Boulevard

Claudia Koreck: Von Bayern nach Amerika

Musik

Dienstag, 27. Juni 2017 - 13:02 Uhr

von Von Wolfgang Marx, dpa

dpa Berlin. Mit dem Lied „Fliang“ hatte Claudia Koreck vor zehn Jahren ihren Durchbruch. Jetzt hat sie wieder abgehoben - und überrascht.

Claudia Koreck mag sich nicht wiederholen. Foto: Honulani Records

Auf ihrem letzten Album „Stadt Land Fluss“ (2015) hat Claudia Koreck (31) bereits angedeutet, wohin ihre Reise - ihre Reisen gehen könnten. Das Schlaflied „Sleep Little Darling“ führte direkt zu ihrem Knipse-Album „Kinderplatte“ (2016) - und zu „Holodeck“, Claudia Korecks neuer Doppel-CD.

Lieder auf Bayerisch, das hätte die Singer-Songwriterin wahrscheinlich ewig so weitermachen können. Da hat sich Claudia Koreck ein festes und treues Publikum erspielt. Die Formel ist griffig, das Alleinstellungsmerkmal groß.

Das aber ist nichts für die Musikerin, die mit rasanten Schritten die alten Pfade verlässt und große Lust auf Veränderung zeigt. Das Besondere an „Holodeck“: Eine CD ist auf Englisch, die andere wie gewohnt auf Bayerisch - als eine Art Übersetzung.

Und damit löst sich jede lokale Verortung erst einmal in Luft auf, denn das englische Album zeigt, dass Claudia Koreck auch ein internationaler Pop-Anstrich sehr gut steht. Ihr Heimatort Traunstein oder Los Angeles, wo das Album mit renommierten Musikern entstand - beides passt. Aber schließlich ist die Musikerin auch schon mal im Vorprogramm der Eagles aufgetreten.

Das alles ist schon ganz schön abgehoben und deshalb passt der Astronaut als Sinnbild auch perfekt auf das Cover. Auf zu neuen Ufern - zu den Sternen. Und das muss man sich nach einer zehnjährigen, erfolgreichen Bayern-Pop-Karriere auch erst einmal alles trauen.

Ganz smooth und entspannt startet Claudia Koreck fingerschnippend mit „Hallabrooklyn“ in das Englisch-Abenteuer, lotet zu einem immer wiederkehrenden Piano-Dreiklang die ganzen Möglichkeiten ihrer Stimme aus.

Diese Variabilität weitet sie auch auf ihre Songs aus. „Ich bin auf jeden Fall ein sehr offener Mensch und immer wieder für neue Einflüsse zu haben“, sagte Koreck im Interview mit der „Mittelbayerischen Zeitung“. „Das versuche ich auch in meinen Platten und Liedern zu spiegeln, weil ich mich ungern wiederholen mag.“

Leicht angejazzt ist der Titelsong „Holodeck“. In „I'm Over It“ leitet ein Banjo zu einer im Country-Folk verankerten Nummer über, „Wall“ hat eine Menge Soul und mit „California“ fängt Claudia Koreck die Sonne ein. Herrlich swingt das Saxofon im Rausschmeißer „Another Beautiful Day“. Keine Frage, damit kann Claudia Koreck auch problemlos international konkurrieren. Und inhaltlich ist auch alles klar auf „Holodeck“ - das Prinzip Hoffnung dominiert.

Und wenn man dann zum bayerischen Album greift, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Traunstein, wo Claudia Koreck mit ihrer Familie lebt, und Kalifornien oder New York gar nicht so weit voneinander entfernt sind.


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