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Boulevard

Drei Stars kämpfen in „Bombshell“ gegen Sexismus

Film

Montag, 10. Februar 2020 - 11:40 Uhr

von Von Barbara Munker, dpa

dpa Los Angeles. Mit geballter Star-Power gegen Sexismus: Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie spielen in „Bombshell“ Journalistinnen beim konservativen US-Sender Fox News, die ihren Boss zu Fall bringen wollen.

John Lithgow spielt den Senderchef Roger Ailes, dem sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Foto: Hilary Bronwyn Gayle/Wild Bunch/dpa

Barbie-blond, hautenge Kleider, hohe Absätze - die besten Voraussetzungen, um bei dem konservativen US-Sender Fox als Nachrichtenmoderatorin Karriere zu machen.

Tatsächlich war das die Vorgabe des mächtigen News-Chefs Roger Ailes, der den Lieblingssender des heutigen US-Präsidenten Donald Trump jahrelang leitete, bis ihn Vorwürfe sexueller Übergriffe zu Fall brachten. Der Film „Bombshell“ liefert genau, was der doppeldeutige englische Begriff verspricht. Gestylte Powerfrauen, die „Sexbomben“ des Fox-Fernseherfolgs, und ein Paukenschlag, der 2016 die Medienwelt erschütterte.

Die Fox-Journalistin Gretchen Carlson, eine frühere US-Schönheitskönigin, ließ die Bombe platzen, als sie Ailes 2016 wegen sexueller Belästigung verklagte, gut ein Jahr bevor die Enthüllungen über Machtmissbrauch des übergriffigen Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein die #MeToo Bewegung in Gang setzten. In der Rolle der Star-Moderatorin und Nachrichtensprecherin Megyn Kelly geht Oscar-Preisträgerin Charlize Theron gleich in der ersten Szene zur Sache. Im rot-weiß-blauen Minikleid, in den patriotischen Farben der US-Fahne, führt sie souverän und mit flottem Hüftschwung durch die New Yorker Fox-News-Zentrale, stellt den egomanen Boss (John Lithgow) vor, plaudert über die Männerwelt des Senders. „Durchsichtige Tische haben ihren Grund“, sagt sie grinsend in die Kamera. Die Fox-Zuschauer sollen mit schönen Frauenbeinen angelockt werden.

Kelly ist das weibliche Zugpferd des Senders, Gretchen Carlson dagegen schon zweite Garde: von der Hauptsendezeit auf die Nachmittagssendung abgeschoben. Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman setzt das maskenhafte Lächeln der Karrierefrau Carlson auf, die sich mit dem zweiten Platz nicht zufrieden gibt. Carlson nimmt sich Anwälte und sagt Ailes den Kampf an. Kürzere Kleider anziehen, sei noch das harmloseste gewesen, was der Boss von ihr verlangt habe. Sie berichtet von systematischem Sexismus und hofft, dass andere Fox-Frauen mit Vorwürfen gegen Ailes folgen.

Margot Robbie spielt die junge, hübsche Kayla, die von der großen Fernsehkarriere träumt. Er verlange Loyalität, dann könne sie es weit bei ihm bringen, verspricht Ailes der jungen Frau. Sie sind alleine in seinem Büro. Sie soll sich bitte mal drehen und ihr Kleid höher ziehen. Mit gequältem Lächeln gibt Kayla dem Drängen nach. „Bombshell“ kommt ohne drastische Missbrauchsszenen aus. Es sind diese subtilen Momente, die einen erstarren lassen. Robbies Gesicht spricht Bände, was die Erniedrigungen bei ihrer Figur Kayla anrichten. Dei Rolle brachte der 29-jährigen Australierin eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin ein.

Auch Hauptdarstellerin Theron (44) und das Make-Up-Team von „Bombshell“ holten Nominierungen. Die tägliche Prozedur mit Prothesen an Nase, Kinn und Augenlidern dauerte Stunden. Therons Verwandlung in Kelly, vom Aussehen bis zur rauchigen Stimme, ist verblüffend. Schon 2004 hatte die Südafrikanerin ihre Wandlungsfähigkeit bewiesen, als verlebte Prostituierte und Mörderin in „Monster“ (2004) gewann sie den Oscar. Mit kahlrasiertem Schädel und gestählten Muskeln schlug sie in „Mad Max: Fury Road“ zu, in „Tully“, ohne Make-up und mit Extra-Pfunden, mimte sie eine dreifache Mutter. Und nun die „Bombshell“-Blondine Kelly: Wird sie loyal zu „Team Roger“ halten und Ailes gegen Carlsons Vorwürfe in Schutz nehmen oder bringt sie mit anderen Opfern seine Schikanen ans Licht?

Ein verbaler Schlagabtausch mit dem damaligen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hatte Kelly 2015 in die Schlagzeilen gebracht. Die Fehde ging auf die erste TV-Debatte im Wahlkampf zurück, bei der Kelly Trump auf frühere sehr herablassende Bemerkungen über Frauen ansprach. Trump reagierte mit einer Twitter-Attacke und üblen Beschimpfungen. „Gut für die Einschaltquoten“, applaudierte Ailes.

Hollywood-Regisseur Jay Roach, der mit Komödienserien wie „Austin Powers“ und „Meine Braut, ihr Vater und ich“ früher für harmlose Lacher sorgte, trifft mit dem bitterbösen Dokudrama genau den richtigen Ton für dieses Thema. Immerhin ist auch er längst politischer geworden. In „Game Change“ nahm er sich die erzkonservative frühere Vize-Kandidatin Sarah Palin vor, in „Trumbo“ ging es um den legendären Drehbuchschreiber Dalton Trumbo, der einst auf Hollywoods schwarzer Liste geächteter kommunistischer Künstler stand.

Der „Bombshell“-Untertitel „Das Ende des Schweigens“ lässt es schon ahnen: Carlson hatte mit ihrer Klage gegen Ailes tatsächlich Erfolg. Das Medienimperium 21st Century Fox sprach der Ex-Moderatorin 2016 eine Millionenentschädigung zu. Ailes, der Vorwürfe sexueller Belästigung stets zurückwiesen hatte, trat wenig später ab. Knapp ein Jahr danach starb er im Alter von 77 Jahren.

- Bombshell - Das Ende des Schweigens, USA/Kanada 2019, 108 Min., FSK ab 12, von Jay Roach, mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow

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