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Boulevard

„Ghostland“: Das französische Horrorkino ist zurück

Film

Montag, 2. April 2018 - 09:01 Uhr

von Von Antje Wessels, dpa

dpa Hamburg. Nach seinem Maßstäbe setzenden Folterdrama „Martyrs“ schickt der französische Horrorregisseur Pascal Laugier auch in „Ghostland“ zwei junge Mädchen in eine Hölle aus Angst und Gewalt.

Vera (Taylor Hickson) steht Todesängste aus. Foto: Concorde Filmverleih GmbH

2008 sorgte der französische Regisseur Pascal Laugier mit seinem Gewaltdrama „Martyrs“ für Aufsehen. Der Film über eine junge Frau, die durch härteste Gewaltausbrüche seelisch gebrochen wird, wurde selbst in seinem Produktionsland mit dem höchsten Freigabe-Siegel bedacht.

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Hierzulande erhielt er nicht einmal eine Kinoauswertung, ist bis heute in der ungeschnittenen Fassung indiziert. Wenn so Jemand zehn Jahre später seinen nächsten Ausflug ins brettharte Horrorgenre ankündigt, wird man hellhörig - tatsächlich ist „Ghostland“ eine atmosphärische Hommage an das US-Gruselkino der Siebzigerjahre, dem etwa Filme wie „The Texas Chainsaw Massacre“ entstammen.

Colleen hat das Haus ihrer gestorbenen Tante geerbt. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Beth und Vera will sie die Gelegenheit nutzen, um in der französischen Einöde neu anzufangen. Doch schon in der Nacht ihrer Ankunft kommt es für die Familie zu einem dramatischen Zwischenfall: Fremde verschaffen sich Zutritt in die halbverfallene Villa und quälen die drei Frauen bis aufs Blut. Nur mit roher Gewalt können sie sich aus den Fängen ihrer Peiniger befreien.

Viele Jahre später: Beth ist eine gefeierte Horrorbuchautorin und eifert ihrem großen Idol H.P. Lovecraft nach, während Colleen in der Abgeschiedenheit auf ihre nach wie vor traumatisierte Tochter Vera aufpasst. Als Beth eines Tages einen alarmierenden Anruf erhält, reist sie zu ihrer Familie und erlebt vor Ort ein Grauen, an das sie sich nur zu gut erinnert...

Pascal Laugier scheint ein Fabel dafür zu haben, junge Frauen auf der großen Leinwand in Angst und Schrecken zu versetzen: Der Regisseur und Drehbuchautor animiert seine beiden Hauptdarstellerinnen Chrystal Reed („Crazy, Stupid, Love“) und Serienstar Anastasia Phillips („Reign“) zu einer beispiellosen Tour-de-Force-Performance, für die die Damen viel über sich ergehen lassen müssen. Dabei ist es nicht nur der auch diesmal reichlich hohe Gewaltgrad in „Ghostland“, der den zu Recht erst ab 18 Jahren freigegebenen Film für die Zuschauer zu einer Nervenprüfung macht: Pascal Laugier versteht es, nackte Panik abzubilden und kreiert dafür ein beklemmendes Setting, gepaart mit einer irritierend-schockierenden Tonspur.

Das mit gruseligen Puppen vollgestopfte Haus bildet die Kulisse, während sich schweres Atmen, nähernde Schritte, knarrende Türen oder der eigene Herzschlag zu eine akustischen Kulisse der Angst vermengen. „Ghostland“ ist lange Zeit über ein Katz-und-Maus-Spiel der leisen Töne, bis sich irgendwann die Gewalt in unerträglich ausführlichen Foltereskapaden entlädt, die sich oft vor allem auf psychischer Ebene abspielen.

Allzu viel soll über den weiteren Fortlauf der Geschichte allerdings gar nicht verraten werden. Das liegt in erster Linie daran, dass Pascal Laugier auch mit „Ghostland“ seiner Linie aus Wendungen und unvorhersehbaren Überraschungen treu bleibt, die den zweifelhaften Genuss seines Films zu einer Achterbahnfahrt machen. Selbst für genreerfahrenes Publikum ist hier lange Zeit nicht ersichtlich, was hier eigentlich echt ist und was bloß der Einbildung der beiden Frauen entspricht.

An einem entscheidenden Punkt stellt Laugier die ganze Geschichte sogar völlig auf den Kopf und stößt seine Zuschauer damit unweigerlich vor den Kopf. Im Finale hat das zur Folge, dass Laugier den perfekten Absprung hin zum Abspann verpasst, stattdessen lieber noch ein, zwei Haken mehr schlägt, um das Publikum auch wirklich in absoluter Ungewissheit zurückzulassen. Doch wer bis hierhin durchgehalten hat, hat ohnehin Nerven aus Stahl - und dürfte vom neuesten Streich des „Martyrs“-Regisseurs ziemlich begeistert sein.

Ghostland, Frankreich/Kanada 2018, 91 Min., FSK ab 18, von Pascal Laugier, mit Mylène Farmer, Chrystal Reed, Taylor Hickson, Anastasia Phillips, Emilia Jones

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