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Boulevard

GoGo Penguin: Mit Hipster-Jazz raus aus der Nische

Musik

Dienstag, 20. Februar 2018 - 05:11 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Drei junge Engländer bezaubern mit ihrem melodischen und virtuosen Piano-Jazz ein immer größeres Publikum. Die Erfolgsgeschichte von GoGo Penguin geht mit dem vierten Album weiter.

Die Fan-Gemeinde von GoGo Penguin wächst stetig (Styling Nicky Rybka Goldsmith). Foto: Linda Bujoli

Es gibt einen berühmten spöttischen Spruch des großen Musik-Verstehers Frank Zappa: „Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch.“ Bei der britischen Band GoGo Penguin ist Jazz indes höchst lebendig und riecht nach Moderne.

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Die Zeitung „Die Welt“ nannte den stilistisch sehr offenen, zugleich hochmelodischen und gar nicht puristischen Ansatz des in Manchester ansässigen Trios vor zwei Jahren ziemlich zutreffend „Rave-Jazz für die iPhone-Generation“. Denn GoGo Penguin sind rein äußerlich Hipster und musikalisch höchst talentierte Performer, die mit ihren so temperamentvollen wie zugänglichen Kompositionen auch größere Clubs lässig ausverkaufen.

Für ihr erstes Deutschland-Konzert in diesem Frühjahr, am 12. April im Funkhaus Berlin, sind laut Band-Webseite schon alle Tickets weg, ebenso für den Auftritt in der Kölner Philharmonie zwei Tage später. Auch in Leipzig (13.4.), Hannover (15.4.), Ludwigshafen (17.4.) und München (18.4.) dürfte es eng werden.

Die glücklichen Kartenbesitzer werden dann viel gute neue Musik zu hören bekommen. Denn das Anfang Februar erschienene vierte Album „A Humdrum Star“ (Blue Note/Universal) knüpft nahtlos - und nochmals mit gewissen Verfeinerungen - bei den schon tollen Vorgängern „Fanfares“ (2012), „v2.0“ (2014) und „Man Made Object“ (2016) an.

Der flink vorantreibende, oft sehr groovy klingende Kontrabass von Nick Blacka, das wirbelnd flexible Schlagzeug von Rob Turner und das immer wieder in repetitiven Schleifen wunderbar melodisch um ein Thema kreisende Piano von Chris Illingworth - mehr braucht es nicht, um den typischen, magischen GoGo-Penguin-Sog zu erzeugen.

Die Musikauffassung der drei jungen Brit-Jazzer ist bei aller Virtuosität erstaunlich uneitel. Es gibt auf „A Humdrum Star“ zwar das eine oder andere Solo - ganz wunderbar etwa die Bass-Fingerübung im längsten Albumtrack „Strid“ -, doch hier geht es eher um eleganten Mannschaftssport als um selbstherrliches Muskelspiel.

GoGo Penguin sind Jazzer, denen Radiohead mit ihren kühnen Klanggemälden, die Trip-Hop-Pioniere Massive Attack oder der deutsche Neoklassik-Grenzüberschreiter Nils Frahm vermutlich näher am Herzen liegen als traditionelle Klavier-Götter wie Keith Jarrett und Bill Evans. Die Ausbildung an klassischen Konservatorien ist den Kompositionen des Trios ebenso anzuhören wie die Verbindung zu zeitgemäßer Elektronik.

Es gibt in jüngster Zeit so einige Musiker, die den Jazz aus der Exoten-Nische führen, zuvorderst wohl der US-Saxofonist Kamasi Washington und seine Freunde aus der Szene von Los Angeles. Auch GoGo Penguin machen sich spätestens mit ihrem vierten Album auf den Weg, den bissigen Zappa-Satz gänzlich ad absurdum zu führen.

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