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Boulevard

Katja Benrath: „Das ist ein Kulturschock“

Film

Donnerstag, 1. März 2018 - 12:41 Uhr

von Interview: Barbara Munker, dpa

dpa Los Angeles. Katja Benrath könnte mir „Watu Wote/All Of Us“ einen Kurzfilm-Oscar gewinnen. Mit ihrem Team von der Hamburg Media School drehte sie in Kenia - eine wahre Geschichte über Terror und Menschlichkeit.

Meryl Streep ist eine große Inspiration für Katja Benrath. Foto: Barbara Munker

Mit „Watu Wote“ erzählt Katja Benrath eine wahre Begebenheit nach: Im Dezember 2015 wird ein Reisebus im Norden Kenias von islamistischen Terroristen überfallen. Statt ihr eigenes Leben zu retten, stellen sich die muslimischen Passagiere schützend vor die Christen.

Mit ihrem Team von der Hamburg Media School hat die Regisseurin in dem Krisengebiet recherchiert und mit Filmschaffenden aus Kenia gedreht. Im vorigen Herbst gewann sie den Studenten-Oscar in Gold, nun könnte der Oscar in der Sparte „Live Action“-Kurzfilm folgen. „Das ist für uns alle ein Kulturschock“, erzählt die Lübeckerin im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Hollywood.

Frage: Was macht die Kraft des Films aus?

Antwort: Ich hatte eine Gänsehaut, als ich diese wahre Geschichte zum ersten Mal gelesen habe. Da steckt eine starke Botschaft drin. Beim Drehen habe ich die Kraft dieser Menschen gespürt, dass sie Leben beschützen wollten, obwohl ihr eigenes dadurch bedroht war.

Frage: Und jetzt öffnet Ihnen die Oscar-Nominierung in Hollywood Türen?

Antwort: Seit Wochen geht es darum, auf den Film aufmerksam zu machen. Es gibt jede Menge Interviews und wir haben Termine mit ganz tollen Produktionsfirmen. Da geht es nicht darum, mich an den Mann zu bringen, aber es ist eine Chance, mit tollen kreativen Köpfen zu reden. Darum bin ich Filmemacherin, um kreativ sein zu dürfen. Vielleicht könnte sich daraus etwas in Hollywood ergeben, aber ich bin ganz strikt: Ich gehe nur dahin, wo eine Geschichte ist, die mich wirklich bewegt.

Frage: Sie haben Meryl Streep bei einem Empfang getroffen. Worüber haben Sie gesprochen?

Antwort: Ich habe mich bei ihr bedankt. Sie ist für mich eine der wichtigsten Inspirationen, weil ich sie unglaublich echt und authentisch und liebevoll finde. Das hat sich in dem Gespräch auch bestätigt, sie hat das Herz auf dem rechten Fleck. Nicht nur, dass sie eine fantastische Schauspielerin ist, es geht ihr darum, Künstlerin zu sein und jetzt im Zuge der  „Time's Up“- und „Me Too“-Bewegung etwas zu verändern.

Frage: Bei den Oscars spielt auch der rote Teppich eine Rolle. Wie werden Sie darüber laufen?

Antwort: Das sind Dinge, die mir normalerweise nicht so wichtig sind. Aber gleichzeitig gehört es auch dazu, dass man diesem großen Event Respekt zollt und sich vernünftig anzieht und nicht in Jeans und Turnschuhen auftaucht. Ich habe mich aufgrund der Situation für ein schwarzes Outfit entschieden.

Frage: Welche Chancen auf einen Oscar rechnen Sie sich aus?

Antwort: Es sind fünf Filme, also haben wir eine 20-prozentige Chance, das ist schon viel leichter, als im Lotto zu gewinnen. Ich rechne uns schon eine Möglichkeit aus, denn die Kraft des Films liegt darin, dass Menschen ihre eigene Geschichte erzählen. Ihretwegen hoffe ich darauf. Wir haben aber auch die anderen Kurzfilmer gut kennengelernt und wir gönnen uns das alle, denn wir haben alle Respekt für die Arbeit der anderen.

Frage: Haben Sie eine Dankesrede vorbereitet?

Antwort: Ich habe ein paar Ideen und natürlich den Wunsch, etwas zu sagen, was auch eine Bedeutung hat. Natürlich würde auch aus mir rausströmen, wem ich dankbar bin. Es kommen viele starke Frauen in dem Film vor, etwa muslimische Frauen, die schon in dem Bus Kopftücher verteilen, um die christlichen Frauen zu verkleiden und sie dadurch zu schützen. Das war eine sehr starke Aktion. Vielleicht könnte ich das in die Rede aufnehmen, aber man hat nur 45 Sekunden Zeit.

Frage: Und was steht am Montagmorgen nach der Oscar-Nacht auf dem Programm?

Antwort: Später am Tag habe ich schon wieder Termine, aber am Morgen gibt es hoffentlich ein nettes Frühstück mit unseren Leuten. Wir wollen als Team einfach nur eine coole Zeit haben und aufnehmen können, was hier gerade passiert.

Frage: Haben Sie schon ein neues Projekt in Aussicht?

Antwort: Ich arbeite mit Tobias („Watu Wote“-Produzent Tobias Rosen) an einem schönen Kinofilm, von einer tollen Autorin geschrieben, aber darüber darf ich noch nicht viel sagen. Ich werde ihn inszenieren. Ich habe auch Lust, wieder zu schreiben und im Team zu arbeiten, wenn der ganze Trubel vorbei ist.

ZUR PERSON: „Watu Wote“ ist Katja Benraths Abschlussbeitrag an der Hamburg Media School (HMS). Von 2014 bis 2016 studierte die in Lübeck aufgewachsene Schauspielerin und Regisseurin dort. Zuvor hatte die gelernte Kostümschneiderin das Vienna Konservatorium in Wien besucht (2002 bis 2006) und sich in Gesang und Schauspiel ausbilden lassen.

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