Boulevard

Neue Gutachten: Drach „wahrscheinlich“ Täter bei Überfällen

Mittwoch, 14. Dezember 2022 - 20:48 Uhr

von dpa

© Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Im Prozess gegen den früheren Reemtsma-Entführer Thomas Drach sind am Mittwoch neue Gutachten vorgestellt worden. Laut dem Bewegungsgutachten eines Biomechanikers kommt Drach demnach bei einem ihm zur Last gelegten Raubüberfall auf einen Werttransporter in Frankfurt am Main mit „überwiegender“ bis „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ als Täter in Betracht. Bei den beiden anderen von ihm untersuchten Überfällen auf Werttransporter vor Ikea-Märkten in Köln im März 2018 und Frankfurt am Main im November 2019 wertete der Wissenschaftler die Täterwahrscheinlichkeit Drachs als „überwiegend“ bis „weit überwiegend“ ein.

Drachs niederländischer Mitangeklagter sei demnach „weit überwiegend“ der Fluchtwagenfahrer beim Überfall am Flughafen Köln/Bonn gewesen. Der Biomechaniker hatte bestimmte Bewegungsmerkmale der Täter auf den Überwachungsvideos mit von der Polizei erstellten Observationsvideos der Angeklagten verglichen.

Karte

In einem zweiten Gutachten machte eine forensische Anthropologin Angaben anhand von Körperproportionen. Sie kam beim Abgleich von Screenshots aus Überwachungsvideos und Observationsvideos zu dem Ergebnis, dass Drach bei den drei Überfällen lediglich mit einfacher Wahrscheinlichkeit als Täter in Frage komme. Drachs Mitangeklagter sei hingegen „sehr wahrscheinlich“ Mittäter beim Überfall am Flughafen Köln/Bonn. Die Befragung der Sachverständigen durch die Prozessparteien wurde auf einen kommenden Verhandlungstag verlegt.

Bereits im September hatte ein Video-, Bild- und Digital-Forensiker Drach mit einer Wahrscheinlichkeit von „95 bis 99 Prozent, mit Tendenz zum niedrigeren Wert“ als Täter identifiziert. Der Gutachter schied aber Anfang Oktober wegen Besorgnis der Befangenheit aus dem Prozess aus, sein Gutachten war damit hinfällig. Laut dem Gerichtsbeschluss soll der Gutachter zuvor einem Reporter, der über den Prozess berichtete, Geld für eine ihm genehme Berichterstattung zugesteckt haben. Der soll aber die Annahme verweigert und den Vorgang stattdessen der Staatsanwaltschaft gemeldet haben.

In einer daraufhin vom Gericht eingeforderten Stellungnahme hatte der Gutachter den Vorfall bestritten, gleichzeitig aber kundgetan, „Hass“-Gefühle gegenüber den Verteidigern in dem Prozess zu haben. Er bat daraufhin selbst um seine Entpflichtung.

Die Anklage wirft Drach neben den Raubüberfällen auch versuchten Mord vor. Er soll bei zwei Taten auf Geldboten geschossen und sie erheblich verletzt haben.

Drach wurde der Öffentlichkeit durch die Entführung von Jan Philipp Reemtsma bekannt. Den Erben eines Tabakkonzerns hatte der heute 61-Jährige erst nach einer Lösegeldzahlung wieder frei gelassen. Für die Tat war Drach zu 14,5 Jahren Haft verurteilt worden.


Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.

Die US-Rockband Fall Out Boy kommt im Herbst für vier Konzerte nach Deutschland. Das erste Konzert ist am 21. Oktober in München geplant, wie der Veranstalter Live Nation am Mittwoch mitteilte. Am 6. November ist die Band für ein Konzert in Oberhausen, am 7. November tritt sie in Hamburg auf, am 8. November in Berlin. Der Ticketverkauf soll nächste Woche am Freitag (17. Februar) beginnen.