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Boulevard

Justin Timberlake: Mehr Familie als Lagerfeuer

Musik

Montag, 5. Februar 2018 - 11:31 Uhr

von Von Nicole Wehr, dpa

dpa Hamburg. Die Geheimniskrämerei ein Ende: US-Sänger Justin Timberlake präsentiert der Welt sein viertes Studioalbum - eine Herzenssache.

Justin Timberlake: Große Show beim Super Bowl. Foto: Matt Slocum

Nein, es ist kein Country-Album! Das stellte Justin Timberlake, der gerade 37 Jahre alt wurde, in einem Geburtstagsclip via Instagram ein für alle Mal klar. „Man of the Woods“ sei seinem zweijährigen Sohn Silas gewidmet, dessen Name genau das bedeute.

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Dabei hat der inzwischen bärtige Mann aus Memphis, Tennessee, genau diesen Gerüchten zuvor selbst Zunder gegeben. Etwa mit dem Album-Trailer: Justin im Maisfeld, Justin am Lagerfeuer - dazu galoppierende Pferde und schneebedeckte Berge. Das Werk sei sein bisher persönlichstes, inspiriert von seiner Familie und seinen Wurzeln. Das Ziel: ein moderner Südstaatensound.

„Filthy“, die erste Vorab-Single, ist alles andere als Country: von Langzeit-Buddy Timbaland mitproduzierter Future-Funk mit kratzigen Synths und ordentlich Wumms - Schreie, Stöhner und Löwenbrüllen inklusive. Im Video spielt Timberlake einen Erfinder, der einen Roboter nach seinen Vorgaben tanzen lässt. Inszeniert hat das Ganze Mark Romanek, der schon beim 2016er Megahit „Can't Stop the Feeling!“ (aus dem Film „Trolls“) Regie führte. Und klar ist: Der Album-Opener passte perfekt zum Auftritt in der Halbzeitpause des Super Bowl.

Dort stellte er wieder einmal unter Beweis, was man schlicht anerkennen muss: Der „Prince of Pop“, ist ein begnadeter Entertainer. Nach ersten Erfolgen im Mickey Mouse Club und als Front-Boy von *NSYNC ging die Karriere des Chorleiter-Sohns in den 2000er Jahren mit seinen von R&B und Soul, aber auch von Rap und Rock geprägten Soloalben „Justified“ und „FutureSex/LoveSounds“ steil voran. Michael Jackson, Prince, Stevie Wonder und Elvis Presley zählt er zu seinen Idolen.

Immer wieder markant: Justins Falsett-Gesang. An Songs wie „Señorita“, „Like I Love You“ oder „SexyBack“ kam kaum ein Clubgänger vorbei - und wollte es auch gar nicht. Nebenbei versuchte Timberlake sich als Schauspieler, etwa in „The Social Network“ oder aktuell in Woody Allens „Wonder Wheel“. Fünf Jahre nach dem zweiteiligen Album „The 20/20 Experience“ zeigt sich Justin Timberlake nun mit „Man of the Woods“ von seiner familiären Seite. In den 16 Songs geht es vor allem um seine Vaterrolle und die Liebe zu seiner Frau, der Schauspielerin Jessica Biel, die mehrfach kommentierend zu hören ist.

Eine musikalische Neuerfindung ist das nicht. Doch zwischen vertraut groovenden Gitarren und verspielten Beats - etwa im titelgebenden Track oder in „Sauce“, tauchen dann doch einige Country-Einflüsse auf: eine Mundharmonika im eigentlich housigen „Midnight Summer Jam“. Geigen in „Livin' Off The Land“, durch das eine markante Basslinie marschiert. Landhausfeeling in „Flannel“, einem flauschigen Wiegenlied.

Und, natürlich, das halbakustische Duett mit Chris Stapleton, „Say Something“. Er mit Countryhut, Justin im Karohemd, singen sie im Video in sakraler Atmosphäre samt wuchtigem Chor ihre Mantren: „Sometimes the greatest way to say something, is to say nothing at all“ und „Maybe I’m looking for something I can’t have“. Stapleton lieferte auch gleich noch die Lyrics für die Ballade „Morning Light“ mit Soul-Queen Alicia Keys.

Wer nun Angst vor zu viel Heimeligkeit hat, sei beruhigt: „Man of the Woods“ bietet noch genügend tanz- und kopfnickkompatible Beats. Dafür hat auch Co-Produzent Pharrell Williams gesorgt, der Mastermind hinter dem Endzeitstimmung verbreitenden „Supplies“, von dem vor allem die Sitar-Klänge und die „Brrrr!“-Rufe im Gedächtnis bleiben. Den letzten Ton liefert dann aber doch Söhnchen Silas: einen Schmatzer für „Daddy“ im poppigen „Young Man“. Ein Familienalbum eben.

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