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Jens Wawrczeck: Der Zweite Detektiv singt

Musik

Mittwoch, 13. Mai 2020 - 06:12 Uhr

von Von Christof Bock und Oda Baum, dpa

dpa Berlin/Hamburg. Mit Sätzen wie „Justus! Er hat ein Messer!“ gelangte Hörspiel-Star Jens Wawrczeck in die Herzen von Millionen Fans der „Drei Fragezeichen“. Jetzt hat er seine erste Platte mit Songs aufgenommen.

Jens Wawrczeck: Sein Debüt-Album „Celluloid“ soll erst der Anfang gewesen sein. Foto: Christian Charisius/dpa

Millionen Deutsche hat Jens Wawrczeck durch ihre Kindheit begleitet. In der Hörspielserie „Die drei Fragezeichen“ spricht er seit 1979 den „Zweiten Detektiv“ Peter Shaw - dank intensivem Stimmtraining bis heute mit der hellen Stimme eines ewigen Jugendlichen.

Für die Krimi-Reihe gesungen hat Wawrczeck in all den Jahren nie, sieht man von einem schiefen Lied auf einem uralten „Drei Fragezeichen“-Soundtrack ab - eine Jugendsünde aus dem Jahr 1982 auf Wunsch des Hörspiellabels.

Jetzt aber hat der 56-Jährige sich einen Traum erfüllt, ist ins Musikstudio gegangen und hat Lieblingslieder aus Filmen eingesungen. Das Ergebnis „Celluloid“ ist beeindruckend und wirft die Frage auf, warum er das nicht schon viel früher getan hat.

Wawrczeck hat zwölf Titelsongs von bekannten und unbekannten Filmklassikern aufgenommen, vor einer großen Soundkulisse aus Streichern, Blechbläsern und mehr. „Einige der Songs stammen aus Filmen, die mir viel bedeuten, bei anderen liebe ich die Melodie oder den Text“, erläutert er.

Was den eigenartigen Reiz der Platte ausmacht: Wawrczeck hat nicht nur fast ausschließlich Songs der 1960er Jahre ausgewählt - die Lieder sind auch durch die Bank im Original von Frauen gesungen worden. Seine ungewöhnliche Stimmlage täuscht zuweilen das Ohr, und man glaubt eine Sängerin zu hören - etwa bei dem einstigen deutschen Nummer-eins-Hit „Porque te vas“ aus Carlos Sauras „Züchte Raben...“ (1976). Beim Disney-Song „Bibbidi-Bobbidi-Boo“ aus „Cinderella“ (1950) indes kontrastiert er dunkel gegen einen Kinderchor.

Wawrczeck singt englisch, französisch und spanisch, Brüche gibt es dennoch nirgends. Die Klangfarbe bleibt sich zwischen Swing, Jazz und Chanson harmonisch treu. Ein herzerwärmendes Album - und ein angenehmer Kontrast zu den aktuellen Krisenzeiten.

Seine Bekanntheit habe ihm durchaus geholfen, sein Lieblingsprojekt umzusetzen, sagt Wawrczeck im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Dieses Album ist ein langgehegter Herzenswunsch, wie die Geburt eines Kindes, auf die ich endlos lange gewartet habe. Die Aufnahmen waren ein elementares Erlebnis. Ich bin mit meinem Album dort angekommen, wo ich schon immer sein wollte.“

Neben den Songs aus Hollywood-Klassikern haben die Melodien aus französischen und spanischen Filmen für ihn zeitlose Lebendigkeit. „Damit ist es wie mit Büchern: Die dicken, brutalen Krimis drängen alles andere zur Seite, und es gibt immer weniger Platz für die kleinen Kostbarkeiten“, sagt Wawrczeck. „Mir würde das Herz bluten, wenn man diese Musik vergessen würde.“

Und weshalb kam das Albumdebüt so spät, erst mit Mitte 50? „Aus Respekt“, sagt der Hörspiel-Star. „Gesang ist das persönlichste Ausdrucksmittel. Ich habe auf der Bühne immer wieder gesungen und bei meinen Lesungen den einen oder anderen Song ins Programm geschmuggelt, aber für ein komplettes Album brauchte es Mut.“ Und: „Die richtigen Musiker zu finden war entscheidend.“

Die Platte habe es ihm ermöglicht, „neue, unentdeckte Wege einzuschlagen“, sagt Wawrczeck. „Und ich möchte auf jeden Fall weitere Alben produzieren. „Celluloid“ soll keine Eintagsfliege sein.“

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