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Boulevard

Helmut Newton: „Ich bin ein professioneller Voyeur“

Film

Montag, 6. Juli 2020 - 13:02 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Berlin. Er war einer der erfolgreichsten Fotografen. Sich selbst bezeichnete Helmut Newton als „professionellen Voyeur“. Regisseur Gero von Boehm hat ihm ein kleines dokumentarisches Denkmal gesetzt.

Helmut Newton hat sich als „professionellen Voyeur“ bezeichnet. Foto: -/Filmwelt/dpa

Die „Big Nudes“ sind Ikonen. Ebenso bewundert wie umstritten, oft kopiert oder zitiert, mitunter persifliert. Die Fotos überlebensgroßen Frauen in martialischer Nacktheit sind wohl die bekanntesten Bilder von Helmut Newton (1920-2004).

„Ich bin ein professioneller Voyeur“, sagt der Fotograf in Gero von Boehms Film „Helmut Newton - The Bad and the Beautiful“. Der Regisseur setzt dem in Berlin geborenen Newton, der am 31. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre, ein kleines dokumentarisches Denkmal.

Von Boehm greift dabei neben kurzen Interviewpassagen mit Newton selbst auf Gespräche nur mit Frauen zurück. Eindrücke gibt es von Ehefrau June Newton, „Vogue“-Chefin Anna Wintour, den Schauspielerinnen Isabella Rossellini, Hanna Schygulla, Charlotte Rampling, den Musikerinnen Grace Jones und Marianne Faithfull, Models wie Claudia Schiffer oder Nadja Auermann. Alle standen, saßen, lagen vor Newtons Objektiven, mal mehr oder mal weniger nackt.

Für die schärfste Kritik an der Arbeit zwischen Mode- und Aktfotografie greift der Film auf eine Fernsehdiskussion zurück, in der die US-Autorin Susan Sonntag (1933-2004) Newton „ungeheuerliche Fantasien“ vorwirft. „Viele frauenfeindliche Männer sagen, dass sie die Frauen lieben“, kontert sie eine entsprechende Bemerkung Newtons.

Rossellini sagt: „Helmut war nicht einfach ein Macho, aber er hat diese Kultur repräsentiert“. Auermann wertet Newtons Arbeit als „Spiegel für die Gesellschaft, weil die Gesellschaft sexistisch ist“. Gleichzeitig weisen die für den Film interviewten Frauen darauf hin, wie angenehm und komplett unverfänglich die Arbeit mit ihm war.

Newton sorgt selbst für Hinweise, warum so viele seiner Motive Anstoß erregen: „In der Fotografie gibt es für mich zwei dreckige Wörter: Kunst und guter Geschmack.“ Der Film zeigt es an einem Beispiel auf: sündhaft teure Edelsteine fotografiert Newton an einem geschlachteten Huhn. „Warum nicht?“, fragt er, die Gegensätze reizten ihn. „Solange es mir gefällt, ist es mir völlig schnuppe, was die Leute sagen.“ Chefredakteurin Wintour lässt er wissen, er freue sich schon auf die Leserbriefe.

Der Film erzählt auch aus der Zeit, als Newton noch als Helmut Neustädter in Berlin aufwächst, der Lehre bei der von den Nazis später ermordeten Fotografin Yva, der Flucht des aus einer jüdischen Familie stammenden 18-Jährigen. So scheint es zunächst verwunderlich, dass unter den politischen Köpfen, die Newton porträtiert, auch der französische Rechtsextremist und Antisemit Jean-Marie Le Pen zu finden ist. Doch Newton fotografiert Le Pen mit seinen Hunden. Das Arrangement verweist auf ein optisches Vorläufermotiv: Hitler mit Schäferhund.

Helmut Newton - The Bad and the Beautiful, Deutschland 2020, 90 Min., FSK ab 0, von Gero von Boehm, mit Helmut Newton, June Newton, Isabella Rossellini, Hanna Schygulla, Claudia Schiffer

© dpa-infocom, dpa:200702-99-644843/4

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