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„Die Misswahl“: Komödie über legendäre Protestaktion

Film

Montag, 28. September 2020 - 12:12 Uhr

von Von Philip Dethlefs, dpa

dpa London. Vor 50 Jahren sorgte eine Gruppe von Aktivistinnen mit ihrem Protest beim „Miss World“-Schönheitswettbewerb in London für Wirbel. Die Ereignisse von 1970 sind Gegenstand der Komödie „Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution“ mit Keira Knightley.

Den Aktivistinnen Sally (Keira Knightley, 3.v.l) und Jo (Jessie Buckley, 3.v.r) ist der Schönheitswettbewerb ein Dorn im Auge. Foto: eOne Germany/dpa

Ein Eklat vor rund 100 Millionen Fernsehzuschauern, die Geburtsstunde einer Frauenbewegung und eine Gewinnerin, mit der niemand gerechnet hatte - der „Miss World“-Wettbewerb 1970 in London schrieb in mehrfacher Hinsicht Geschichte.

Und er lieferte die Vorlage für den Film „Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution“ von Regisseurin Philippa Lowthorpe („The Crown“). Keira Knightley, Gugu Mbatha-Raw und Jessie Buckley spielen die Hauptrollen in der britischen Komödie über die turbulenten Ereignisse vor 50 Jahren.

1970 zählt die „Miss World“-Wahl noch zu den Fernsehsendungen mit den höchsten Einschaltquoten weltweit. Den Mitgliedern einer Frauengruppe, die sich dem Kampf gegen das Patriarchat verschrieben hat, ist der Schönheitswettbewerb ein Dorn im Auge. Die Aktivistinnen um Sally Alexander (Knightley) und Jo Robinson (Buckley) mischen sich unter das Publikum und unterbrechen die glamouröse BBC-Show mittendrin mit lauten Rufen, Mehlbomben und Wasserpistolen.

Die Macher (darunter Rhys Ifans als Eric Morley), der überforderte Starkomiker Bob Hope (Greg Kinnear) und das Publikum sind empört. Als die Misswahl nach einer längeren Unterbrechung fortgesetzt wird, gibt es eine große Überraschung. Jennifer Hosten (Gugu Mbatha-Raw), die damalige Miss Grenada, gewinnt und wird als erste schwarze Frau zur Miss World gekürt. Kurz darauf trifft die Aktivistin Alexander auf die Siegerin Hosten, die ihr klarmacht, dass Hostens Erfolg für schwarze Frauen und Mädchen eine ganz andere Bedeutung hat.

Der Protest bei der Misswahl 1970 gilt als Ursprung der britischen Women's Liberation Movement. Gleichzeitig drängte er eine wichtige Diskussion um Rassismus rund um den „Miss World“-Wettbewerb fast in den Hintergrund. Zwar geben Regisseurin Lowthorpe und die Autorinnen des Films beiden Seiten Raum. Die wahren Protagonistinnen von damals haben am Ende sogar einen kurzen Auftritt. Trotzdem verschenkt „Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution“ sein großes Potenzial.

Die seichte Feelgood-Komödie karikiert offensichtlichen, veralteten Sexismus. Komplexere Fragestellungen aber behandelt sie nicht. Dadurch bleibt der Film überwiegend oberflächlich und plätschert eher belanglos vor sich hin. Trotz der guten Darstellerinnen und Darsteller fehlt den meisten Figuren Tiefgang, einige wirken klischeehaft. Allein Gugu Mbatha-Raw, die mehr Dialoge verdient hätte, hinterlässt als Jennifer Hosten in ihren wenigen Szenen einen bleibenden Eindruck.

- Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution, UK/Frankreich 2020, 106 Min., FSK o.a, von Philippa Lowthorpe, mit Keira Knightley, Gugu Mbatha-Raw, Jessie Buckley, Rhys Ifans, Greg Kinnear

© dpa-infocom, dpa:200924-99-688462/3

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