Boulevard

Karnevalsbeginn am 11. 11. auf Sparflamme

Brauchtum

Dienstag, 10. November 2020 - 13:21 Uhr

von Deutsche Presseagentur dpa

dpa Köln/Bexbach. Es wird wohl der stillste Karnevalsauftakt seit Jahrzehnten: Um einer weiteren Verbreitung von Corona vorzubeugen, fällt der 11.11. - wie man ihn sonst kennt - dieses Jahr weitgehend aus.

Wegen Corona ist der Auftakt der Karnevalssaison abgesagt. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Mittwoch ist der 11.11. - aber es soll nur ein Tag wie jeder andere werden. Wegen Corona ist der Auftakt der Karnevalssaison abgesagt.

„Wir alle müssen auf das Feiern am 11.11. verzichten“, mahnte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Diesmal wird nicht gefeiert, diesmal wird nicht gesungen, diesmal wird nicht geschunkelt, diesmal wird nicht getanzt. Diesmal gibt es keinen 11.11.“ Der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn sagte, der Tag müsse dieses Jahr „in Ruhe und Stille“ begangen werden.

Der Bund Deutscher Karneval (BDK) will zumindest für ein bisschen jecke Stimmung in den eigenen vier Wänden sorgen - und lädt zur bundesweit ersten digitalen Eröffnung der Session ein. „Wir wollen in diesen Zeiten trotzdem präsent sein und die Freude in die Wohnzimmer bringen“, sagte BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess im saarländischen Bexbach. Das sei aber kein Aufruf zum Partymachen; die Leute sollten zu Hause bleiben und nicht rausgehen.

Bei einem Livestream, der unter anderem über die Seite www.karnevaldeutschland.de (ab 10.45 Uhr) zu sehen sein wird, werde ein buntes Programm geboten. So soll ein neues Musikvideo mit einem speziellen BDK-Song „Die längste Polonaise auf der Welt“, bei der jeder 1,50 Meter Abstand hält, präsentiert werden. Der BDK zählt bundesweit rund 2,6 Millionen Mitglieder in mehr als 5300 Vereinen und Zünften. Karneval, wie „wir ihn in den letzten Jahren erlebt haben, wird es in allen 16 Bundesländern so nicht geben“, sagte der Präsident.

Köln will Karnevalstouristen mit einem Alkoholverbot abschrecken. Auf Plakaten wird für den Feier-Verzicht geworben. Zu sehen ist zum Beispiel die Schauspielerin und Moderatorin Janine Kunze, die versichert: „Am 11.11. feiere ich nicht. Weil es dein Leben schützt.“

Veranstaltungen gibt es nicht in Köln, noch nicht einmal die ursprünglich geplante Eröffnung des närrischen Treibens ohne Zuschauer in der Wagenbauhalle des Festkomitees. Sie sollte vom WDR übertragen werden - aber angesichts der steigenden Infektionszahlen hat der Sender auch das abgesagt. Es soll jetzt nur eine kleine Studioproduktion mit Erinnerungen an vergangene Zeiten, musikalischen Einspielern und einem Blick auf die Lage des Karnevals in Corona-Zeiten geben.

In Düsseldorf findet das traditionelle Hoppeditz-Erwachen in digitaler Form statt. Dazu hat das Comitee Düsseldorfer Carneval die Seite „hoppeditz.helau.cc“ eingerichtet. Außerdem kann man dem Hoppeditz - einer fiktiven Narrenfigur - per Zoom-Video-Schalte zujubeln.

Statt vor mehreren Tausend Zuschauern auf dem Platz vor dem Rathaus aus einem Senftopf zu klettern, wird Hoppeditz-Darsteller Tom Bauer seine Rede hinter verschlossenen Türen halten. Dennoch könnten alle Jecken live dabei sein - sogar von zu Hause oder vom Arbeitsplatz. Die traditionelle Erwiderung auf den Hoppeditz wird der neue Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) halten. Ein Alkoholverbot auf den Straßen so wie in Köln ist nach jetzigem Stand in Düsseldorf nicht geplant.

Das Bedürfnis nach Karneval scheint trotz allem da zu sein: Erstmals überhaupt war in Köln zwischenzeitlich der Schal mit dem diesjährigen Karnevalsmotto ausverkauft. Das Motto heißt: „Nur zesamme sin mer Fastelovend“ - „Nur zusammen sind wir Karneval“.

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Geschlossene Kneipe im Umkreis der Zülpicher Straße in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

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