Boulevard

Hilferuf nach einer guten Fee von Dota

Musik

Freitag, 28. Mai 2021 - 10:34 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Sensibler Indie-Pop mit Charts-Potenzial - das ist seit Jahren die Spezialität der Liedermacherin Dota. Nach ihrem Tribute-Album für eine Dichterin hat sie nun wieder ambitionierte eigene Texte im Angebot.

Die Band Dota mit Sängerin Dota (Dorothea) Kehr (m.). Foto: Annika Weinthal/Annika Weinthal/Popup Records/dpa

Deutschsprachiger Pop, der regelmäßig hoch in die Charts einsteigt, ohne mit Schlager-Geschunkel oder harten Rap-Reimen aufzutrumpfen - dafür steht die Berliner Songschreiberin Dota.

Auch das neue Band-Album der ausgebildeten Ärztin bleibt ihrem Stil treu: sensibel gesungene Lieder mit Texten, die das intensive Hinhören lohnen.

Die 13 Stücke von „Wir rufen dich, Galaktika“ funktionieren wie eine vertraute warme Kuscheldecke - ein Utensil, das man für unsichere Pandemie-Zeiten nun wirklich gut brauchen kann. Dabei spielt die für ihre Musik vielfach preisgekrönte Dorothea Kehr (41) gern mit unverbrauchten Sprachbildern und ungewöhnlichen Assoziationen.

So geht der Titelsong auf die Puppenspiel-Fernsehserie „Hallo Spencer“ (1979-2001) zurück: Mit einem flehenden „Wir rufen dich, Galaktika“ suchten die Bewohner eines Dorfes die Hilfe einer lila Fee, wenn die Lösung der irdischen Probleme allzu schwierig wurde. Angesichts von Corona- und Klima-Krise erkennt Dota: „Wir haben Mist gebaut“ - höchste Zeit also für die gute Fee.

Dass diese Liedermacherin auch deftigere politische Zeilen singen kann, zeigt sie mit „Ich hasse es“ über die Manipulierbarkeit im Internet („Und weil der Algorithmus sagt/Dass ich es mögen muss/Und wenn es mir dann tatsächlich gefällt/Ich hasse es“). Daneben stellen Kehr und ihre bewährte vierköpfige Band melancholische Stücke wie das Liebeslied „Funken schlagen“ und „Ich halte zu dir“, oder auch mal Albernes mit Niveau wie „Fotosynthese“.

Auf ihrem 2020 erschienenen Album „Kaléko“ hatte Dota das Werk von Mascha Kaléko (1907-1975), einer Dichterin des gerade so angesagten Berlins der 1920er Jahre, gewürdigt. Wie mit den Vorgängern „Keine Gefahr“ (2016) und „Die Freiheit“ (2018) schaffte es die Betreiberin eines eigenen Labels (Kleingeldprinzessin Records) damit unter die Top 15 der Album-Charts. Ein Ergebnis, das auch mit dem ambitionierten „Galaktika“-Projekt wieder erreichbar sein könnte.

© dpa-infocom, dpa:210525-99-730890/3

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