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Boulevard

Gérard Depardieu glänzt in „Das Wunder von Marseille“

Film

Montag, 4. November 2019 - 17:18 Uhr

von Von Gerd Roth, dpa

dpa Berlin. Schach ist kein Spiel, Schach ist Krieg. Mit Konflikten kennt sich der achtjährige Flüchtling Fahim aus, er will Schachmeister werden. In der Verfilmung der wahren Geschichte soll ihm ein glänzender Gérard Depardieu die richtigen Züge beibringen.

Der Schachlehrer und sein genialer Schüler: Sylvain (Gérard Depardieu) und Fahim (Assad Ahmed). Foto: dpa

Créteil ist eine Bettenburg am Rande von Paris mit Metro-Anschluss in die französische Metropole. Viel aufregender wird es nicht. Allerdings hat der Vorort auch einen Schachverein, im dem es ein illegaler Flüchtling zum französischen Meister geschafft hat.

Diese wahre Geschichte um den achtjährigen Fahim ist Vorlage für „Das Wunder von Marseille“ des französischen Regisseurs Pierre François Martin-Laval. Der Film ist ein neues Beispiel dafür, dass der wegen politischer und anderer Exzesse im echten Leben so oft umstrittene Gérard Depardieu auf der Leinwand mal eben schauspielerische Urgewalten entfachen kann.

Fahim (Assad Ahmed) flieht mit seinem vom Regime verfolgten Vater aus Bangladesch nach Frankreich. Der Junge hat nur ein Ziel: „Ich will Schachmeister werden“. Dafür schlagen sich Vater und Sohn zum bärbeißigen Sylvain (Depardieu) nach Créteil durch. Der geniale Schachlehrer, als Spieler selbst an den eigenen Versagensängsten gescheitert, müht sich mit Sekretärin Mathilde um eine kleine Schar junger Schachschüler.

Den eher weniger als mehr talentierten Nachwuchs tituliert er in seinem Frust abwechselnd als „Idiot“, „Versager“ oder „Eierkopf“. Nach unbedachten Zügen sind sie für ihn einfach nur „mausetot“. Seine feinfühligere Seite kann aber auch Erfolge loben - und erkennt vor allem das Talent von Fahim.

Während die Einwanderungsbehörde dem Vater auf den Fersen bleibt, formt Sylvain den ehrgeizigen Fahim zum Kämpfer am Schachbrett: „Schach ist kein Spiel. Schach ist Krieg, ein Krieg zwischen zwei Köpfen.“ Gleichzeitig beflügelt Sylvain Fahims Fantasie: „Es gibt mehr Abenteuer auf einem Schachbrett als auf allen Meeren der Welt.“ Das Meer ist für Fahim ein Sehnsuchtsort. Aber ebenso, wie er das ihm bisher unbekannte Meer entdecken wird, stehen ihm auch die Schicksalsschläge eines Flüchtlings in Europa bevor. So hat etwa der Verband für die anstehende Meisterschaft in Marseille eine feste Regel: „Keine Papiere, kein Schach“.

Der Dramatik der wahren Vorlage lässt Regisseur Martin-Laval auf der Leinwand freien Lauf. Dadurch schlingert die Geschichte mitunter zwar an den Grenzen eines Märchen entlang. Auf der Leinwand aber agieren die beiden Hauptdarsteller Gérard Depardieu und Assad Ahmed als sehenswertes Paar. Der Altmeister verpasst dem Schachlehrer eine angenehm cholerische Note, aber eben auch die einfühlsamen, sensiblen Seiten eines guten Pädagogenherzens.

Vor allem aber lässt Depardieu ausreichend Raum für den Filmneuling Ahmed, der die Entschlossenheit des Schachstrebers ebenso umzusetzen vermag wie die Verzweiflung des kindlichen Flüchtlings. Ahmed, zu Beginn des Projekts selbst erst seit drei Monaten in Frankreich, verbindet nach eigenen Angaben nicht nur den Spaß mit seiner Arbeit an der Produktion: „Ich hoffe, dass die Leute durch den Film verstehen, dass das Leben von Einwanderern nicht einfach ist.“

Das Wunder von Marseille, Frankreich 2019, 107 Min., FSK ab 12, von Pierre François Martin-Laval, mit Assad Ahmed, Gérard Depardieu, Isabelle Nanty, Mizanur Rahaman

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