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Faible für Fremdes: Dana Gavanskis „Wind Songs“

Musik

Donnerstag, 3. September 2020 - 08:13 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Was tun, wenn man mit einem vielversprechenden neuen Album wegen Corona nicht auf Tournee gehen kann? Die junge kanadische Singer-Songwriterin Dana Gavanski nahm im Lockdown eine EP mit fünf Coverversionen auf. Eine gute Entscheidung.

Starke Newcomerin: Dana Gavanski. Foto: Full Time Hobby

Interessanter Typ, diese Dana Gavanski. Nicht nur weil sie auf Promo-Bildern aussieht wie die Idealbesetzung für eine US-College-Serie (als verträumte, leicht weltfremde Schöne von nebenan). Sondern auch, weil die Kanadierin mit serbischen Wurzeln starke Songs schreibt und diese dann sehr gefühlvoll singt.

Mit ihrem Studioalbum „Yesterday Is Gone“ (Full Time Hobby/Rough Trade) legte Gavanski im März bereits eine feine Folkpop-Visitenkarte vor und wurde mit Kolleginnen wie Vashti Bunyan, Nadia Reid oder Eleonor Friedberger verglichen (um nicht gleich die Ikone der kanadischen Songschreiberkunst, Joni Mitchell, zu nennen). Ihr Sound klang aber nicht nur „retro“, sondern mit einigen Effekten im Hintergrund durchaus modern (etwa im zentralen „Trouble“). Und ihre sanfte Stimme mit leichtem Vibrato und charakteristischen Kieksern hatte auch etwas Spezielles.

Jetzt hat Dana Gavanski etwas gemacht, das man in Corona-Zeiten von Musikern des öfteren hört: ein Lockdown-Album. Besser gesagt ein Minialbum oder eine EP, mit fünf Cover-Tracks unter dem Titel „Wind Songs“. Darunter befinden sich solide bis gute Interpretationen etwa von Tim Hardin („Never Too Far“) und Judee Sill („The Kiss“) - sowie zwei echte Nuggets.

Was diese junge Sängerin aus „At Last I Am Free“ von Chic macht, ist großartig. Sogar noch besser gelingt ihr „I Talk To The Wind“, die berühmten Akustikballade aus einem bahnbrechenden Prog-Rock-Debüt von 1969. „Irgendwie vergaß ich King Crimson eine Zeitlang“, sagt Gavanski. „Aber Anfang vergangenen Jahres kehrte ich zu "I Talk To The Wind“ zurück. Es ist so wunderschön stimmungsvoll.“

Gute eigene Songs (etwa das prächtige „Memories Of Winter“, der Closer aus dem Debüt) und ein Faible für Fremdmaterial - von Dana Gavanski darf man noch einiges erwarten. Während und erst recht nach dem Lockdown. Da wächst möglicherweise Konkurrenz zur derzeitigen Folkpop-Queen Laura Marling heran.

© dpa-infocom, dpa:200831-99-372680/3

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