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Boulevard

Drama aus Kolumbien: „Monos - Zwischen Himmel und Hölle“

Film

Montag, 8. Juni 2020 - 08:32 Uhr

von Von Johannes von der Gathen, dpa

dpa Berlin. Eine Gruppe von Kindersoldaten kämpft im Dschungel Kolumbiens ums Überleben. Preisgekröntes Arthouse-Drama aus Kolumbien, ebenso schockierend wie betörend schön.

Julianne Nicholson spielt die amerikanische Geisel Doctora, die von einer Guerilla-Truppe überwacht wird. Foto: DCM/dpa

Seit seiner Weltpremiere beim Sundance Filmfestival im vergangenen Jahr hat dieses kompromisslose Drama aus Lateinamerika bereits mehr als zwei Dutzend Preise gewonnen.

Die Kritiker verglichen „Monos - Zwischen Himmel und Hölle“ mit Francis Ford Coppolas Vietnam-Inferno „Apocalpyse Now“, der Dystopie „Lord of the Flies“ oder Werner Herzogs Regenwald-Expedition „Fitzcarraldo“. Und tatsächlich schafft es der 1980 geborene, kolumbianisch-ecuadorianische Regisseur Alejandro Lanes, uns mit seinem dritten Spielfilm von Beginn an in Bann zu ziehen.

Auf einem Hochplateau irgendwo in den Bergen Kolumbiens spielt eine Gruppe von Teenagern mit verbundenen Augen Fußball. Sie heißen Rambo, Bigfoot, Lady oder Schlumpf, und bilden eine Einheit von Kindersoldaten, die von einem kleinwüchsigen Commandante befehligt wird.

Das Spiel war nur eine kurze Ablenkung für die Kids. Die Aufgabe der mit Maschinengewehren bewaffneten Guerilla-Truppe besteht momentan darin, eine amerikanische Geisel (Julianne Nicholson), die von allen nur „Doctora“ genannt wird, zu überwachen. Und ihnen wird eine Milchkuh namens Shakira anvertraut. Als dem Tier etwas zustößt, beginnt die fragile Balance zwischen den Jugendlichen zu kippen.

„Monos - Zwischen Himmel und Hölle“ schillert in vielen Facetten, lässt das Publikum aber niemals kalt: Der Film schockiert als gnadenloses Bürgerkriegsdrama und hat zugleich surreale, hypnotische Sequenzen. Er schildert den brutalen Überlebenskampf von Teenagern im Dschungel und überrascht mit Szenen von betörender Schönheit. Einige der Kämpfer verlieben sich ineinander: Diese Reise ins Herz der Finsternis ist auch ein Coming-Of-Age-Drama.

Manchmal verliert dieser Film, der oft wie ein böser Fiebertraum wirkt, ein wenig den Faden, mäandert dahin wie ein träger Fluss im Urwald. Aber man bleibt doch immer gespannt darauf, was sich in der nächsten Szene ereignet. Einer der Jungen kann aus der Gruppe fliehen, wird von einer Familie aufgenommen, und entgeht doch der Gewalt nicht.

In der gnadenlosen Welt dieses auch visuell außergewöhnlichen Dramas gibt es keine Rückzugsräume: Die Brutalität ist allumfassend, ein Alptraum, aus dem es kein Erwachen gibt. Und vielleicht auch ein Sinnbild für den traurigen Zustand Lateinamerikas.

Monos - Zwischen Himmel und Hölle, Kolumbien ua. 2019, 103 Min., FSK ab 16, von Alejandro Landes, mit Sofia Buenaventura, Julián Giraldo, Karen Quintero

© dpa-infocom, dpa:200604-99-302242/3

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