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Boulevard

Cockers JARV IS... - das Britpop-Comeback des Jahres?

Musik

Sonntag, 19. Juli 2020 - 06:11 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Jarvis Cocker kehrt zurück als JARV IS... - mit einem Album, das bei früheren Britpop-Glanztaten anknüpft. Der einstige Pulp-Frontmann ist bestens bei Stimme, und er leistet sich mit Recht etwas Eitelkeit.

Ein ganz eigenwilliger Künstler: Jarvis Cocker. Foto: Daniel Cohen/Lumen Photo/Rough Trade/Beggars Group/Indigo/dpa

Er gilt als einer der klügsten Menschen im britischen Pop, und manchmal zeigt er das auch ganz gern. Jarvis Cocker - zwischen 1978 und 2013 Frontmann von Pulp, der Nummer drei in der 90er-Jahre-Hierarchie hinter Blur und Oasis - hat sein neues Bandprojekt selbstverliebt (oder selbstironisch) JARV IS... betitelt.

Er kann sich mit dem Album „Beyond The Pale“ (Rough Trade/Beggars Group/Indigo) solche Schrullen immerhin leisten. Denn das Comeback des inzwischen 56 Jahre alten Songschreibers mit der Kassenbrille ist eines der geglückten und beglückenden Sorte.

Die Platte enthält zwar lediglich acht Songs in 40 Minuten Laufzeit, doch die haben es in sich. Cockers immer schon eindrucksvolle Baritonstimme schwebt majestätisch über erlesenen Melodien, die Lieder erinnern an 60er-Jahre-Epen von Scott Walker, an David Bowie, Roxy Music oder den jungen Leonard Cohen (besonders im Opener „Save The Whale“). Die Stücke beleihen aber auch eigenwillige Electropop-Helden wie Pet Shop Boys, Sparks oder Yello.

Und doch ist der Sound von „Beyond The Pale“ stets originell. Wenn Cocker in „Must I Evolve?“ gegen die Bandmusikerinnen Serafina Steer und Emma Smith ansingt, dann klingt das wunderbar britisch nach den großen Pulp-Tagen mit Nummer-eins-Alben wie „Different Class“ (1995) und „This Is Hardcore“ (1998). Es fällt auf, dass dieser Performer nichts verlernt hat, auch wenn man zuletzt wenig von ihm hörte - etwa mit dem Duo-Album „Room 29“ neben Chilly Gonzales vor drei Jahren.

Die meisten Songs von JARV IS... - neben Indie-Rock auch Pianopop, Jazz, Funk und House - hätten erst auf der Bühne Gestalt angenommen, heißt es vom Label Rough Trade. Aus reinen Studio-Skizzen wurden komplexe Klanggemälde wie „Sometimes I Am Pharaoh“, „Swanky Modes“ oder „Children Of The Echo“.

Mit Jarvis Cocker ist also wieder zu rechnen. Und das mit der anfangs erwähnten, etwas gespreizten Selbstironie kennt man ja auch schon lange von ihm: „I am not Jesus/though I have the same initials“, sang der Brite 1998 im brillanten Lied „Dishes“.

© dpa-infocom, dpa:200714-99-783154/4

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