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Boulevard

Große Schau zu William Turner in Münster

Ausstellungen

Dienstag, 5. November 2019 - 17:17 Uhr

von Von Florentine Dame, dpa

dpa Münster. „Meister des Lichts“ und „Wegbereiter der Moderne“: So lauten die bekannten Etiketten des britischen Malers William Turner. Eine große Ausstellung in Münster zeigt nun, wie wuchtig und emotional Landschaftsmalerei sein kann.

Das Gemälde „Morgen in den Corniston Fells“ von Wiliam Turner in Münster. Foto: Fabian Strauch/dpa

Das riesige Bild zeigt einen Lawinenabgang in unwegsamer Alpenlandschaft. Wolkenhimmel, Schneemassen, Geröll kommen sich gefährlich nah. Zeitgenössische Betrachter von Turners Landschaftsgemälden dürfte es Schauer über den Rücken gejagt haben.

Der Betrachter werde eingesogen von Turners Malerei, berührt von den Naturgewalten, „und darf doch seine Freude haben, weil es ihn nicht betrifft“, sagt Kuratorin Judith Claus.

„Horror and Delight“ - Entsetzen und Entzücken - heißt die neue große Turner-Ausstellung in Münster. Ab Freitag sind im LWL-Museum für Kunst und Kultur rund 80 Werke, etwa zwei Drittel davon Aquarelle, der Rest zum Teil großformatige Gemälde, vom wohl wichtigsten englischen Landschaftsmaler der Romantik zu sehen. 30 weitere Werke von Zeitgenossen und Vorgängern ergänzen das Konvolut, das die Tate in London zur Verfügung gestellt hat.

So wird Turner in Bezug gesetzt zu Künstlern wie Caspar Wolf, John Constable oder John Martin, die in inspiriert haben und die er gleichzeitig zu übertreffen versuchte, sagt Claus.

Licht und Farbe setzt Turner meisterhaft ein, um die Atmosphäre einer Landschaft einzufangen. Da sind die alles verschluckenden Wellen und düsteren Nachthimmel seiner Meeresbilder, schroffe Bergwelten und tiefe Schluchten der Alpen.

Sie stehen im Kontrast zu den sanften italienischen Hügellandschaften, die Turner fast hinter einem gelben Schleier aus Licht verschwinden lässt oder zu Venedigs Kanälen und Kirchturmspitzen in blauem Dunst.

Inspiration für die Bilder, die zuvor mit anderer Schwerpunktsetzung in Luzern zu sehen waren, fand Turner auf seinen Reisen durch Europa. Bei Aufenthalten in der Schweiz und in Italien füllte er seitenweise Skizzenbücher, die ihm dann im Winter Fundus für die großen Landschaftsgemälde waren.

Dass der Londoner Joseph Mallord William Turner (1775-1851), wie er mit vollem Namen heißt, schon als 14-Jähriger an der gerade erst aufgebauten Royal Academy lernte und früh erfolgreich war, zahlte sich aus: Er hatte durch ein sattes finanzielles Polster und gute Kontakte später die Freiheit, entgegen geltender Normen Landschaften so zu malen, wie er sie verstand.

Er habe die Landschaft nicht originalgetreu nachempfinden wollen, sagt Claus. „Es geht eher darum, wiederzugeben, wie veränderlich Natur bei unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterverhältnissen ist.“ Dazu habe er technisch experimentiert, gespachtelt, die Finger zur Hilfe genommen.

Wie er dabei mit zunehmendem Alter immer freier und unkonventioneller wurde, lässt sich in der chronologisch aufgebauten Schau gut nachempfinden. In Turners zu seinen Lebzeiten kritisch beäugtem Spätwerk führt die Konzentration auf die Atmosphäre seiner Bilder zur gänzlichen Auflösung der Formen. „Die Bilder machen es Kunsthistorikern mitunter schwer zu beschreiben, was da genau zu sehen ist“, sagt Claus. Vielen Kunstfreunden der damaligen Zeit seien die Landschaften ohne deutliche Konturen zu ungenau, zu diffus gewesen.

Weil ihm dies das Label „Wegbereiter der Moderne“ einbrachte, gehört William Turner heute zu den ganz großen Namen der Kunstgeschichte. Das Museum für Kunst und Kultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe erlebt daher schon vor der Eröffnung großes Interesse, wie Museumsdirektor Hermann Arnhold berichtet. 600 Gruppenführungen seien bereits gebucht. Kein Wunder: Die letzte große Turner-Schau in Deutschland fand 2011 in Hamburg statt. „Horror and Delight“ ist bis zum 26. Januar 2020 zu sehen.

Kuratorin Judith Claus in der Ausstellung "Turner. Horror and Delight“. Foto: Fabian Strauch/dpa

Zwei Besucher in der Ausstellung "Turner. Horror and Delight“ in Münster. Foto: Fabian Strauch/dpa

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