Boulevard

Gut gegen Dauerregen: Soul von Childhood

Musik

Mittwoch, 2. August 2017 - 16:52 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Der Blick nach draußen macht solche Alben in diesem Sommer noch wertvoller: Die britische Band Childhood hat einen soulig-spitzigen Gartenparty-Cocktail gemixt, der über den Dauerregen hinwegtröstet.

Der Childhood-Frontmann und Songwriter Ben Hopcraft. Foto: Adama Jollah/Marathon Artists

Nottingham ist nicht gerade Nabel der Welt für schwarze Musik, und doch kommt aus der englischen Stadt eine der schönsten Soulplatten des Jahres. Verantwortlich zeichnen der Songwriter Ben Romans-Hopcraft und sein Quintett Childhood.

„Universal High“ (Marathon Artists/Kobalt/Rough Trade) wurde allerdings nicht auf der Insel aufgenommen, sondern in den Maze Studios von Atlanta, Georgia. Den Einfluss von US-amerikanischem Soul der 60er und 70er Jahre, speziell von legendären Alben der Marke Motown, können und wollen die Briten hier gar nicht erst verleugnen.

Die wunderbaren Groove-Songs und samtigen Balladen von Marvin Gaye, Curtis Mayfield, The Four Tops, Smokey Robinson oder den Isley Brothers schauen hier immer wieder mal als Inspirationsquelle um die Ecke. Nun könnte ein englischer Aufguss solch legendärer Größen eine recht dünne Sache sein und die Orientierung an den besten Sängern des Soul eine peinliche Anmaßung. Aber weder noch.

Childhood basteln unter der Anleitung des Topproduzenten Ben H. Allen (Gnarls Barkley, Deerhunter) einen cremig-warmen Sound für prächtige Songs wie „Californian Light“ oder „Understanding“, und stimmlich müssen sie sich ebenfalls nichts vorwerfen lassen. Und Leadsänger Romans-Hopcraft hat eine dermaßen flexible, zwischen mittleren und hohen (Falsett-)Lagen pendelnde Stimme, dass man nur staunen kann.

Er ist damit natürlich nicht der erste authentisch klingende britische Soul-Sänger, aber wie lässig er dieses Genre hier kapert, verblüfft dann doch. Erst recht nach dem noch etwas ungelenken Dub-Psychedelic-Indie-Debüt „Lacuna“ von Childhood vor drei Jahren.

Mit „Universal High“ haben die fünf Musiker ihre Kindheit als britische Indie-Band aus der dritten Reihe jedenfalls definitiv hinter sich. Und wir Regen-Geschädigten vergessen jetzt mit ihren Liedern ganz schnell den Sintflut-Sommer.

Konzert: Auftritt beim Reeperbahn-Festival in Hamburg (20.-23.9.)


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