“ (City Slang) von der Londoner Band Cristobal And The Sea ist nicht ohne Grund so benannt.

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Ihr neues Album ist eine Reaktion auf Abschottungs- und Nationalismus-Tendenzen, die sich im Brexit Bahn brachen. Der grauen Gegenwart auf der Insel setzen Cristobal And The Sea daher eine umso frohsinnigere, multi-kulti-bejahende Klangwelt entgegen. Eine buntere Songsammlung wird man dieses Jahr im Indiepop kaum finden.

Blue-Eyed-Soul und Talking-Heads-Funk, Samba und Afrobeat, Dreamfolk und Postpunk sowie eine Prise Jazz gehen auf „Exotica“ eine, ja, exotische Mischung ein - aber Genre-Bezeichnungen sind hier relativ und auch nicht sonderlich hilfreich. Dabei wurden Songwriting und Grooves gegenüber dem noch stark an Vampire Weekend oder Paul Simon orientierten Debüt „Sugar Now“ (2015) deutlich souveräner, so dass die Platte nie unter der Last ihrer sehr unterschiedlichen Einflüsse zu kollabieren droht.

Weiterhin ist der Sound der Bandmitglieder aus Portugal, Spanien, Frankreich, Ägypten und den USA (von denen keines Cristobal heißt) trotz der Herkunft von einer überwiegend regnerischen Insel sehr sommerlich und heiter. Aber man merkt den Liedern auch durchaus an, dass sich seit dem Erstling etwas verändert hat im Umfeld der Band.

Umso schöner lassen sie ihre Worldmusic-Grooves zusammen mit mehrstimmigen Harmonien im Stil von Beach Boys, Fleet Foxes oder Grizzly Bear glitzern. So klingt dieses unterschwellig melancholische Album des internationalen Pop-Kollektivs sehr zeitgemäß und zugleich zeitlos - und auf charmante Weise berauschend.

Konzerte: 06.11. Berlin - Badehaus, 07.11. Hamburg - Nochtwache


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