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Boulevard

Jazz-Drummer Wolfgang Haffner brilliert mit „Kind Of Tango“

Musik

Mittwoch, 4. März 2020 - 15:10 Uhr

von Von Werner Herpell, dpa

dpa Berlin. Wolfgang Haffner ist einer der vielseitigsten und besten Jazz-Drummer der Welt. Das merkt man auch seinen drei jüngsten Veröffentlichungen an. Nach Cool-Jazz und Flamenco widmet der Franke sich nun dem Tango.

Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner verneigt sich vor dem Tango, ohne ihn nachahmen zu wollen. Foto: Antje Wiech/ACT/Edel/dpa

„Kind Of Tango“, irgendwie Tango - so heißt die neueste Platte des vielfach ausgezeichneten deutschen Jazz-Schlagzeugers Wolfgang Haffner.

Die Einschränkung ist bewusst gewählt, denn: „'Kind Of Tango' ist KEIN Tangoalbum“, so betont der 54-Jährige in den Anmerkungen zur jüngsten Veröffentlichung bei seinem Stammlabel ACT, dem dritten Teil einer Trilogie.

„Es ging darum, diese Musik in meine Welt zu übersetzen“, sagt Haffner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Ich bin nun mal Franke und kein Argentinier.“ Ende der 90er und Anfang der Nuller Jahre sei er in Buenos Aires gewesen, an der Wiege des Tangos. Dort spielte er mit dem Ensemble von Astor Piazzolla (1921-1992), dem wichtigsten Komponisten der Stilrichtung. „Das hat mir den Tango, die Schönheit der Melodien, ihre Melancholie, sehr nahe gebracht.“

Haffner hat viel Respekt vor dem Tango - aber auch genug Selbstbewusstsein, um ohne Demut sein eigenes Ding mit traditionellem und modernerem Ausgangsmaterial zu machen. „Ich bin nicht mit Tango aufgewachsen, insofern ist dieses Album meine Sicht der Dinge. Beispielsweise habe ich auch mal Tempo rausgenommen, um die Melodien noch mehr strahlen zu lassen.“

Diese Kombination aus Traditionspflege und Weiterentwicklung ist Haffner-Fans schon länger vertraut. Seine beiden Alben vor „Kind Of Tango“ lebten ebenfalls davon: Auf die tolle Cool-Jazz-Hommage „Kind Of Cool“ (2015) mit eigenen Kompositionen und Stücken von Miles Davis oder Nat Edderley folgte das nicht minder eindrucksvolle „Kind Of Spain“ (2017) mit spanischen Klassik- und Flamenco-Adaptionen. Daneben war der seit gut 35 Jahren bienenfleißige Drummer zuletzt unter anderem beim erfolgreichsten Jazz-Album 2019 aktiv, im Quartett 4 Wheel Drive mit Nils Landgren, Michael Wollny und Lars Danielsson.

„Kind Of Tango“ bietet nun Stücke des Altmeisters Piazzolla auf - aber eben auch inspirierte Tango-Tribute des schwedischen Bassisten Danielsson („Tango Magnifique“), von dessen Landsmann Ulf Wakenius („Tango Cordoba“) oder Haffner selbst („Tres Hermanos“, „Para Tito“). Die stilistische Exkursion des virtuosen Jazz-Schlagzeugers aus Oberfranken nach Buenos Aires, zu den Wurzeln des Tango, ist hörbar Herzenssache.

Haffner wollte dabei den Ton der Melancholie treffen, der dem Tango innewohnt. Das dafür zuständige Akkordeon spielt auf dem Album der Franzose Vincent Peirani, einer der Weltbesten auf diesem Instrument - aber eben nicht dominant. „Andere Instrumente sollten eine ähnliche Funktion haben und ähnliche Farben kreieren“, erklärt Haffner. „Genau das habe ich gemeint, als ich sagte: Dies ist kein klassisches Tango-Album, sondern meine Lesart von Tango, eine Verneigung vor dieser Musik. Man kann nur verliere, wenn man etwas lediglich nachahmt.“

Haffner ist ein weltoffener, stilistisch flexibler Jazz-Komponist und -Musiker - daher kennt er natürlich auch das französische Gotan Project, das vor 20 Jahren für seine originelle Mixtur aus Electro- und Dance-Rhythmik mit Tango berühmt wurde. „Die Kombination fand ich immer interessant - obwohl ich natürlich völlig andere Beats spiele“, sagt Haffner. „Aber ich habe ja über die Jahre auch selbst viel elektronische Musik gehört und gemacht - was sich auf mein Jazz-Spiel ausgewirkt hat.“

Mit Cool-Jazz, Flamenco und Tango ist die „Kind Of...“-Trilogie des sympathischen Schlagzeugers, Bandleaders und Komponisten nun komplett. Soll es dabei bleiben - oder vielleicht irgendwann noch beispielsweise ein „Kind Of Funk“ von Wolfgang Haffner folgen?

„Stand jetzt bin ich damit durch“, sagt der 54-Jährige im dpa-Gespräch. „Ich habe jetzt erstmal eine große Tour vor mir, über die nächsten eineinhalb Jahre. Wir werden nächstes Jahr in Buenos Aires und in Montevideo spielen - da freue ich mich wahnsinnig drauf. Und zugleich: Wenn man in das Mutterland dieser Musik geht, hat man dann doch etwas zittrige Knie.“

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